Im Bann einer kriminellen Organisation

Detroit Driver von Lara Möller

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Alec Boyd lebt physisch wie psychisch am Rande seiner Leistungsfähigkeit. Als Fluchtwagenfahrer rettet er seine Passagiere in halsbrecherischen Aktionen vor dem Zugriff der Polizei. Dadurch fällt er Ramesh Dewari auf, einem in Detroit gefürchteten Unterweltboss auf, der seinen Unterhalt durch Prostitution, illegales Glücksspiel sowie Drogen- und Zigarettenschmuggel verdient. Dewari ist auf der Suche nach einem zuverlässigen Mitarbeiter. Schon bald gewinnt Alec dessen Vertrauen. Eine für beide Seiten gefährliche Freundschaft beginnt. Vor allem für Alec, der immer tiefer in die Organisation eindringt. Denn der hat ein potenziell tödliches Geheimnis.

Mein Eindruck:

Lara Möller ist ein ausgesprochen spannender Thriller gelungen, in dem es zwar Beschreibungen von Gewalttaten gibt, die allerdings nicht so blutig sind, wie in manch anderen Romanen.

Besonders gut haben mir die unterschiedlichen Charaktere gefallen, die die Autorin sehr fein ausgearbeitet hat. Der Leser hat immer die Möglichkeit, sich in die Figuren hineinzuversetzen oder deren Aktionen und Reaktionen vorherzusehen oder zu verstehen. Vor allem die beiden Hauptpersonen sind ihr besonders gut gelungen: Dewari, der seine zwei Gesichter zeigt, sich mal brutal, man sensibel und freundschaftlich zeigt und manipulativ auf seine Mitarbeiter einwirkt und Alec, der nicht immer mit den Entscheidungen, Taten und Aufgaben, die ihm gestellt werden, einverstanden ist, der zeitweise psychisch daran zu nagen hat und an seine Grenzen gerät. Mehr als einmal steht er vor der Entscheidung für oder gegen die Organisation.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, gut und flüssig zu lesen. Lara Möller nimmt den Leser von Anfang an mit auf eine spannende Reise nach Detroit, der einst blühenden Stadt der Autohersteller, die, den Beschreibungen nach zu urteilen, mittlerweile heruntergekommen ist. Dennoch bringt sie das ganz besondere Flair, das einer solchen Stadt anhaftet, mit in die Geschichte ein. Einerseits durch die rasanten Fahrten und aufregenden Verfolgungen, die Alec meistert, andererseits durch die Liebe des Protagonisten zu Autos und zum Autoschrauben. Alec arbeitet zu Beginn in einer Kfz-Werkstatt, wo er nach Feierabend einen Impala wieder herrichtet.

Es macht Spaß, Alec bei der Arbeit in der Werkstatt zu beobachten, bei den Fluchtfahrten mit im Auto zu sitzen oder die latent explosive Stimmung zu spüren, die immer dann herrscht, wenn Alec und Dewari zusammentreffen.

Meine Leseempfehlung:

Für alle, die auf Action und Spannung stehen, die auch die Beschreibung von Kampfszenen und Schießereien vertragen, ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen. Auch Leser, die es sonst blutiger mögen, werden ihren Spaß an dem Roman haben. Von mir gibt es satte fünf verdiente Punkte.

Das Buch „Detroit Driver“ von Lara Möller wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannend, blutrünstig, gut geschrieben

Der Killer – giftige Rache von Christian Hardinghaus

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„Der Killer – giftige Rache“ ist ein Thriller mit hohem Tempo und blutigen Szenen. Einerseits geht es um den leicht durchgeknallten Kriminaloberkommissar Echtner, der wegen psychischer Probleme vorübergehend in den Innendienst versetzt wurde und auf berufliche Rehabilitation hofft. Auf der anderen Seite steht der Serienmörder Konrad, der, zerfressen von Rachegefühlen, diejenigen jagt und qualvoll tötet, die vermeintlich Schuld am Tod seiner Tochter haben. Aber wer jagt am Ende wen? Sicher ist – so viel kann man verraten – die beiden kommen sich sehr nah.

Meine Meinung:

Es gibt viele Thriller und die meisten folgen einem System: Der Killer wird immer wieder nur kurz ins Spiel gebracht, das Hauptaugenmerk liegt auf den Polizisten, die ihn jagen. Bei Hardinghaus´ Roman „Der Killer – giftige Rache“ ist das anders. Beide Seiten bekommen gleich viel Raum eingeräumt. Heißt: Man verfolgt von Anfang an sowohl den Killer Konrad, der sich nach einer Figur der Kindersendung „Sesamstraße“ Inspektor Schlehmil nennt, als auch Kommissar Echtner, dessen psychische Probleme sukzessive sichtbarer werden.

Was Konrad sich so alles einfallen lässt, um seine Opfer leiden zu lassen, ist schon grausam. So etwas muss man sich erst einmal ausdenken. Was Echtner auf die Beine stellt, um den Killer zu entlarven, steht dem in nichts nach. Als Leser könnte man hin und wieder eher Sympathie für den Mörder entwickeln und weniger für den Polizisten, der im Großen und Ganzen im Gegensatz zu seinem Gegenspieler recht unsympathisch rüberkommt.

Die Psyche der beiden Protagonisten hat Hardinghaus sehr fein und tiefgründig angelegt und ausgearbeitet. Der Schreibstil ist flüssig und fesselnd und macht Spaß. Der Autor entwickelt von Anfang an eine unglaubliche Spannung, die den Leser förmlich an den Roman bindet. Die blutigen Szenen sind sehr blutrünstig und brutal. Aber dafür ist es ja auch ein Thriller, den man in den Händen hält.

Ein, zwei Stellen waren für mich etwas verwirrend und schienen mir unlogisch – bis ich die Auflösung gelesen habe. Das Ende hätte ich mir so nicht vorgestellt. Obwohl es schon am Anfang einen Hinweis gibt, den ich aber nicht als solchen wahrgenommen hatte. Ich war einerseits überrascht, andererseits muss ich sagen: Chapeau Herr Hardinghaus. Gut gelöst.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es ganz klare fünf Sterne. Zartbesaitete Leser sollten sich lieber anderen Büchern zuwenden. Aber da stellt sich ohnehin die Frage, ob sie überhaupt einen Thriller oder vielleicht doch besser einen Krimi lesen sollten. Für alle, die einen richtig kernigen Thriller bevorzugen, ist „Der Killer“ in jedem Fall empfehlenswert.

Das Buch „Der Killer – giftige Rache“ von Christian Hardinghaus wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Gänsehaut am laufenden Band

Seeleneis von Volker Dützer

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„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet! Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang“, sagt schon Friedrich Schiller in seinem Gedicht „Die Glocke“. Bekannter ist das Sprichwort in der Form: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich nicht was Besseres findet.“ Dieses hätte sich Lisa durch den Kopf gehen lassen sollen, bevor sie sich auf Vicent van Dyk eingelassen hat. Der smarte Wissenschaftler hat ihr in einer schwierigen Lage geholfen und sie so in einer toxischen Beziehung an sich gebunden. Das Fatale: van Dyk forscht an der Überwindung des Todes, am ewigen Leben.

Meine Meinung:

Das war mal wieder ein Roman, der mich von Anfang bis zum Ende gefesselt hat. Volker Dützer schreibt in flüssigem, gut lesbarem Stil und zieht den Leser dabei schon gleich von Anfang an so in die Geschichte, dass man sich fast als Teil des Geschehens fühlt. Oft genug ist man geneigt, der Protagonistin, der Unfallchirurgin Lisa Wegner Tipps zu geben oder sie zu warnen. Gleichzeitig ist man einerseits angetan vom Charme des Wissenschaftlers, andererseits abgestoßen von seinen emotionalen Ausbrüchen.

Der Autor befasst sich in der Geschichte mit einer Frage, die so alt sein dürfte wie die Welt: Was passiert nach dem Tod, kann man diesen überwinden und ewig leben? Nun weiß ich nicht, wie weit die Forschung in diesem Bereich tatsächlich ist. Aber vorstellen kann ich mir so manches. Und die Erklärungen, die Dützer dazu liefert, könnten auch passen.

Die Charaktere hat er meiner Meinung nach sehr gut ausgearbeitet. Den Wahn, dem van Dyk verfällt, die Angst, die Lisa beherrscht und den schier endlosen Ehrgeiz von Kommissar Wolzow, der keine Ruhe gibt, obwohl der eigentliche Fall bereits abgeschlossen ist und damit ein gutes Näschen beweist, kann man als Leser gut nachvollziehen.

Das eigentliche System, das dem Plot zugrunde liegt, ist kein neues. Worauf ich hier anspiele, will ich nicht näher erläutern. Ich will ja nichts verraten. Wer das Buch liest, wird mit der Zeit aber merken, was ich meine. Aber obwohl es nicht neu ist, hat Dützer es sehr spannend verarbeitet.

Titel und Cover passen nicht immer zum Inhalt eines Buches. Aber in diesem Fall passt es schon sehr gut.

Meine Leseempfehlung:

Für alle, die auf Gänsehautfeeling und Spannung stehen ist der Thriller in jedem Fall zu empfehlen.

Das Buch „Seeleneis“ von Volker Dützer wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Das Potenzial leider nicht ausgeschöpft

Der Mädchensammler von Guido Krain

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Es geht um die junge Gräfin Philine von Montenbrück und einen Ring negrophiler Männer, die ihre sexuelle Befriedigung beim Schänden toter Mädchenkörper, die wie Puppen hergerichtet wurden, finden. Es geht um Korruption und Geklüngel bis in die höchsten Ebenen, wobei auch die Polizei involviert ist. Und es geht um einen jungen Arzt, der Philine bei ihrem Bestreben, den Negrophilenring zu sprengen, unterstützt.

Meine Meinung

Eigentlich geht es in „der Mädchensammler“ um ein Thema, das reichlich Potenzial bietet. Leider hat der Autor mindestens die Hälfte davon nicht genutzt. Im Gegenteil: Der Stoff, der gut in die psychische Tiefen des Menschen gehen könnte, bleibt platt, zeigt hin und wieder die Mentalität von Bud Spencer und Terence Hill, die mit „Schießprügeln“ hantieren, einem Mann „den Schaft zu fressen“ geben und „Automisshandler auf einem dicken Hobel“ verfolgen. Gleichzeitig findet man sich immer wieder bei Rosamunde Pilcher, beispielsweise wenn von der jungen Gräfin die Rede ist. Zu viel will ich an dieser Stelle nicht verraten. Selbst der Autor hat folgende Passage in seiner Geschichte: „Der Tag hätte eher zu einem Plot gepasst, den jemand aus einem Rosamunde-Pilcher-Roman und dem Tagebuch von Niccolò Machiavelli zusammengestückelt hatte“. Genau so habe ich mich beim Lesen gefühlt.

Beim Schreibstil bin ich immer wieder über hölzerne Ausdrücke gestolpert. So beschreibt Krain beispielsweise Philine, als sie aufwacht als „die gerade Erwachte“. Es gibt den „über den Jordan Helfer“, den „Möchtegernmörder“ und den „Mannberg“, der einen Berg von einem Mann beschreiben soll.

Einerseits ist mir die Sprache zu flapsig, andererseits dann wieder zu steif. Manchmal hat man auch den Eindruck, der Autor habe ein Synonymbuch zu Rate gezogen und sich für den einen oder anderen Ausdruck einfach den spektakulärsten ausgesucht hat.

Den Charakteren fehlt es eindeutig an Tiefe. Die Motivationen und Gedanken sind nicht oder kaum zu erkennen, Gründe für Philines Handeln, die in der Vergangenheit liegen, werden nur kurz angerissen und oberflächlich abgehandelt.

Was die Handlung selbst angeht: die ist stellenweise absolut hanebüchen. Ich weiß, das ist nur eine Geschichte und in einer solchen darf es auch mal unrealistisch sein. Aber das, was in diesem Buch passiert, liest sich wie die Aneinanderreihung von Prügel- und Schlägerszenen mit Einsatz von Waffen.

Der Einstieg ins Buch ist spannend – bis auf die Tatsache, dass Philine auf High Heels nachts in die Katakomben einer alten Burg hinabsteigt. Dann kommt wie gesagt die leider nicht so ganz gelungene Story. Wer durchhält, wird allerdings am Ende mit einem überraschenden und grusligen Ende belohnt.

Meine Leseempfehlung

Für zart besaitete Gemüter ist das Buch nicht geeignet. Stellenweise geht es ganz schön brutal zur Sache. Ansonsten gibt es von mir für Pro- und Epilog zwei gut gemeinte Sterne.

Das Buch „Der Mädchensammler“ von Guido Krain wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Macht, Gier und Intrigen

Tinus Geving ermittelt in höchsten politischen und wirtschaftlichen Ebenen

Sie sind aufgebrochen zu einem Silentium-Trip vor dem Abitur und kommen nicht zurück. Sechs Schülerinnen und ein Lehrer eines Elite-Internats, das eigentlich eine Schule für schwierige höhere Töchter ist, werden vermisst. Tinus Geving, der nach einem traumatischen Europol Einsatz zum LKA gewechselt hat, übernimmt die Ermittlungen, die sich als besonders schwierig erweisen. Denn bei den Eltern der Schülerinnen, die alle Töchter einflussreicher Väter sind, trifft er auf eine Wand des Schweigens und der Ablehnung. Was sich mit der Zeit herausstellt: Geving ermittelt in einem Sumpf aus Überwachung, Macht, Gier und Intrigen, die sich bis ins Internatsleben ziehen.

Meine Meinung: Das war ein Buch, das ich nicht so schnell durch hatte wie sonst. Zum einen liegt es sicherlich am Thema Wirtschaft und Politik, das mir persönlich nicht so sehr liegt. Zum anderen hatte ich hin und wieder das Problem, die vielen Personen und deren Positionen zu sortieren und zuzuweisen. Dennoch finde ich die Story spannend. Gibt sie doch Einblicke in die Welt der Mächtigen eines Landes. Wenn es sich auch um eine erfundene Geschichte handelt, so kann ich mir doch vorstellen, dass es in der realen Welt teilweise so oder so ähnlich abläuft, wie Arvid Heubner es hier beschreibt.

Der Autor hat einen angenehmen, flüssigen und leicht zu lesenden Schreibstil, der ohne Geschnörkel auskommt. Die Charaktere hat Heubner gut beschrieben, es fällt leicht, sich die einzelnen Protagonisten vorzustellen und in die Lage einzelner Personen zu versetzen. Besonders Geving, der bei seinem Europol-Einsatz seine Kollegin und Geliebte verloren hat, ist ihm gut gelungen. Die Flashbacks, die den Ermittler immer wieder quälen, waren für mich anfangs irritierend, da sie mich immer wieder aus der eigentlichen Geschichte herausgerissen haben. Dass sie doch einen direkten Zusammenhang mit dem aktuellen Fall haben, stellt sich erst am Ende des Buches heraus, an dem das Intrigengewirr allgemein verständlich aufgedröselt wird.

Der Showdown resultiert aus mehreren Erzählsträngen, die im Lauf der Lesezeit zusammengeführt werden. Teilweise sind die Ermittlungen langatmig, was das Tempo der ganzen Geschichte ausbremst.

Mein Fazit: Für Fans von Politik- und/oder Wirtschaftsthrillern ist der Roman absolut empfehlenswert. Wer sich in dieser Welt auskennt, wird noch mehr Feinheiten herausfinden. Für mich persönlich war die Story etwas zu komplex und kopflastig. Mir wurden auch die Opfer im Verlauf zu sehr nach hinten gedrängt. Sie dienen lediglich als Aufhänger für die Geschichte. Dennoch vergebe ich viereinhalb Punkte. Denn wie gesagt: Es war nicht so unbedingt mein Thema.

Das Buch „Eiskalt das Schweigen“ von Arvid Heubner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Eine harte Nuss für zwei Ermittler

Die Bestie von David Seinsche

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In einem Vorort der US-Hauptstadt Washington, D.C. wird eine grausam zugerichtete Leiche entdeckt. Es handelt sich um den 20-jährigen Sohn des berühmten und einflussreichen Senators William P. Fitzroy, der mit zahlreichen Bisswunden übersät ist. Die FBI Special Agents Frank Bernstein und Pete Hancock werden zu dem Fall gerufen und beginnen ihre Ermittlungen. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord nach dem gleichen Muster. Das Opfer, dieses Mal eine junge Frau, die zu den jüngsten SenatorInnen in der US-Hauptstadt zählt, wird auf ähnliche Weise zugerichtet. Schon wittert die Presse eine neue Story, und nur mit Mühe gelingt es den beiden Ermittlern, die Wogen flach zu halten. Können sie den Mörder finden, bevor noch eine Leiche auftaucht, oder steckt mehr hinter den Taten, als alle vermuten?

Die Opfer sind alle junge, aufstrebende Politiker und Politikerinnen. Und sie stehen auf der Abschussliste eines irren Serienkillers. Mit der Lösung des Problems werden die beiden FBI Agenten Pete Hancock und Frank Bernstein beauftragt, die vor der Aufgabe stehen, eine sehr harte Nuss zu knacken.

Meine Meinung

Unterschiedlicher könnten die beiden Ermittler gar nicht sein. Pete Hancock, seit etwas mehr als zehn Jahren im Dienst des FBI, ist trotz seines scharfen Spürsinns und hoher Aufklärungsrate ein ungepflegter Alkoholiker und Prolet, der sich keinen Deut um sein Ansehen kümmert, der Zeugen beleidigt und bei den Ermittlungen nicht immer den offiziell erlaubten Weg verfolgt. Den krassen Gegensatz stellt Frank Bernstein dar. Gerade erst zum FBI gekommen zeigt er sich zielstrebig, gepflegt, in der Politik bewandert, mit ebenso scharfem Spürsinn wie sein Kollege und in der Welt der Politik bewandert und natürlich immer korrekt. Während Hancock nach seiner Scheidung alleine vor sich hin vegetiert, steht Bernstein, der von seinem Kollegen nur als „Welpe“ bezeichnet wird, vor der Hochzeit mit einer Psychotherapeutin. Und, das ist ganz klar, die beiden haben die vereinte Presse im Nacken, was sie ganz schön unter Druck setzt.

Die Charaktere hat David Seinsche sehr gut, mit vielen Kleinigkeiten und authentisch ausgearbeitet, sodass man sie regelrecht vor dem inneren Auge sieht und mit ihnen die Ermittlungen erlebt. Wobei gerade Hancock schon fast unerträglich ist. Wäre er mein Kollege, ich würde mich sofort versetzen lassen. Bernstein verfügt aber über genügend Ruhe und bekommt hilfreiche Ratschläge von seiner Partnerin.

Der Killer ist perfide. Er quält seine Opfer – es bleibt natürlich nicht bei den beiden im Klappentext erwähnten – und lässt sie richtig leiden, wobei er zeitweise schon fast zärtlich mit ihnen umgeht. Sein Motiv ist eines, mit dem der Leser nie und nimmer rechnet, das aber die Art zu morden erklärt. Außerdem beschränkt er sich nicht auf die Hauptstadt der USA. Er lässt seine Verfolger kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten reisen.

Der Thriller hat alles, was ein Thriller braucht, um gut zu sein: Spannung ohne Ende, zwei markante Ermittler, die auch mal ungewöhnliche Wege gehen, einen grausamen Killer, dem man nicht so leicht auf die Schliche kommt und Wendungen, die der Leser nicht erwartet und immer wieder umdenken lässt. Einzig zwei, drei Redewendungen haben mich im Lesefluss gestört. Zum einen benennt Seinsche seine Hauptfiguren meistens als der ältere und der jüngere Agent. Zum anderen benutzt er nach der wörtlichen Rede statt sagte, erwähnte oder ähnlichen Begriffen die Verben bescheiden und kundgeben. Also: der ältere Agent gab kund oder beschied … Auch statt der/die/das nach einem Komma verwendet er überwiegend welcher/welche/welches. Die Ausdrücke und Verben sind allesamt grammatikalisch korrekt und anwendbar. Aber wie gesagt: sie wirken für mich etwas steif.

Meine Leseempfehlung

Für schwache Nerven ist die Story vielleicht ein bisschen zu hart. Nichts desto trotz gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Der Spannungsbogen hält sich über das ganze Buch und macht Freude. Lediglich der Geistesblitz, der den „älteren Agent“ zur Lösung des Falles bringt, ist für mich nicht so richtig nachvollziehbar und wirkt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Deshalb von mir viereinhalb Sterne.

Das Buch „Die Bestie“ von David Seinsche wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Vielleicht gar nicht so weit weg von der Realität

Gusenberg und Schröder ermitteln in ihrem ersten Fall

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Die Geschichte

Nachdem ein junger Fußballspieler bei einem Autounfall ums Leben kommt, wird der Fall aufgrund der Bekanntheit des Opfers den Sonderermittlern Dr. Emil Gusenberg und Maryanne Schröder zugeteilt. Schnell wird ihnen klar, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern um Mord handelt und der Fall hat es in sich. Während ihrer Ermittlungen tun sich immer mehr Abgründe auf und sie stechen bald in ein Wespennest aus Lügen, zerstörten Träumen und Menschen, die für Geld und Ruhm über Leichen gehen. Doch als der einzige Tatverdächtige ermordet aufgefunden wird, rennt den beiden Ermittlern die Zeit davon. Denn ein weiterer Mörder treibt sein Unwesen und hat sein nächstes Opfer bereits im Visier.

Meine Meinung

Eiskaltes Blut haben in diesem Krimi mehrere Leute – nicht nur der Mörder. Da sind vor allem die Funktionäre eines Fußballvereins der ersten Bundesliga zu nennen, die alles dafür tun würden, ihre Mannschaft auf dem Siegertreppchen zu halten. Und mit „alles“ ist auch wirklich alles gemeint. Aber es gibt auch noch Menschen im Umfeld dieses Clubs, die nicht gerade mit den feinsten Manieren glänzen.

Das, was Johannes Maria Stangl in seinem Krimi beschreibt, scheint gar nicht mal so abwegig. Verein und Szenerie sind zwar fiktiv, trotzdem kann man nicht unbedingt Parallelen zu großen, bekannten Fußballvereinen ziehen, aber ausmalen könnte man sich so einiges. Wobei ich den Clubs jetzt nichts unterstellen möchte.

Dass dies das Erstlingswerk des Autors sein soll, kann man sich kaum vorstellen. Die Story ist gut strukturiert, bietet Perspektivwechsel, die die Geschichte noch spannender machen und dem Leser einen kleinen Wissensvorsprung vor den Ermittlern geben. Die Charaktere der beiden Kommissare sind gut durchdacht und beschrieben. Aber auch die Gegenspieler zeichnet Stangl mit gutem Blick in die Psyche und das Verhalten von Menschen. Der Mörder weckt beim Lesen ambivalente Gefühle. Einerseits kann man seine Beweggründe verstehen, andererseits sind seine Reaktionen natürlich nicht hinnehmbar.

Der Schreibstil ist flüssig, die Geschichte spannend verpackt. Das Buch hatte ich in kürzester Zeit durch. Ich habe die Reihenfolge der Bücher mal umgedreht und erst den zweiten Band „Dunkle Pfade“ und dann erst „Eiskaltes Blut“ gelesen. Beide Bände der Gusenberg/Schröder Krimireihe sind in sich geschlossene Geschichten, die man auch ohne Vorkenntnisse lesen kann.

Was mir ein bisschen gefehlt hat, sind die Auflösungen einzelner loser Fäden, sprich Figuren die zwar auftreten, deren Verbleib am Ende aber nicht weiter verarbeitet wird. So hat sich mir beispielsweise die Frage gestellt, was denn aus Maria geworden ist und welche Konsequenzen Esch zu tragen hat. Leider fehlt auch der Hinweis, in welcher Sparte Gusenberg promoviert hat. Medizin ist es nicht, denn er betont immer dass er „nicht so ein Doktor“ sei.

Meine Leseempfehlung

Für Krimi- oder Thrillerfans ist das Buch aus meiner Sicht unbedingt empfehlenswert. Wer schwache Nerven hat oder nach der Darstellung von Gewalttaten nicht schlafen kann, sollte diesen Krimi besser nicht lesen.

Das Buch „Eiskaltes Blut“ von Johannes Maria Stangl wurde mir vom Verlag digitalpublishers  kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.