Mord oder Selbstmord?

Linn und Terry ermitteln

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Die Story:

Linn und Terry besitzen eine Bakery in Londons Stadtteil Soho. Während Terry mit Linns Exfreund Phil glücklich ist, ist Linn unglücklich in Inspector Bruce Mansville verliebt, was sie in eine trübe Stimmung versetzt. Selbst die freche und immer gut gelaunte Terry und das immer besser laufende Geschäft können sie nicht aufmuntern. Da kommt ihr die traurig wirkende Norah, die sich in das Café der beiden Freundinnen verirrt, gerade recht. Die empathische Linn nimmt die depressiven Schwingungen der jungen Frau auf. Sie freundet sich mit Norah an, die sich allerdings plötzlich trotz Verabredung nicht mehr meldet. Als Linn erfährt, dass Norah Selbstmord begangen haben soll, glaubt sie keine Sekunde daran. Zwar war Norah tieftraurig gewesen, aber sie hatte auch neue Ziele ins Auge gefasst. Linn und Terry beginnen zu ermitteln.

Mein Eindruck:

Der Autor hat sich gleich zwei schwere Themen vorgenommen: die leider noch immer tabuisierten Depressionen und die Belastungen, denen die Mitarbeiter Telefonseelsorge, bei der Norah arbeitet, ausgesetzt sind. So nimmt sich Norah auch die Probleme ihrer Telefonpartner zu Herzen. Vor allem der Selbstmord eines jungen Mannes, mit dem sie immer wieder gesprochen hat, setzt ihr zu. Als sie mit aufgeschnittenen Pulsadern in ihrer Wohnung aufgefunden wird, liegt der Schluss nahe: Norah hat die komplette Situation nicht mehr verkraftet. 

Stefan S. Kassner beschreibt das Gefühlsleben von Linn und Norah so eindrücklich, dass man meinen könnte, er spreche aus Erfahrung – ganz gleich ob eigene oder im Umfeld beobachtete. Denn sich in eine depressive Person einzufühlen ist nicht leicht. Der Wechsel zwischen Hoffnung und Hoffnungslosigkeit, unter der diese Menschen leiden kann man nicht einfach so beschreiben. Um authentisch zu sein, muss der Autor diese Gefühlswelt irgendwo kennengelernt haben.

Die Story ist aber nicht durchweg durch düstere Stimmungen geprägt. Gerade Terry bringt immer wieder Stimmung und gute Laune in die Bude und lässt den Leser des Öfteren schmunzeln. Sie sieht keine Probleme, nur Lösungen.

Die Erzählart des Autors ist sehr angenehm, eingängig und gut zu lesen.

Mein Fazit:

Das Ende kam mir leider ein bisschen zu schnell und zu schwach daher. Da hätte es mehr Potenzial gegeben. Auch die unglückliche Liebe zum Inspector wird leider nicht so ausgespielt, wie es sein könnte. Wer da auf ein Happy End hofft, wird wohl auf einen weiteren Band der Poison Bakery-Reihe warten müssen. Denn die, dessen bin ich sicher, wird schon bald kommen. Und ob es dann endgültig zwischen Linn und Bruce funkt – wer weiß.

Meine Leseempfehlung:

Ein spannendes Vergnügen – so könnte man den Roman in einem Wortspiel bezeichnen. Denn die Geschichte ist sowohl spannend als auch vergnüglich, ohne in den Klamauk abzurutschen. Von mir gibt es vier Punkte. Einen Punkt ziehe ich für das Ende ab, das wie schon beschrieben, etwas spannender und spektakulärer hätte sein können.

Eine Leiche zu Karneval

Louisa Manu sucht den Mörder eines Funkenmariechens

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In Köln ist Karneval. Eine Zeit, in der man als Kölscher Jeck auf alles Mögliche gefasst sein muss. So verwundert es kaum, dass Louisa Manu ausgerechnet bei einem Umzug ein totes Funkenmariechen buchstäblich vor die Füße fällt. Und genauso wenig erstaunt es den Leser, dass die hobbymäßig ermittelnde Floristin mit eigenem Laden ihre Nase in die Lösung des Falles steckt und versucht mitzumischen. Trotz der Warnungen ihres Lebensgefährten Josh Rispo, sich nicht einzumischen, kann sie es eben einfach nicht sein lassen. Ganz „nebenbei“ muss sie sich auch noch mit Trudis Blitzhochzeit beschäftigen, ihre schwangere Schwester dazu bewegen, den Kindsvater von seinem Glück zu unterrichten und den Frieden in der Familie Rispo wieder herstellen. Lou hat also als Käse verkleidet allerhand zu tun und kommt nicht zum Feiern.

Meine Meinung:

Ich kannte bislang keinen der Louisa Manu Bände, bin aber trotzdem gut in die Geschichte hineingekommen. Die Autorin hat immer wieder Hintergrundhinweise platziert, sodass man sich schnell und gut zurechtfindet. Der leichte, lockere Schreibstil führt den Leser unterhaltend durch die Ermittlungen, wobei Lou allerhand Missgeschicke widerfahren. Die waren, mir vor allem im ersten Teil, manchmal ein wenig zu viel Slapstick. Andererseits traue ich den kölschen Jecken viel zu. Auch die peinlichen Fettnäpfchen und tollpatschig wirkenden Schlamassel, in die sich Lou immer wieder selbst hineinmanövriert.

Der Autorin gelingt es trotz allem einen Spannungsbogen aufzubauen und zu halten und ihre Leser in die Irre zu führen. Denn den oder die TäterIn hatte ich nicht auf dem Schirm. Das Ende hat mich überrascht.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und bildhaft beschrieben, man kann sich die Protagonisten und Situationen sehr gut vorstellen, lebt in der Geschichte regelrecht mit und fühlt sich zugehörig. Ganz so, als ob man an Lous´ Seite stünde.

Mit dem rheinländischen Karneval kann ich persönlich nicht so viel anfangen. Ich bin eher in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bewandert. Trotzdem habe ich durch die Erzählung einiges erfahren, was mich erstaunt hat. Ich wusste beispielsweise bislang nicht, dass es eine Nubbelverbrennung gibt, die der süddeutschen Fastnachtsverbrennung ähnelt.

Fazit:

Einerseits war mir die Situationskomik etwas zu heftig und übertrieben, andererseits ist das Buch aber gerade deshalb lesenswert. Saskia Louis beweist, dass ein Krimi nicht immer von bierernst und düster dreinblickenden Ermittlern erzählen muss. Lou, die ermittelnde Blumenhändlerin, erinnert in vielen Passagen an die gute alte Miss Marple. Und wenn ich jetzt auch nicht schallend gelacht habe, für ein Schmunzeln hat es bei mir immer gereicht.

Meine Leseempfehlung:

Wer auf Cosy Crime mit Agatha Christie Anstrich steht, ist bei Saskia Louis´ Geschichte über Louisa Manus Erlebnisse gut aufgehoben. Es ist von allem ein bisschen vorhanden: Es gibt eine Leiche, polizeiliche Ermittlungen, Spannung mit humorvollem Augenzwinkern und Lokalkolorit.

Einen Stern Abzug gibt es von mir lediglich für die etwas übertriebenen Slapstick Aktionen. Aber die sind subjektiv zu sehen und reine Geschmackssache.

Das Buch „Mordsmäßig angetrunken “ von Saskia Louis  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannende und zeitweise witzige Denksportaufgabe

„Tödliche Realität“ von P.D. Lyle

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Die Geschichte

Ein Serienmörder, der sieben Morde gestanden und deswegen lebenslang in Haft sitzt, widerruft sein Geständnis für zwei Morde. Welche der sieben Frauen angeblich nicht auf sein Konto gehen, will er aber nicht sagen. Aus Sicherheitsgründen, wie er behauptet. Finanziert von einem zunächst anonymen Anwalt beauftragt er das Ermittlerteam Ray und Jack Longly, Vater und Sohn, sowie Pancake und Nicole, Jakes bester Freund sowie seine Lebensgefährtin, dieses Rätsel zu lösen. Doch wo sollen die vier mit der Suche beginnen, wenn sie keinerlei Anhaltspunkte haben. Und warum behauptet Billy Wayne Beker, nur fünf der sieben gestandenen Morde begangen zu haben. Will er nur Aufmerksamkeit, oder läuft tatsächlich ein Doppelmörder frei herum?

Da das Team, das unter anderen einen Polizisten als Täter in Betracht zieht, verdeckt ermitteln möchte, gibt es sich als Kamerateam aus, das für einen TV-Sender eine Dokumentation über die Folgen von Serienmorden für die Angehörigen und die Stadt recherchiert.

Die Story spielt in einer Kleinstadt in Florida, für deren Beschreibung der Autor sämtliche Klischeeregister zieht. Die Bewohner sind freundlich, neugierig aber auch skeptisch, geben trotzdem gern Auskunft, geben dabei durch das Weitererzählen von Klatsch und Tratsch unbewusst Hinweise. Die Beschreibung des Ortes und der dort lebenden Menschen ist P. D. Lyle gelungen. Aber auch die Protagonisten zeichnet er mit ausgeprägten Charakteren. Angefangen von der bezaubernden und unglaublich cleveren Nicole über Jack, der eigentlich gar nicht in diesem Job arbeiten möchte, aber immer wieder von seinem Vater hineingezogen wird, bis hin zu ebendiesem Vater Ray, ein alter Hase in seinem Metier und Pancake, der den ganzen Tag essen könnte.

Mein Fazit

Der Erzählstil ist ein Besonderer, den man so nicht oft findet. Einerseits wird die Story aus der Sicht von Jake in der Ich-Form erzählt, andererseits treten aber auch Ray und Pancake aktiv in der Ermittlung auf. Deren Part wird aus der Sicht des Erzählers dargestellt. Die Überschneidung zweier Erzählstile stört aber keineswegs. Im Gegenteil. Ich fand diese Art eigentlich ganz spannend. Der Verlauf der Geschichte ist spannend und fesselnd, gleichzeitig mit einer Prise Humor und einem Augenzwinkern angereichert.

Ob Billy Wayne die Wahrheit gesagt hat und tatsächlich nur fünf, statt sieben Frauen umgebracht hat und somit ein Doppelmörder frei herumläuft, das bleibt bis zuletzt ein gut gehütetes Geheimnis. Und der Leser darf sich sicher sein, dass er der Lösung des Falles nicht so einfach näher kommt, wie er es an mancher Stelle meint.

Von meiner Seite aus gibt es eine eindeutige Leseempfehlung.Sp