Das Ergebnis verkorkster Erziehung

Narbenkinder von Cecily von Hundt

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Es ist schon heftig, wie die Lebensumstände in der Kindheit einen Menschen prägen und sein Leben lang beeinflussen können. In „Narbenkinder“ von Cecily von Hundt gibt es dafür gleich zwei dominante Beispiele: Den Mörder und die junge Journalistin Penny Kalunke.

Die Geschichte:

Ein Serienmörder treibt im vorweihnachtlichen Berlin sein Unwesen. Gleich fünf Menschen, drei Frauen und zwei Männer müssen innerhalb weniger Tage ihr Leben lassen. Mit Nachrichten, die er den weiblichen Opfern in den Mund steckt und einem Brief, den er an Penny schickt, weist er auf die Möglichkeit weiterer Morde hin und fordert eine Berichterstattung durch Penny – und zwar nur durch sie. Die Journalistin, die vor ein paar Jahren mit einem Journalistenpreis ausgezeichnet wurde, und ihr Chef und Patenonkel Max informieren die Polizei, die mehr oder weniger begeistert Penny an den Ermittlungen beteiligt. Doch dem Täter auf die Spur zu kommen ist gar nicht so leicht. Vor allem, weil sich das Motiv nicht eindeutig ermitteln lässt.

Meine Meinung:

Mich hat die Geschichte von Anfang an eingenommen und dabei eine Eigendynamik entwickelt, die mich gefesselt hat. Spannend fand ich vor allem Pennys komplizierten Charakter, der durch eine bipolare Störung, ein Erbe ihrer Mutter, für die Umwelt schwierig zu handeln ist. Aber auch ihr Vater, ein Alkoholiker und natürlich nicht zuletzt der Mörder haben ihr Päckchen zu tragen. Vor allem der Mörder, dessen Gedankengänge und Lebensumstände immer wieder in kurzen Kapiteln eingeschoben werden und somit einen Einblick in eine stark gestörte Persönlichkeit geben. Dabei spielt die Autorin mit den Gefühlen der Leser. Denn eigentlich hat er ein hehres Motiv, das hier aber nicht verraten werden soll.

Dem Mörder war ich nach rund 75 Prozent der Geschichte auf der Spur. Was die Spannung aber nicht gemindert hat. Und dann gibt es da noch den überheblichen Hauptkommissar, der auch noch auf der Anrede mit Dienstgrad besteht. Auch er hat sein Psychopaket abbekommen in Form eines Minderwertigkeitskomplexes aufgrund seiner Größe – oder eben auch nicht Größe – der durch fast schon autoritäres Auftreten kompensiert werden muss.

Aber auch das Redaktionsleben hat Cecily von Hundt anschaulich dargestellt. Ich habe selbst fast 30 Jahre als Journalistin – meistens frei – gearbeitet und kann nur bestätigen, was sie in ihre Geschichte einfließen lässt. Die Redaktionskonferenzen, die spontanen Aufträge, die dann möglichst noch aktuell ins Blatt müssen und die Sonn- und Feiertagsdienste, bei denen ein kleines Team die Ausgabe des nächsten Werktags vorbereitet. Absolut nicht ungewöhnlich ist, dass einzelne Journalisten für die Berichterstattung gezielt bei den Redaktionen angefragt werden.

Interessant fand ich die Aufarbeitung des Themas der bipolaren Störung. Man hört immer wieder darüber, aber wie sich die Krankheit äußert, wird selten wirklich offen und informativ anhand von Beispielen erklärt.

Ein bisschen hat mich der übermäßige Alkoholgenuss verschiedener Persönlichkeiten im Buch gestört. Aber das ist eine Nebensächlichkeit, die keine Abwertung verdient.

Einzig die Namensgebung war mir zu albern. Penny Kalunke geht ja noch. Aber Nick Zwieback fand ich dann nicht so passend. Auch wenn dadurch Dialoge zwischen Penny und Nick möglich wurden. Aber da hätte es vielleicht auch noch andere Möglichkeiten gegeben.

Die Autorin hat einen guten, flüssigen und nicht zu komplizierten Schreibstil. Das Cover passt gut zum Thema und lässt Schlüsse auf den Inhalt zu.

Meine Leseempfehlung:

Ein ganz klares Ja. Ich fand die Story spannend, auch wenn es immer wieder Ausflüge in Pennys Privatleben gibt. Die kann und soll es auch geben. Schließlich sind die Protagonisten – egal in welcher Geschichte – auch immer ganz normale Menschen. Das Private darf nur nicht überwiegen.

Das Buch „Narbenkinder“ von Cecily von Hundt wurde mir vom Verlag digitalpublishers  kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung nicht beeinflusst hat.

Klar und geradeaus mit starkem Spannungsbogen

Die letzte Lüge des Cameron Swift von Jane Isaac

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Cameron Swift ist ein Geschäftsmann, der viel dafür arbeitet, seiner Familie ein schönes Leben zu ermöglichen. Dafür muss er auch häufig durchs Land reisen und ist regelmäßig über Tage nicht zuhause. Obwohl er selbstständig ist und eigentlich Netzwerke pflegen müsste, meidet er gesellschaftliche Anlässe. Seine Partnerin Monika ist mit den beiden Kindern zuhause. Alles sieht nach einem idealen Leben aus. Bis – ja bis Cameron an einem Sonntagmorgen auf dem Weg zum Golfen direkt vor der Tür seines beachtlichen Anwesens kaltblütig erschossen wird.

Family Liaison Officer DC Beth Chamberlain wird als Opferschutzbeamtin gemeinsam mit einem Kollegen zur Betreuung der Familie eingesetzt. Da meldet sich Sara Swift, die ebenfalls behauptet, mit ihren beiden Kindern die Familie des Cameron Swift zu sein. Obwohl auch sie nicht mit Cameron verheiratet ist, hat sie seinen Namen angenommen. Die beiden Familienbetreuer teilen sich auf, Beth wird zur Betreuung der zweiten Familie abgeordnet.

Es ist ein Leben, das auf eine oder auch mehrere Lügen aufgebaut wurde und durch den Mord wie ein Kartenhaus in sich zusammenfällt. Was vermutlich aber auch sonst passiert wäre. Denn im Verlauf der Geschichte erfährt man immer mehr, wie eng es für Cameron eigentlich gerade geworden ist.

Meine Meinung:

Jane Isaac hat eine komplexe aber gut durchdachte Story entwickelt, die dem Leser allerhand Rätsel aufgibt. In flüssiger, leicht lesbarer Erzählweise entwickelt sie eine Geschichte, die nicht unrealistisch erscheint. Den Mörder entlarvt sie erst sehr spät. Hinweise auf ihn sind zwar irgendwo im Buch versteckt, man muss aber schon sehr genau hinsehen und nachdenken, darf gewisse Aspekte nicht aus dem Auge verlieren.

Die Figuren hat sie gut charakterisiert und beschrieben. Beth, die alles für ihre Schwester Eden und ihre Nichte Lilly tun würde und ausgerechnet durch Eden in Bedrängnis gerät, Nick, ihr Vorgesetzter, mit dem sie ein mehr oder weniger lockeres Verhältnis pflegt, Monika und Sara, die beiden Frauen, die eine ruhig, die andere aufbrausend – sie sind alle Charaktere, die es überall gibt, denen man jederzeit begegnen könnte. Und auch das Opfer, Cameron, ist interessant zu betrachten. Könnte so ein Mensch auch in unserem näheren Umfeld leben? Ich denke schon. Bigamie oder auch die Beziehung zu zwei Partnern ist nicht ungewöhnlich. Und etwas zu vertuschen hat so mancher gute Bürger.

Fazit:

Das Buch „Die letzte Lüge des Cameron Smith“ ist gut zu lesen. Man kommt gut in die Geschichte hinein, der Spannungsbogen steigt gleich zu Beginn an und hält bis zum Schluss, die Handlung ist nicht zu kompliziert verwoben, die Autorin verliert sich nicht in Nebengeschichten, die mit der eigentlichen Geschehen nichts zu tun haben. Ich hatte den Roman in kürzester Zeit durch. Von mir gibt es dafür eine absolute Leseempfehlung.

Das Buch „Die letzte Lüge des Cameron Swift“ von Jane Isaac wurde mir von www.digitalpublishers.de kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung nicht beeinflusst hat.

So gut wie Fitzek und Stieg Larsson

Der Chat von Christoph F. J. Rotter

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Puh, das war eine spannende Nacht. Den Thriller „Der Chat“ von Christoph F.J. Rotter habe ich komplett in vier Stunden durchgelesen.

Die Geschichte:

Ben trifft sich mit Viola zu einem ersten Date, das schiefzulaufen droht, in einer Bar, zeigt ihr eine App auf seinem Handy, mit der er die Chats der anderen Gäste mitlesen kann. Das Programm ist natürlich illegal und von Bens Bruder Tommy, einem begnadeten Hacker, mitentwickelt worden. Die beiden entdecken einen Schriftverkehr bei dem es um den Mord an einer Studentin geht. Diese soll an dem Abend noch sterben. Ben und Viola finden mit Tommys Hilfe den Verfasser der Nachrichten. Zumindest einen davon. Die beiden beschließen, ihn zu verfolgen und dann, wenn sie wissen, wo der Mord stattfinden soll, die Polizei zu alarmieren. Es beginnt eine nervenaufreibende Nacht – nicht nur für die Protagonisten des Thrillers.

Meine Meinung:

Der Autor hat den Spannungsbogen schon sehr früh gespannt. Gleich zu Beginn wird der Leser gefesselt und im Verlauf der Geschichte immer weiter ins Geschehen hineingezogen. Man fiebert mit Ben und Viola mit, fühlt mit Tommy, der aufgrund einer Sozialphobie seine Wohnung nie verlässt und ist immer wieder geneigt, dem Ermittler Tipps zu geben oder die jungen Leute zu warnen. Durch die sehr spannende und klare Erzählart und den quasi in Echtzeit stattfindenden Ablauf findet man keine Gelegenheit, eine Pause einzulegen oder gar zu schlafen. Ich jedenfalls habe bis halb sechs Uhr gelesen und nicht aufgehört, bis ich am Ende war.

Fazit:

So spannend die Geschichte ist, so unwahrscheinlich ist sie auch. Das tut der Story aber keinen Abbruch. Im Gegenteil. Wer genug Phantasie besitzt, sich auf die Geschichte einzulassen, hat Lesespaß für mehrere Stunden. Eine schlaflose Nacht kann man kaum besser verbringen. Und wer sagt, dass Thriller realistisch sein müssen?

Meine Leseempfehlung:

Für dieses Buch gibt es für mich eine ganz klare Leseempfehlung für alle, bei denen es auch einmal heftiger zugehen darf. Vom Autor Christoph F.J. Rotter wünsche ich mir noch mehr solcher Geschichten. Denn er steht den bekannten Schriftstellern wie Fitzek, Stieg Larsson und anderen in nichts nach.

Das eBook „Der Chat“ von Christoph F. J. Rotter wurde mir vom dp-Verlag Stuttgart kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung aber nicht beeinflusst hat.