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Die Geschichte:
Miss Amanda Delagore ist aufgewühlt und unkonzentriert. Ihre Freundin aus Kindertagen, die, so wie sie auch, im Londoner West End in einem Haushalt arbeitet, ist seit einigen Tagen verschwunden. Weggelaufen kann sie nicht sein. Sie ist glücklich verheiratet und hat eine kleine Tochter. Eigentlich könnte das Schicksal der jungen Frau Lady Lydia Ambervale egal sein. Es handelt sich ja nur um ein Dienstmädchen, das dazu noch aus dem Londoner East End, dem Armenviertel der Stadt kommt. Allerdings scheint sich in der Upper Class, in der sie gearbeitet hat, niemand für ihr Verschwinden zu interessieren. Selbst die Polizei im East End hat die Mutter der Vermissten abgewimmelt. Was Lady Ambervale ärgert. Immerhin geht es um einen Menschen. Und wenn die Polizei schon nichts unternimmt, dann muss sie eben selbst ermitteln, wobei sie manch dunkles Geheimnis der Oberschicht aufdeckt.
Mein Eindruck:
Lady Ambervale ist eine schwierige, eigensinnige Person, die tief in einer Depression steckt. Als ihr Vater, der sie allein großgezogen hat, krank wurde, war sie verlobt. Allerdings hat sich ihr Partner von ihr getrennt, als sie sich um den Vater kümmern musste. Nach dem Tod des Vaters, ist sie allein, verlassen von allen, die sie geliebt hat und enttäuscht von einem Mann, den sie eigentlich heiraten wollte. In diese Phase hinein kommt nun dieser Vermisstenfall. Lydia engagiert sich, möchte wissen, was der jungen vermissten Frau zugestoßen ist. ich
Das Lösen dieses Falles reißt sie aus ihrer Lethargie, lässt sie Einladungen zu gesellschaftlichen Treffen annehmen, wo sie versucht, Erkundigungen einzuholen und Erkenntnisse zu erlangen. Was aber nicht so einfach ist. Die einen blocken alles ab, die anderen belächeln sie und versuchen, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Lediglich ein Polizeibeamter im ärmlichen Eastend, ein alter Freund ihres Vaters und schließlich auch das Faktotum ihres Haushalts, der sowohl als Hausmeister als auch als Gärtner, Stallbursche und Kutscher arbeitet, nehmen sie ernst und unterstützen sie.
Zwar hilft ihr die Ermittlung, psychisch wieder auf die Füße zu kommen, doch lässt sie ein Rückschlag auch ganz schnell wieder in ihrem dunklen Loch versinken. Ihre Verfassung ist bis zum Ende schwankend.
Als unsympathisch würde ich die Protagonistin nicht bezeichnen. Aber einfach ist sie auch nicht. Sie begibt sich bei Alleingängen in Gefahr, geht nachts allein zu Fuß einige Kilometer durchs Armenviertel vorbei an suspekten Gestalten in Richtung Westend, schnüffelt auch schon mal im Arbeitszimmer eines honorigen Bürgers.
Andreas Temmers Schreibweise liest sich sehr angenehm, allerdings lässt die Spannung manchmal zu wünschen übrig. Dafür gibt es einige Einblicke in das Londoner Leben des 19. Jahrhunderts.
Fazit:
Für Freunde des Cosy Crime ist der Roman empfehlenswert. Auch für Fans von Krimis, bei denen es gilt einen Täter anhand von Indizien und Beweisen und ohne besonders blutige Szenen zu ermitteln ist der Roman geeignet. Für ein ruhiges Ein- und Durchschlafen ist gesorgt. Die Spannung und Aufregung hält sich im Rahmen.
Leseempfehlung:
Dreieinhalb Sterne – mehr kann ich leider nicht geben. Mir ist die Story ein bisschen zu lahm. Mehr Schwung und Spannung täte ihr sicherlich gut.
Das Buch „Lady Ambervale und das tote Dienstmädchen“ von Andreas Temmer wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.








