Düstere Geheimnisse in der Upper Class

Die Geschichte:

Miss Amanda Delagore ist aufgewühlt und unkonzentriert. Ihre Freundin aus Kindertagen, die, so wie sie auch, im Londoner West End in einem Haushalt arbeitet, ist seit einigen Tagen verschwunden. Weggelaufen kann sie nicht sein. Sie ist glücklich verheiratet und hat eine kleine Tochter. Eigentlich könnte das Schicksal der jungen Frau Lady Lydia Ambervale egal sein. Es handelt sich ja nur um ein Dienstmädchen, das dazu noch aus dem Londoner East End, dem Armenviertel der Stadt kommt. Allerdings scheint sich in der Upper Class, in der sie gearbeitet hat, niemand für ihr Verschwinden zu interessieren. Selbst die Polizei im East End hat die Mutter der Vermissten abgewimmelt. Was Lady Ambervale ärgert. Immerhin geht es um einen Menschen. Und wenn die Polizei schon nichts unternimmt, dann muss sie eben selbst ermitteln, wobei sie manch dunkles Geheimnis der Oberschicht aufdeckt.

Mein Eindruck:

Lady Ambervale ist eine schwierige, eigensinnige Person, die tief in einer Depression steckt. Als ihr Vater, der sie allein großgezogen hat, krank wurde, war sie verlobt. Allerdings hat sich ihr Partner von ihr getrennt, als sie sich um den Vater kümmern musste. Nach dem Tod des Vaters, ist sie allein, verlassen von allen, die sie geliebt hat und enttäuscht von einem Mann, den sie eigentlich heiraten wollte. In diese Phase hinein kommt nun dieser Vermisstenfall. Lydia engagiert sich, möchte wissen, was der jungen vermissten Frau zugestoßen ist. ich

Das Lösen dieses Falles reißt sie aus ihrer Lethargie, lässt sie Einladungen zu gesellschaftlichen Treffen annehmen, wo sie versucht, Erkundigungen einzuholen und Erkenntnisse zu erlangen. Was aber nicht so einfach ist. Die einen blocken alles ab, die anderen belächeln sie und versuchen, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Lediglich ein Polizeibeamter im ärmlichen Eastend, ein alter Freund ihres Vaters und schließlich auch das Faktotum ihres Haushalts, der sowohl als Hausmeister als auch als Gärtner, Stallbursche und Kutscher arbeitet, nehmen sie ernst und unterstützen sie.

Zwar hilft ihr die Ermittlung, psychisch wieder auf die Füße zu kommen, doch lässt sie ein Rückschlag auch ganz schnell wieder in ihrem dunklen Loch versinken. Ihre Verfassung ist bis zum Ende schwankend.

Als unsympathisch würde ich die Protagonistin nicht bezeichnen. Aber einfach ist sie auch nicht. Sie begibt sich bei Alleingängen in Gefahr, geht nachts allein zu Fuß einige Kilometer durchs Armenviertel vorbei an suspekten Gestalten in Richtung Westend, schnüffelt auch schon mal im Arbeitszimmer eines honorigen Bürgers.

Andreas Temmers Schreibweise liest sich sehr angenehm, allerdings lässt die Spannung manchmal zu wünschen übrig. Dafür gibt es einige Einblicke in das Londoner Leben des 19. Jahrhunderts.

Fazit:

Für Freunde des Cosy Crime ist der Roman empfehlenswert. Auch für Fans von Krimis, bei denen es gilt einen Täter anhand von Indizien und Beweisen und ohne besonders blutige Szenen zu ermitteln ist der Roman geeignet. Für ein ruhiges Ein- und Durchschlafen ist gesorgt. Die Spannung und Aufregung hält sich im Rahmen.

Leseempfehlung:

Dreieinhalb Sterne – mehr kann ich leider nicht geben. Mir ist die Story ein bisschen zu lahm. Mehr Schwung und Spannung täte ihr sicherlich gut.

Das Buch „Lady Ambervale und das tote Dienstmädchen“ von Andreas Temmer wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Am Ende ist nichts, wie es scheint

Die Geschichte:

Rebecca Williams ist Psychologin und Headhunterin, die unter anderem Einstellungstests bei der Polizei durchführt. Ihr Geschäft, mit dem sie sich vor nicht allzu langer Zeit selbstständig gemacht hat, läuft aber nicht so gut, sodass sie in Geldnöte kommt. Ihre Freundin Vicky vermittelt ihr einen Job bei ihrem Vater und hilft ihr somit aus der finanziellen Not. Vickys Vater ist allerdings ein Drogenboss, der Rebecca für seine Zwecke einspannt und sie somit immer weiter in den gefährlichen Sumpf eines Bandenkriegs zieht. Ihr Gegenspieler ist Omar, ein junger Polizeibeamter, den sie selbst für den gehobenen Dienst bei der Metropolitan Police empfohlen hat.

Mein Eindruck:

Matthias Ernst hat einen unglaublich fesselnden Schreibstil. Er baut die Geschichte schlüssig auf und entwickelt sie in stetigem Spannungsbogen und Tempo weiter bis zum Showdown. Selbstredend erleben die Protagonisten dabei so manche gefährliche Situation im Londoner East End.

In kurzen Kapiteln wechselt der Autor die Sicht zwischen Rebecca und Omar, sodass sich zwei Erzählstränge aufeinander zubewegen, um im großen Finale zu enden. Dabei spielt er mit seinen Lesern, lässt sie Mutmaßungen anstellen, bringt sie dazu, die Protagonisten warnen zu wollen, zieht sie tief in seine Geschichte hinein und lässt sie als Zuschauer ganz nah dabei sein. Man hat fast das Gefühl, mit im Auto zu sitzen, gemeinsam mit den beiden Freundinnen Kaffee zu trinken, mitten in einer Versammlung zu sein und gleichzeitig aber einen Wissensvorsprung zu haben und Situationen vermeintlich einschätzen zu können.

Die Charaktere hat Matthias Ernst sehr differenziert angelegt und ausgearbeitet. Rebecca ist im stetigen Zwiespalt – zumal sie ihrem Lebensgefährten versprochen hat, sich nicht auf den Drogenboss einzulassen. Omar dagegen ist intelligent und pfiffig und hat eine sehr gute Auffassungs- und Kombinationsgabe. Als Leser lässt man sich nur allzu gern auf die Protagonisten ein, nur um am Ende völlig verblüfft zu erkennen, dass nichts so ist, wie es scheint.

Fazit:

Nach „Die Professorin“ war „Die Headhunterin“ mein zweiter Roman von Matthias Ernst. Dabei ist der eine so gut und spannend wie der andere. Ich hatte auch dieses Werk in kürzester Zeit durch. Der Autor spielt die gesamte Klaviatur der Psychologie und führt seine Leser ganz unbemerkt in die Irre. Bis zum Schluss kommen selbst eingefleischte Thriller Fans, die sonst auch schon mal früh einen Verdacht fassen, nicht hinter das Geheimnis, das tatsächlich erst am Ende erkennbar wird.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es klare fünf Punkte. Schreibstil, Plot, Spannungsbogen – es stimmt einfach alles.

Das Buch „Die Headhunterin“ von Matthias Ernst wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Das Ziel leider verfehlt

Die Geschichte:

Johannes Burgmeister, Oberkommissar aus München, wird nach einem misslungenen Undercover Einsatz, der Menschenleben gekostet hat, vorübergehend für die Dauer der internen Ermittlung vom Dienst suspendiert. Um sich seine Wunden zu lecken, zieht er sich in die finnische Provinz zurück. Ganz zufällig wird dort bei einer Treibjagd eine Leiche gefunden und Burgmeister gebeten, die Ermittlungen zu übernehmen. Um die Sprachbarriere zu überwinden, wird ihm der Berufsanfänger Matti Halonen, der bei der Verkehrspolizei seinen Dienst versieht, als Partner zur Seite gestellt.

Mein Eindruck:

Hmmm, was soll ich dazu sagen. Der Stoff hat Potenzial, das leider nicht ausgeschöpft wurde.

Da ist zunächst einmal der frustrierte und mit der Welt im Clinch liegende Oberkommissar, der sich als echter Stinkstiefel und Miesmuffel präsentiert. Der ist so unsympathisch, dass man das Buch am liebsten weglegen würde. Mir ist er jedenfalls gehörig auf die Nerven gegangen. Mein erster Gedanke: Der hat die Kinderstube auf Rollschuhen durchlaufen und nichts, aber auch gar nichts an Anstand gelernt.

Dann ist da sein Gegenstück Matti Halonen, ein aufgeweckter, sympathischer, harmoniesüchtiger junger Polizist, dem man die skandinavische Art abnimmt. Dank seiner deutschen Mutter ist er der deutschen Sprache mächtig und fungiert zunächst in erster Linie als Dolmetscher, mit der Zeit bringt er sich aber immer mehr in die Ermittlungen ein.

Und dann gibt es noch die Jäger, die in einem Verein organisiert sind und offenbar im Dorf viel Einfluss haben.

Soweit die drei Hauptfiguren bzw. zwei Figuren und eine Gruppe.

Aber bei dem Ganzen Plot stellen sich für mich Fragen. Zum Beispiel: Woher weiß die örtliche Polizei, dass der völlig zurückgezogen lebende Burgmeister ein deutscher Kommissar ist? Wieso kann die finnische Polizei den Fall nicht selbst übernehmen? Wie kann ein suspendierter deutscher Kriminalbeamter, gegen den im heimischen München intern ermittelt wird, die Ermittlungen mit weitreichenden Kompetenzen in Finnland übernehmen? Das ist in meinen Augen völlig unrealistisch. Soweit ich weiß, hat er keinerlei Befugnisse im Ausland zu arbeiten, sofern er nicht auf Amtshilfeersuchen abgeordnet wurde. Was hier nicht der Fall ist. Aber gut, es handelt sich um eine fiktive Geschichte und Krimis oder Thriller sind nicht immer realistisch.

Doch es geht noch weiter. Da sitzt eine Gruppe von Jägern auf Baumstämmen, um während einer Treibjagd eine Pause zu machen, als die Waidmänner plötzlich ein Donnern hören, das sie nicht von einem Schuss unterscheiden können. Was sind das bitte für Jäger?

Fürchterlich genervt haben mich die Dialoge in finnischer Sprache. Das ist eine neue Mode, die leider auch immer mehr in Filmen vorkommt. Da unterhalten sich Menschen in ihrer Sprache und der Zuschauer muss die Untertitel lesen. Es ist ja schön, dass der Autor finnisch kann, und am Anfang kann man das ja auch mal machen. Aber es kommt immer wieder vor. Dazu dann noch die Übersetzung des jungen Polizisten Matti – das hemmt den Lesefluss gewaltig und nimmt die Lust am Lesen.

Aus psychologischer Sicht gesehen hat David Seinsche interessante Charaktere angelegt. Wenngleich der Kommissar sehr unsympathisch erscheint. Begründet wird sein Gemütszustand auf seiner missglückten Ehe und der gestörten Beziehung zu seiner Tochter, an denen er allerdings selbst schuld ist. Was er am Ende auch erkennt und einsieht.

Was die Ermittlungen angeht: Burgmeister geht sehr raubeinig vor, überdehnt meiner Meinung nach die Regeln gewaltig und bewegt sich auf einem schmalen Grat zwischen legalen und unerlaubten Mitteln. Die Untersuchung des Falles verläuft zäh, was der Spannung aber nicht schadet. Wobei der Spannungsbogen auch nicht gerade steil verläuft, eher vor sich hin plätschert. Und ob Jäger, die ihre Waffen zur Untersuchung abgeben müssen, tatsächlich vor der Polizeistation demonstrieren und teilweise sogar randalieren ist fraglich.

Was auch völlig überflüssig erscheint, ist der Einkauf in der finnischen Lidl Filiale, in der Burgmeister Leberkäse und Brezeln findet. Zumal der Rückfahrt vom Einkauf in einem weiter entfernten Ort ziemlich viel Raum zugestanden wird. Denn der arme Matti, der als Fahrer fungiert, ist schuld daran, dass sie in einen Stau kommen und er keine Kühlbox hat, um den Leberkäse frisch zu halten. Wohlgemerkt, die Story spielt nicht im kalten finnischen Winter. Der Leberkäse übersteht die Stunden im warmen Auto scheinbar unbeschadet und schmeckt bzw. bekommt dem Kommissar am Ende noch. Ich hätte den im Hinblick auf die auch ohne Stau langen Fahrstrecke und der fehlenden Kühlbox wahrscheinlich erst gar nicht eingekauft oder ihn spätestens zuhause vernichtet. Um nicht zu sagen: Der Absatz ist eigentlich völlig unnötig.

Das nächste was mich dann noch gestört hat, ist das Ende, bei dem Burgmeister … nein das verrate ich nicht. Das wäre gespoilert. Aber auch das ist eigentlich unrealistisch.

Fazit:

Ich hatte mir von dem Roman mehr erhofft. Zumal David Seinsche mit dem Roman „Die Bestie“ bewiesen hat, dass er es sehr viel besser kann. Die ganze Story ist mir zu konstruiert und zu unrealistisch.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es höchstens drei Sterne. Der Autor hat viel Arbeit in den Roman gesteckt, was ich anerkenne. Allerdings hat er für mich das Ziel, einen spannenden Roman mit viel skandinavischem Flair zu schaffen, leider verpasst. Schade, denn er kann das wirklich besser. So hoffe ich darauf, bald einen neuen, besseren Roman von ihm zu lesen.  

Das Buch „So tödlich der Wald“ von David Seinsche wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Unterschiedlicher können Ermittler nicht sein

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Die Geschichte:

Die Kölner Kommissarin Sandra König wird nach Malaga geschickt. In der südspanischen Region wurde ein Deutscher, Mitglied einer Reisegruppe, bei einer Wanderung ermordet. Sandra König, die bereits in Spanien gearbeitet hat und die Sprache beherrscht, soll den Comisario Principal Javier Sánchez bei den Ermittlungen unterstützen. Der ist jedoch nicht so sehr davon begeistert.

Mein Eindruck:

Der Krimi fängt gleich mit dem Mord an und zieht den Leser direkt in die Geschichte hinein. Allerdings konnte die Autorin mich auf Dauer nicht wirklich fesseln. Zwar ist die Kombination der beiden Kommissare interessant. Doch sind die Handlungen nicht immer nachvollziehbar.

Sigrun Dahmer hat die Charaktere sehr unterschiedlich ausgestaltet, was die Spannung zwischen den beiden gut verdeutlicht. Doch zeigt sich der brummige spanische Comisario sehr wankelmütig. Mal findet er die deutsche Kollegin nur nervig, dann wieder verteidigt er sie und lobt ihre Arbeit. Gleichzeitig beweist sich die Kommissarin zwar als intelligent und zeigt eine rasche Auffassungs- und Kombinationsgabe, doch spricht sie dem Alkohol etwas zu viel zu, was sie unglaubwürdig macht. Welche Polizistin würde es sich erlauben, gleich in den ersten Tagen betrunken auf einer Parkbank sitzend aus einer Rotweinflasche zu trinken. Natürlich gibt es Polizisten, die ein Alkoholproblem haben. Aber abgeordnet ins Ausland sollte sich ein Beamter zumindest in den ersten Tagen von seiner besten Seite zeigen – zumindest in der Öffentlichkeit.

Auch die Staatsanwältin, die den Comisario erst in den höchsten Tönen lobt, um ihn kurz darauf vor versammelter Mannschaft niederzumachen und Loblieder auf Sandra König singt, mutet seltsam an und berührt einen peinlich.

Die Ermittlungen dümpeln mehr vor sich hin, als dass sie spannend oder mit Tempo verlaufen würden. Dass die beiden Kommissare dann doch noch ihr Ziel erreichen und den Fall gemeinsam lösen, scheint fast erstaunlich. Die Mitglieder der Reisegruppe verhalten sich seltsam unkooperativ, der Leiter der Gruppe ist zufällig ein Bekannter der deutschen Kommissarin, den sie nicht in guter Erinnerung hat. Die Lösung des Falles scheint am Ende etwas konstruiert. Zumal der Täter / die Täterin plötzlich aus dem Nichts auftaucht.

Irritiert hat mich, dass das Opfer aus sehr hoher Höhe abstürzt und den Fall zwar schwer verletzt erst einmal überlebt und beim Auffinden nach Stunden an der Absturzstelle liegend sogar noch ansprechbar ist. Ich bin keine Medizinerin und auch keine Kletterexpertin. Aber mein gesunder Menschenverstand kann diese Zusammenhänge irgendwie nicht vereinbaren. Eine Skepsis bleibt.

Was mir gut gefallen hat, ist der Cosy-Anteil im Roman. Malagas Altstadt wird sehr anschaulich beschrieben, die Atmosphäre kommt beim Leser an und lässt Urlaubswünsche aufkommen.

Fazit:

Alles in allem ist der Krimi eher tüttelig und weniger reißend. Manches scheint konstruiert, die Verhaltensweisen sind nicht immer nachvollziehbar.

Leseempfehlung:

Dreieinhalb Sterne – zu mehr hat es bei mir nicht gereicht. Für empfindsame Seelen ist dieser Krimi sicherlich geeignet. Er ist alles andere als blutrünstig. Und wer sehr eigenwillige Charaktere mag, ist hier auch gut bedient.

Das Buch „Mord an der Costa del Sol“ von Sigrun Dahmer wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein Spiel gerät außer Kontrolle

Eigentlich sollten es nur Streiche sein

Die Geschichte:

Zehn Jahre sind vergangen, seit Psychologin Svea im letzten Schuljahr vor dem Abitur mit ihren Freunden ein Spiel gespielt hat, das mit dem Tod eines Mädchens geendet hat. Eigentlich hatten sich die damals Jugendlichen nur gegen Mobbing zur Wehr setzen wollen. In regelmäßigen Abständen hatten sie sich in einem alten Farmhaus getroffen, um bei einem Kartenspiel eine sogenannte Rachekarte auszuspielen. Wer die Karte bekam, durfte sich mit einem Streich an demjenigen rächen, der sie oder ihn gemobbt hatte. Ein Spiel ging allerdings schief. Zehn Jahre lang hat Svea versucht, die Ereignisse von damals zu vergessen. Bis sie eine Sprachnachricht von ihrer Schulfreundin Rachida, die ebenfalls zur Gruppe gehörte, erhält. Eine Nachricht, die nichts Gutes verheißt. Zumal Rachida plötzlich verschwindet. Die Gruppe wird von einer unbekannten Person ins alte Farmhaus eingeladen und gezwungen, das Spiel noch ein Mal zu spielen.

Mein Eindruck:

Die Autorin hat mich von Anfang an gefesselt und in die Geschichte hineingezogen. Schon der Prolog ist spannend und reizt dazu weiterzulesen, so dass ich den Roman kaum aus den Händen legen konnte. Ich habe mit den einzelnen Figuren gelitten, konnte die Reaktionen von Karli, die eigentlich Charlotte heißt, nicht nachvollziehen, hatte Mitleid mit deren Zwillingsbruder Raik sowie Anton, die beide immer wieder Opfer von Tanjas fiesen Mobbingattacken wurden, und habe tiefstes Misstrauen gegen Jeremias gehegt. Dabei ist die Auflösung eine logische Folge der Ereignisse. Der Mörder ist eigentlich schon früh zu erkennen. Wenn man eben ganz logisch und psychologisch denkt. Dazu lässt einen die Autorin aber gar nicht erst kommen. Zu schnell folgen die Ereignisse aufeinander, zu leicht lässt man sich vom Offensichtlichen ablenken.

Interessant ist der Zeitenwechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart der einzelnen Kapitel, die im Grunde aufeinander zulaufen und immer wieder ein Stückchen der Geschichte enthüllen – bis es zum dramatischen Showdown kommt.

Die Charaktere hat Juna Kristensen sehr gut ausgearbeitet, wobei sie Entwicklungen, die die einzelnen Protagonisten im Verlauf der zehn Jahre und ihrer Ausbildung gemacht haben, einbezogen hat.

Die Erzählweise der Autorin ist im Großen und Ganzen sehr angenehm, lässt sich gut lesen und ist wie gesagt sehr fesselnd. Nur mit einer Art habe ich ein Problem. Ich mag es nicht, wenn ein Nebensatz kein Personalpronomen enthält. Als Beispiel:
Die blickte ihr entgegen, doch konnte sich nicht rühren.
Um zwölf begehrte sie ein weiteres Mal auf, aber erhielt die gleiche Antwort.
In der Umgangssprache würde man, glaube ich zumindest, nicht so sprechen.
Für mich würden die Sätze heißen:
Die blickte ihr entgegen, doch sie konnte sich nicht rühren.
Um zwölf begehrte sie ein weiteres Mal auf, aber sie erhielt die gleiche Antwort –
oder …, sie konnte sich aber (jedoch) nicht rühren; respektive: … , sie erhielt aber die gleich Antwort.

Laut Duden ist die Schreibweise der Autorin zwar richtig, aber wie gesagt ich finde sie steif.

Das ist aber tatsächlich das Einzige, das ich bemängeln kann.

Fazit:

Juna Kristensen hat mit Rachemeer in der Neuauflage von Rachekarte einen sehr spannenden, psychologisch ausgefeilten Thriller veröffentlicht, der an der Nordsee spielt. Die Atmosphäre der Küste im trüben und nieseligen Herbst wird super vermittelt. Beim Lesen kann es einen richtig frösteln – ob von der Beschreibung des Nordseewetters oder von den Ereignissen, muss jeder selbst erkunden.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es viereinhalb Sterne. Der Thriller ist absolut lesenswert. Der halbe fehlende Stern ist der oben geschilderten Schreibweise geschuldet.

Das Buch „Rachemeer“ von Juna Kristensen wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein Diamant, der Leben fordert

Ein neuer spannender Fall für Sebastian St. Cyr

Die Geschichte:

Sebastian St. Cyr wird in seinem neuen Fall gebeten, in einem Mordfall zu ermitteln. Das Opfer: Daniel Eisler, berüchtigter Diamantenhändler mit Kontakten in die obersten Gesellschaftskreise. Verschwunden ist ein großer äußerst seltener blauer Diamant.  Russel Yates der, über die Leiche gebeugt angetroffen wurde, wird als Mörder festgenommen. Somit scheint der Fall gelöst. Allerdings hat Sebastian da so seine Zweifel. Der Gatte seiner früheren Geliebten Kat war in seinem früheren Leben zwar ein berüchtigter Freibeuter, dennoch scheint Sebastian die Lösung des Falles zu einfach zu sein. Bis Sebastian allerdings den wahren Mörder entlarvt hat, lassen einige Menschen ihr Leben.

Mein Eindruck:

Dies war der zweite Band der Serie, den ich gelesen habe. Und auch in diesem Roman erzählt C. S. Harris einen spannenden Krimi, der interessante Einblicke ins Leben des frühen 19. Jahrhunderts gibt, was mir besonders gut gefällt. Mal sind es wie im vorangegangenen Teil die französischen Kriegsgefangenen, die sich auf Ehrenwort frei bewegen durften, mal Besonderheiten wie das Priesterloch, das in diesem Band vorkommt, die erklärt werden.

Allerdings fand ich den Plot in seiner Komplexität etwas verwirrend und stellenweise anstrengend zu lesen. Zum einen ist es die Geschichte um die Herkunft und die Besitzverhältnisse des blauen Diamanten, die bis zu Napoleon reichen, zum anderen die vielen Figuren, die nur sporadisch auftauchen.

Sebastians Frau Hero hilft auch in diesem Fall wieder mit, des Rätsels Lösung zu finden. Und auch in diesem Roman wieder durch die Bekanntschaft einer interessanten Persönlichkeit. Gleichzeitig recherchiert sie im Umfeld der Kinder aus der Schicht der armen Londoner, die sich als Straßenkehrer den Unterhalt für sich und ihre Familien verdienen.

Interessant sind kleine Nebenschauplätze wie das sogenannte Priesterloch und das Leben der kleinen Straßenkehrer, die auch noch andere Arbeiten übernehmen.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, eingängig und unterhaltsam zu lesen. Die Charaktere hat sie wieder sehr fein ausgearbeitet, wobei die Entwicklung der einzelnen Personen schlüssig geschildert und gut zu verfolgen ist.

Der Titel hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Wohl der Londoner Ortsteil Aldgate, weniger aber der Wolf. Den konnte ich irgendwie nicht so richtig zuordnen.

Fazit:

Für Freunde historischer Kriminalromane, die im Groß Britannien des 19. Jahrhunderts spielen, sind die Geschichten um Sebastian St. Cyr in jedem Fall empfehlenswert.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es hier vier Sterne. Einen habe ich für die Komplexität abgezogen, die mir ein bisschen zu viel war.

Das Buch „Der Wolf von Aldgate“ von C. S. Harris wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannend mit unerwartetem Ende

Die Geschichte:

Monty Richards ist ein Bestsellerautor oder besser gesagt: Er war es. Bis er bei einem Bombenattentat auf ein Pariser Hotel ums Leben kam. Seine Tochter Audrey arbeitet in dem Verlag, der die Bücher ihres Vaters verlegt hat. Eines Tages kommt ein Roman in den Handel, dessen Story ihr seltsam bekannt vorkommt. Ihr Vater hatte ihr diesen Plot einmal als Idee präsentiert. Der Autor wird als zweiter Monty Richards gefeiert.  Doch Audrey glaubt nicht an einen Ideenzwilling. Zu viele Details des Romans ähneln denen, die ihr Vater verarbeiten wollte. Audrey macht sich auf die Suche, erlebt dabei eine böse Überraschung und gerät in Lebensgefahr. Unerwartete Hilfe bekommt sie durch ihren Kollegen Brian.

Mein Eindruck:

Der Roman beginnt mit einem Alptraum, der zeigt, wie sehr Audrey mit dem Tod ihres Vaters zu kämpfen hat. Langsam baut sich danach die Geschichte und damit auch der Spannungsbogen auf. Dabei werden weitere Protagonisten ganz selbstverständlich ins Spiel gebracht. Beispielsweise Brian, der Kollege, der sich vom Cheflektor gemobbt fühlt, Audreys beste Freundin Grace, die gerade einen tollen Mann kennengelernt hat und auf Wolke sieben schwebt, Audreys Mutter, die dem Alkohol seit dem Tod ihres Mannes mehr zuspricht, als ihr guttut und Kolleginnen im Verlag, die Intrigen spinnen.

Die Charaktere hat Nadine Stenglein sehr fein ausgearbeitet. Man fühlt von Anfang an mit Audrey und ihrer Mutter mit. Die Gefühle der Trauer und das Loch in das die beiden durch den Verlust des Vaters und Ehemanns gefallen sind, sind greifbar. Auch mit Brian, der Audrey gegenüber sehr charmant ist, der aber unter der Nichtachtung durch seinen Chef leidet, hat man gleich Mitleid. In ihrem gemeinsamen Leid finden Audrey und Brian zusammen, beginnen dabei auch eine Romanze. Die Autorin hat es sehr gut geschafft, die zärtlichen Seiten mit den spannenden zu verbinden, ohne dabei in das Genre des Schnulzenromans abzudriften oder den Spannungsbogen zu verlieren.

Dann tauchen da noch sehr seltsame, geheimnisvolle Menschen auf, die den Leser rätseln lassen. Wer könnte dahinter stecken? Was führen sie im Schilde? Dabei führt Stenglein ihre Leser immer wieder in die Irre. Immer, wenn man glaubt, einen Verdacht zu haben, schürt sie im nächsten Abschnitt schon wieder Zweifel.

Eine Idee, wer der Täter sei könnte, hatte ich schon früh, kam aber immer wieder in einen Zwiespalt. Das Ende hat mich dann aber doch überrascht. Denn mit dem Verlauf hatte ich nicht gerechnet. Zwar war meine Anfangsvermutung richtig, aber eben nicht so ganz. Da steckt dann noch viel mehr dahinter.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, leicht und flüssig zu lesen, die Erzählweise nimmt die Leser mit und lässt sie regelrecht mit leben und erleben.

Fazit:

Nadine Stenglein hat mich mit diesem Roman von Anfang an gefesselt. Der langsame Anstieg des Spannungsbogens, der dann bis zum Schluss gehalten wird und die Geschichte, die damit auch Tempo aufnimmt, sind gefällig. Selbst beim doch beschaulicheren Anfang – nach dem Alptraum – ist in keiner Weise langweilig oder langatmig.

Die Geschichte ist in ihrem Ablauf schlüssig, Logikfehler sind mir nicht aufgefallen.

Was mir gut gefallen hat, ist, dass der Roman bis zum Showdown ziemlich unblutig verläuft. Gut, ganz am Ende, wird es dann für zartbesaitete Leser vielleicht doch etwas haarig.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es fünf Sterne. Wie gesagt: Ganz sensiblen Lesern würde ich das Buch vielleicht nicht ans Herz legen. Wer aber ein bisschen was vertragen kann, ohne daraufhin gleich eine schlaflose Nacht zu verbringen, wird seine Freude an der Geschichte haben.

Das Buch „Mädchenseelen“ von David Tappeiner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Packender Psychothriller-Krimi

Die Geschichte:

Eine grausam zugerichtete Frauenleiche wird gefunden. Das Ermittlerteam Martin Keller, Julia Beck, Li Cheung Kwok-Wing und Kriminalrat Rudolf Preiß steht vor einem Rätsel und einem Wettlauf mit dem Mörder. Denn der belässt es nicht bei dem einen Opfer.

Meine Meinung:

Stefan Zeh hat einen Thriller geschrieben, der zugleich durch die Ermittler auch in den Bereich Krimi reicht. Als Grundthema hat er sich Stalking ausgesucht. Ein Thema, das man mit all seinen Facetten und Folgen gar nicht so auf dem Schirm hat, solange man nicht direkt oder indirekt betroffen ist. Dass gestalkte Menschen besonders belastet und am Ende nervliche Wracks sind, ist bekannt und auch nachvollziehbar. Wie perfide Stalker aber vorgehen, dass sie ihren Opfern eben nicht nur an jeder Ecke auflauern und sie mit Anrufen und Briefen bombardieren, wird einem eigentlich erst so richtig klar, wenn man den Roman gelesen hat.

Besonders spannend wird die Geschichte durch die Verflechtung von drei Erzählsträngen: dem nächsten Opfer, dem Ermittlerteam und dem Täter, wobei letzterer die Entwicklung seiner Brutalität von Kindesbeinen an in Ich-Form erzählt und somit auch einen guten Blick in die Psyche gibt. Dabei hat Zeh Wendungen und Fährten gelegt, die, folgt man ihnen weiter, oftmals in die Irre oder ins Leere führen. Bis sich ein kleiner Zipfel zeigt, der dann den Beginn des Fadens zum Knoten bildet.

Die Charaktere sind absolut gelungen. Julia, die junge Kommissarin, die gerade aus der Polizeischule kommend gleich in ihren ersten Mordfall gezogen wird. Leider wird sie Martin Keller zugeordnet, der sich als absoluter Stinkstiefel erweist, der sich gern mal einen Schluck aus dem Flachmann gönnt und Julia niedermacht, wo er nur kann. Die einzige Kompetenz, die er ihr zuspricht, ist das Kaffee kochen. Gleichzeitig hat sie noch mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen, der zwar schon zwei Jahre zurückliegt, sie aber immer noch belastet. Als Dritter im Bunde bildet Li den Ruhepool, der sich mit täglichen Qigong Übungen in psychischer Balance hält. Nicht zuletzt ist da noch Kriminalrat Preiß, der als einziger noch Einfluss auf Keller hat.

Wie perfide Stalker ihre Opfer manipulieren, sie vor den Ermittlern als vom Wahn getriebene, schon fast unzurechnungsfähige und nach Aufmerksamkeit suchende Simulanten erscheinen lassen, ist schon heftig.

Der Roman spielt in Stuttgart, der schwäbischen Hauptstadt Baden-Württembergs und Zehs Heimatstadt. Zeh hat es sich nicht nehmen lassen, augenzwinkernd die schwäbische Mentalität in Form eines breit schwäbelnden, kleinkarierten, peniblen typisch schwäbischen Hausmeisters in die Geschichte einzubauen. Ich habe bei der Passage herzhaft gelacht. Als Südbadnerin habe ich mit dem Dialekt kein Problem und mein Gelächter entstammt der nicht ernst gemeinten Hassliebe zwischen Badnern und Schwaben. Das Schwäbische unterscheidet sich zwar vom Badischen, gehört aber genauso zum Alemannischen Sprachbereich und hat von daher viele Parallelen. Für Nordlichter (Norden beginnt für uns ab der Landesgrenze) dürfte es aber schwierig werden. Für diese Leser hat Zeh wohlwissend eine Übersetzung der Passage ans Ende des Romans gesetzt.

Fazit:

Der Autor hat einen absolut packenden Psychothriller geschrieben, in dem er gut recherchierte Informationen zum Thema Stalking verarbeitet hat. Er führt den Leser in eine Welt, die überall um uns herum existiert und schärft damit die Aufmerksamkeit und den Blick auf Mitmenschen. Denn nicht alle Betroffenen zeigen, dass sie mit einem Stalker zu kämpfen haben. Und auch die gesetzlichen Maßnahmen gegen Stalker greifen erst, wenn es tatsächlich ernst geworden ist. Gerade deshalb sind solche Romane auch wichtig. Denn in Form eines fesselnden Thrillers lassen sich solche Informationen leichter in die Köpfe der Menschen transportieren. Vom eigenwilligen Ermittlerteam wünsche ich mir noch mehr Geschichten. Wenn’s geht immer mit einer Prise schwäbischem Humors.

Meine Leseempfehlung:

Klare fünf Sterne. Für zartbesaitete und sensible Leser ist der Stoff vielleicht etwas zu hart. Für Liebhaber gut geschriebener Thriller optimal. Wer nur auf blutrünstige Täter mit extrem dargestellten Szenen von Morden setzt, könnte nach diesem Roman ein neues Genre für sich gefunden haben.

Das Buch „Fataler Wahn “ von Stefan Zeh wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Eine Leiche statt Hochzeitstorte

Der fünfte Fall für die Countess of Harleigh

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Die Geschichte:

Frances, die Countess of Harleigh, heiratet. Doch kaum ist der offizielle Teil vorbei, wird im Nachbarhaus eine Leiche entdeckt. Und der erste Verdächtige ist ausgerechnet ihr Bruder Alonzo. Für Frances und ihren Mann George, der als Rechtsanwalt die Vertretung seines Schwagers übernimmt, heißt es jetzt ermitteln. Die Hochzeitsreise nach Cannes muss warten.

Meine Meinung:

Dianne Freeman hat mit dem fünften Band ihrer Countess of Harleigh-Reihe einen spannenden und komplexen Fall geschaffen, der den Leser zum Miträtseln animiert. Komplex, weil sehr viele Personen auftreten. Die einen hilfreich, die anderen eher verdächtig. Es geht um eine versprochene aber von der künftigen Braut ungewollte Ehe, einen Galan, der ebendieser Frau den Hof machen will und damit den Unwillen des heiratswilligen Fitzgerald auf sich zieht sowie um die Eltern der beiden und deren Rolle in der Geschichte. Und es geht um die amerikanische Familie der Countess, die zur Hochzeit angereist ist und natürlich gleich mittendrinsteckt im Mordfall.

Die beiden Hauptfiguren, Frances und George sind sehr sympathisch gezeichnet, Frances ist darüber hinaus außerordentlich schlau.

Als Nebenschauplatz hat die Autorin die amerikanische, sehr anstrengende Familie der Braut eingebaut, die ohne Rücksicht auf das neuvermählte Paar, das gerne auch mal ein paar Minuten für sich hätte, im Haus der Hazeltons – so heißt die Countess nach ihrer Heirat mit bürgerlichem Namen – ein- und ausgeht.

Fazit:

Dianne Freeman hat eine angenehme Erzählweise, die den Leser von Anfang an mitnimmt und fesselt. Gleichzeitig zeichnet sie ein gut vorstellbares Bild der englischen höheren Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Den oder die TäterIn hatte ich zwar schon recht bald im Visier, doch brachte mich die Autorin immer wieder ins Wanken.

Meine Leseempfehlung:

Für Freunde des gepflegten Krimis, der neben dem Mordfall auch noch viel Atmoshpäre ist der Cosy Crime ein Muss. Für mich war der fünfte Band der erste, aber sicher nicht der letzte.

Das Buch „Die Countess of Harleigh – Ein Tanz mit dem Tod “ von Dianne Freeman wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Manche provozieren ihren Tod

Ein ziemlich unblutiger aber dennoch äußerst spannender Krimi mit Blick hinter DDR-Kulissen

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Die Geschichte:

Franz Wolf ist ein bekannter Schauspieler, den man sowohl aus dem Fernsehen als auch vom Theater kennt. Er ist aber auch ein Weiberheld und hat hart und rücksichtslos für seine Karriere gearbeitet. Und Franz Wolf ist tot. Kurz vor einer Premiere im Theater wird er mit einem Kopfschuss in seiner Garderobe gefunden. Die beiden Kommissare Gerd Mehrwald und Eleonore Kalb stehen vor einem schier unlösbaren Rätsel.

Meine Meinung:

Erzählt wird die Geschichte von Franz Wolf mit Rückblenden, die in die Zeit der DDR führen. Der Schauspieler ist in der Deutschen Demokratischen Republik geboren und hat dort seine Karriere begonnen. Er träumt davon in Westdeutschland bekannt zu werden. Dafür würde er fast alles tun. In der DDR hat er in dem jungen Mediziner Jürgen einen guten Freund. Die beiden würden sich am liebsten in den Westen absetzen.

Trommer hat die Situation der DDR-Bürger sehr gut herausgearbeitet. Die ständige Angst, etwas Falsches zu sagen, bespitzelt und denunziert zu werden, der Mangel an Medikamenten und medizinischen Geräten, mit dem Jürgen zu kämpfen hat, die Misswirtschaft und Verschleierungen durch die Republikführung – er verarbeitet alles und verwebt es geschickt mit dem Leben der Protagonisten. Dabei entwickelt er einen Spannungsbogen, den er über die komplette Geschichte hält und steigert.

Die beiden Kommissare Mehrwald und Kalb, auch Kälbchen genannt, tappen lange Zeit im Dunkeln. Es gibt einfach keine Ansatzpunkte, die die beiden weiterbringen würden. Bis Kommissar Zufall in das Geschehen eingreift und sie auf die richtige Spur und die eigentlich ganz einfache Lösung bringt.

Der Schreibstil Trommers ist flüssig, die Geschichte gut zu lesen. Sehr angenehm sind die kurzen Kapitel, die die Story lebhaft gestalten.

Fazit:

Vor allem für jüngere Leser, die die DDR nicht mehr miterlebt haben – sei es nun direkt im Osten oder von außen als „Wessi“ – ist der Einblick in das Leben der DDR-Bürger sehr interessant. Trommer spielt mit den Emotionen der Leser. Ich hatte viel Mitleid mit Jürgen und empfand schon fast Abscheu gegenüber Franz Wolf, der das Klischee des großkotzigen Promis erfüllt. Ich würde den Roman auf eine Stufe zwischen brutal blutig und harmlos einordnen. Blutig ist er nur in Hinsicht auf die Beschreibung der Leiche mit Kopfschuss. Ansonsten geht es um Ermittlungsarbeit. Das Ganze aber ohne die Spannung zu verlieren, auch wenn dem Leser sehr früh klar wird, wer der Mörder ist. Hier geht es eher darum, wie man ihm auf die Schliche kommt. Eine kleine Überraschung am Ende fehlt nicht.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es fünf Sterne. Empfehlen würde ich den Roman allen, die gern spannende Krimis mit Leiche aber ohne grausame Darstellungen oder durchgeknallten Psychopathen lesen. „Schuldig“ ist eine überarbeitete Neuausgabe des bereits erschienenen Titels „Totenspiel“.

Das Buch „Schuldig “ von Michael Trommer  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.