Zwei Fälle die zusammenhängen?

Der wohl letzte Band der Christopher Diecks-Reihe überzeugt wieder

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Privatdetektiv Christopher Diecks hat es im dritten Band der Reihe gleich mit zwei Fällen zu tun, die sich mehr oder weniger gleichzeitig an einem Ort ereignen. In Hamburg hat ein Unternehmen mehrere alte Bunker aufgekauft und so umgebaut, dass Gruppen und Bands Proberäume zur Verfügung stehen. Christopher, sein Chef Martin und Kollege Andi sollen mehrere Einbrüche in diese Bunker aufklären. Als auch noch Benni, Mitglied einer Band, brutal zusammengeschlagen wird und im Krankenhaus landet, ergibt sich der zweite Fall. Dabei machen die Reaktionen dessen Eltern Christopher misstrauisch. Er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln und entdeckt dunkle Geheimnisse und Machenschaften.

Meine Meinung:

Nachdem ich schon die ersten beiden Bände gelesen habe, war es für mich fast wie ein Nachhausekommen. Ich habe mich in und mit der Story gleich wohlgefühlt. Als würde ich gute Freunde besuchen und mir deren Geschichten anhören.

Den Schreibstil von Lara Möller finde ich sehr angenehm. Ohne Schnickschnack und Schnörkel, trotzdem unterhaltend und kein bisschen trocken. Die Arbeit der Privatdetektive beschreibt sie sehr realistisch. Manchen mögen die Observationsszenen zu langatmig sein. Aber genau so laufen die auch ab. Ich habe einen sehr guten Einblick in den Alltag von Polizeibeamten und habe da genau diese Beschreibungen gehört. Warum also sollte man dies nicht auch mal in einem Roman beschreiben und damit aufzeigen, womit sich Ermittler jeglicher Couleur herumschlagen müssen.

Die Protagonisten sind vertraut, es ist schön zu sehen, wie sie sich weiterentwickeln. Die Tatbeteiligten – ganz gleich, ob Täter oder Opfer – sind gut beschrieben. Der Leser spürt das Dilemma, in dem sie teilweise stecken, kann selbst eigentlich unverständliches, verantwortungsloses Verhalten nachempfinden.

An Christopher gefällt mir weiterhin, dass er Nerven zeigt, Blessuren davonträgt und mit verdreckten Klamotten aus einem Einsatz kommt. Anders als in manchen anderen Romanen, in denen die Helden grundsätzlich auch als solche auftreten und ganz ohne Verletzungen und Angst und mit glatt gebügeltem Anzug durch die Ermittlung wandern.

Fazit:

Ich finde auch den dritten Band gelungen. Dass es der letzte der Reihe sein soll, finde ich einerseits sehr schade. Ich hätte gern noch mehr davon gelesen. Andererseits ist die Entscheidung der Autorin vielleicht auch gar nicht schlecht. Bei zu vielen Bänden besteht schnell die Gefahr, langweilig zu werden oder sich zu wiederholen. Mit Christopher Diecks hat sie eine Figur geschaffen, die zu toppen allerdings eine Herausforderung sein dürfte. Ich bin jetzt schon gespannt, welche Geschichten und Figuren die Autorin als nächstes entwickelt.

Meine Leseempfehlung:

Ich kann eine klare Leseempfehlung geben. Die Christopher Diecks Bände sind keine reißerischen Thriller, sondern eher gediegene Krimis mit angenehmem Spannungsbogen und leichter, unterhaltsamer Erzählweise. Die Bände können auch problemlos unabhängig voneinander gelesen werden. Bezüge zu Vorgeschichten werden immer kurz erläutert.

Das Buch „Dunkles Spiel “ von Lara Möller wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Wenn Idealismus in Fanatismus umschlägt

Schatten der Gier von Fred Persson basiert auf einem wahren Fall

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Wie weit darf man gehen, um seine Ziele durchzusetzen? Eine Frage, die sich beim Lesen des Thrillers Schatten der Gier von Fred Persson unwillkürlich stellt. Denn der ermittelnde Beamte des BK Wien, Edwin Anders, wird gemeinsam mit seinen Kollegen aus Frankfurt mit einer entstellten Leiche konfrontiert, die als Resultat eines grausamen Mordes auch noch per Live-Video der Tat im Internet zur Schau gestellt wird. Im Zusammenhang mit den Ermittlungen stoßen Anders und die Kollegen auf einen Umsatzsteuerbetrug durch den Handel mit CO2-Papieren, der tatsächlich stattgefunden hat, der den österreichischen Ermittler nach England und Indien verschlägt. Gleichzeitig kommt noch Afrika ins Spiel, in dem die Superreichen auf verbotene Großwildjagd gehen und somit genau so wie der Handel mit den CO2 Papieren die Umweltorganisationen XR (Extinction Rebellion) und FFF (Fridays for Future) auf den Plan ruft.

Meine Meinung:

Die ganze Geschichte beruht auf einem tatsächlichen Fall, der sich aber auf den Handel mit CO2 Papieren und den damit verbundenen Umsatzsteuerbetrug bezieht. Der Rest der Geschichte scheint Fiktion zu sein. Zumindest habe ich nichts gefunden, was die einzelnen Erzählstränge in Realität in Verbindung bringen würde.

Trotzdem – oder gerade deswegen – hat der Autor einen recht spannenden Roman geschrieben, der den Leser in die Welt der Umweltschutzbewegungen und der skrupellosen Umweltsünder führt.

Edwin Anders, die Hauptfigur, ist ein Mensch, der für seinen Beruf brennt und dadurch seine Ehe aufs Spiel setzt. Gleichzeitig kann er sich nicht so richtig von einer früheren Liebschaft trennen. Seine Epilepsie ist weder beruflich noch privat hilfreiche.

Was an der Geschichte irritiert, sind die eigenmächtigen Handlungen des Ermittlers, der, zunächst von der Dienststelle nach Frankfurt geschickt, auf eigene Faust nach London und Indien reist, ohne sich die Reisen genehmigen zu lassen. Und auch sein manchmal naives Handeln ist nicht nachvollziehbar.

Auf der anderen Seite sind da die Umweltschutzorganisationen wie FFF, bei der sich Anders Tochter engagiert und XR, der sich ihr Freund zuwendet. Zwei Organisationen, die dasselbe Ziel verfolgen, sich trotzdem gegenseitig argwöhnisch beäugen. Nicht ohne Grund. FFF ist nach Meinung von XR ein Kindergeburtstag, umgekehrt zeigt sich XR in dieser Geschichte als stellenweise skrupellos, wenngleich es sich auch nur um einzelne Mitglieder handelt.

Fazit:

Das Thema ist aktuell, wie es aktueller nicht geht und hat Potenzial. Es gibt Längen in der Geschichte, die auf Kosten der Spannung gehen. Der Protagonist ist gut beschrieben, dürft aber charakterlich noch etwas mehr Tiefe bekommen. Zeitweise fand ich die vielen Personen und Ereignisse verwirrend. Vielleicht hatte ich aber auch nicht die nötige Konzentration, der komplexen Geschichte durchgehend zu folgen.

Meine Leseempfehlung:

Vier von fünf Sternen würde ich dem Roman geben, den ich nicht so richtig als Krimi oder Thriller einordnen kann. Er ist von jedem ein bisschen. Wer sich für Wirtschaftskriminalität interessiert, ist mit diesem Buch bestimmt gut versorgt. Aber auch Freunde des Thriller-Genre mit Mord als Mittelpunkt kommen auf ihre Kosten.

Das Buch „Rezept zum Mord “ von Eduard-Florian Reisigl  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein Ermittler mit dem besonderen Auge fürs Detail

„Sünderblut“ von Christoph Heiden – der erste Fall für Henry Killmer

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Die Geschichte:

Die Polizisten tappen lange im Dunkeln. Es gibt einfach zu wenig Hinweise. In der Zwischenzeit meldet ein Mann seine Frau als vermisst.

In einem Fluss wird die Leiche eines Schlägers gefunden, der seit einigen Tagen von der Polizei gesucht wird. Gemeinsam mit einem Kumpel und einer Freundin hat er einen Mann nach einem Barbesuch brutal zusammengeschlagen. Wer war der Schläger und wo hat er sich die letzten Tage aufgehalten? Und woher kommt das eingeritzte Zeichen am Fuß, das nur Kommissar Henry Killmer als Zeichen sieht?

Was die Ermittler unter anderem am Ende Dank des verbohrt wirkenden Henry Killmer herausfinden, sei hier nicht verraten. Nur so viel: Seine Kollegin, Linda Liedke macht sich Sorgen um ihn und teilt ihre Meinung nicht immer mit ihm.

Mein Eindruck:

Die beiden Ermittler könnten unterschiedlicher nicht sein. Henry Killmer ist solo und lebt für seine Arbeit, er ist Teetrinker und schleppt ein Geheimnis aus seiner Jugend mit sich herum. Linda Liedke ist verheiratet und Mutter und ist der Meinung, dass die Arbeit im Privatleben nicht zu suchen hat. Das ist dann aber auch schon so ziemlich alles, was man über die beiden Ermittler erfährt. Da hätte der Autor noch ein bisschen mehr zufüttern können. Es ist zwar ganz angenehm, wenn die Psyche der Polizisten nicht im Mittelpunkt steht, aber etwas mehr Charaktertiefe schadet nicht.

Was den Täter angeht, der bald als Serientäter gehandelt wird, hüllt sich der Autor lange in Schweigen, gibt nur hier und da kleine Häppchen preis, die den Leser dann am Ende doch in die falsche Richtung führen.

Der Spannungsbogen dürfte etwas weiter gespannt werden. Allerdings handelt es sich bei dem „Sünderblut“ auch eher um einen Krimi als einen Psychothriller. Der Schluss mit der Auflösung kommt allerdings etwas plötzlich.

Das ungleiche Ermittlerpaar hat mir gut gefallen. Die erfahrene Kriminalistin und das Greenhorn mit dem besonderen Auge für Details und der Vorliebe für spektakuläre Kriminalfälle der Vergangenheit ergänzen sich ganz gut.

Meine Leseempfehlung:

Für alle, die gern Tatort schauen respektive Krimis mögen, die nicht gar so schlafraubend sind, ist „Sünderblut“ von Christoph Heiden absolut empfehlenswert. Miträtseln lohnt sich.

Das Buch „Sünderblut “ von Christoph Heiden wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Jane Wunderly ermittelt in Ägypten

Die Tote im Mena House von Erica Ruth Neubauer

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Eigentlich soll es für Jane Wunderly und ihre Tante Millie ein entspannter Urlaub in Ägypten werden, der die Auswirkungen des ersten Weltkriegs, bei dem Jane ihren Mann verloren hat, und die in der Heimat herrschende Prohibition, vergessen werden sollen. Millie möchte außerdem einen Mann für Jane finden. Doch es kommt alles anders. Denn die junge xxx Anna, die in jedem weiblichen Wesen eine Konkurrentin sieht, wird ermordet. Und ausgerechnet Jane findet sie und gerät so in den Fokus der Ägyptischen Polizei. Jane beginnt daraufhin, zu ermitteln und erhält Schützenhilfe vom undurchsichtigen Mister Redvers, der eigene Ziele verfolgt.

Mein Eindruck:

Die Tote im Mena House ist ein unaufgeregter, aber dennoch spannender Krimi. Ich hatte das Buch in wenigen Tagen durch.

Die Geschichte spielt Anfang des 20. Jahrhunderts, also in einer Zeit in der die Männer noch immer ein Problem mit Frauen hatten, die sich emanzipierten und mit ihnen auf Augenhöhe waren. Da sticht Mr. Redvers, der gemeinsam mit Jane ermittelt aus der Menge heraus. Er nimmt die junge Witwe ernst, zeigt sich zwar galant und als Beschützer, doch nie so, dass sie in ihren Talenten und geistigen Fähigkeiten herabgesetzt fühlen könnte. Im Gegenteil. Die beiden bilden ein unschlagbares Team.

Die Charaktere der einzelnen Figuren sind gut beschrieben und gehen auch die die Tiefe. Ganz gleich ob Jane, Millie und Mr. Redvers, der Colonell und seine Tochter Anne oder der seltsame Ammons – man kann sich die Personen gut vorstellen und sich in sie hineinversetzen.

Der Schreibstil ist sehr eingängig und an den Stil des damaligen Sprachgebrauchs angelehnt. Ein paar Mal kommen Ausdrücke wie beispielsweise „delirant“ vor, die der Leser erst nachschlagen muss. Das könnte auch einfacher beschrieben werden, ohne dem Flair etwas anzuhaben. Die Beschreibungen der Umgebung – wie beispielsweise die Pyramiden – und des Kostümfests vermitteln einen Einblick in das Land und seine Kultur.

Der Mord wird unblutig beschrieben, der Schwerpunkt liegt auf den Ermittlungen. Den Mörder ausfindig zu machen ist nicht einfach. Die Autorin legt immer wieder falsche Fährten. Selbst Mr. Redvers bleibt dem Leser lange Zeit suspekt. Und auch Millie hat ein Geheimnis, das erst spät gelüftet wird.

Meine Leseempfehlung:

Wer Cosy Crime mag, ist bei Erica Ruth Neubauer und Jane Wunderly bestens aufgehoben.

Das Buch „Die Tote im Mena House “ von Erica Ruth Neubauer wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

In dieser Reha-Klinik stimmt was nicht

Inselmord von Alice Spogis

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Sie begibt sich zur Reha auf die Insel Juist, um ihr Leben wieder in die richtige Spur zu bringen und erlebt die Hölle. Ella Brandt, die sich als freie Journalistin in Münster durchschlägt setzt ihre ganze berufliche Neugier ein, um gemeinsam mit dem Mitpatienten Lysander Falk zwei Tode aufzuklären, die anfänglich als Suizide gelten. Eines ist ihr schnell klar: In dieser Klinik stimmt was ganz und gar nicht.

Mein Eindruck

Mir hat der Roman ganz gut gefallen. Es geht nicht unbedingt blutrünstig zu. Vielmehr spielt Alice Spogis  mit der Psyche der Protagonisten. Dennoch müssen Ella  und Lysander einige Angriffe einstecken, die nicht gerade sanft verlaufen. Dass die Story in einer Psycho-Klinik stattfindet, macht die Geschichte in meinen Augen nur noch spannender. Denn jede Figur, die hier vorkommt, hat so ihre Probleme, die sie verdächtig machen. Selbst das Personal ist davon nicht ausgenommen.

Nur langsam lässt die Autorin Informationen raus, die dem Leser bei den Ermittlungen helfen können, was das Ganze am Anfang etwas zäh erscheinen lässt. Sie führt aber auch gern auf falsche Fährten. Doch wer aufmerksam liest, kommt dem Täter relativ schnell auf die Schliche. Zumindest hatte ich schon früh einen Verdacht. Ohne jedoch das Motiv zu finden.

Erzählt wird die Geschichte aus zwei Perspektiven – aus Ellas und aus Lysanders Sicht, wobei Ella die Ich-Form, Lysander die Er-Form zugeschrieben wurde. Anfangs ist diese Art vielleicht ein wenig ungewohnt. Man muss sich erst daran gewöhnen. Genauso wie an die ruppig erscheinende Art Ellas. Dabei sind gerade Ellas Gedanken von abgrundtiefem Sarkasmus geprägt, der sie anfangs vielleicht etwas arrogant oder überheblich erscheinen lässt. Dabei scheint mir die Art eher ein Versuch der Protagonistin zu sein, nicht zu viel an sich ranzulassen und sich zu schützen. Doch wenn man sich erst einmal eingelesen hat, zieht Alice Spogis  den Leser immer tiefer in den Bann.

Gestört haben mich Fremdwörter wie „Miasma“ (laut Wiktionary aus dem Altgriechischen = übler Dunst, Verunreinigung, Synonym: Gifthauch, Pesthauch). Ich kenne mich mit Fremdwörtern eigentlich gut aus. Wenn ich dann erst einmal nachschlagen muss, um die Bedeutung eines Wortes zu finden, verliert das Buch an Lesefluss und Lese-Spaß. Der E-Book-Reader bietet zwar die Möglichkeit, sich mit einem Fingerdruck eine Erklärung liefern zu lassen, doch wird man dadurch aus der Handlung herausgerissen. Eine einfachere Sprache, die jeder versteht, ist manchmal besser.

Bei Inselmord handelt es sich nicht um die übliche Form eines Krimis oder Thrillers, bei dem die Spannung von Anfang an über die gesamte Lesedauer anhält. Vielmehr baut sich der Bogen langsam auf, der Leser wird eher zum Knobeln und Kombinieren angeregt. Es lohnt sich auf jeden Fall, bis zum Ende dran zu bleiben.

Meine Leseempfehlung:

Wer sich gern mit der menschlichen Psyche befasst, keine Unmengen am Blut und durchgeknallte Serienmörder für den Kick benötigt, wird mit diesem Buch seine Freude haben. Ich hatte es innerhalb von vier Tagen durch.

Das Buch „Inselmord “ von Alice Spogis  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ambivalenz einer Rezensentin

Rezept zum Mord von Eduard-Florian Reisigl

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Die Geschichte:

Christof Weinkeiler ist ein Sternekoch aus Östereich, der ins Elsass umgesiedelt ist, um dort eine Kochschule zu eröffnen. Doch irgendwie scheint er Leichen anzuziehen. Bei einem Ausflug ins Naturschutzgebiet Grand Ried, wo er frischen Bärlauch sammeln will, stolpert er förmlich über einen Toten. Bis die alarmierte Polizei, die er am Parkplatz abholt und zum Tatort lotst, vor Ort ist, ist die Leiche jedoch verschwunden. Dafür trifft er nachts auf der Straße eine orientierungslose junge Frau, die an Amnesie leidet und die er vorläufig bei Freunden unterbringt.

Mein Eindruck:

Man nehme ein bisschen Kochbuch, etwas Reiseführer und eine Prise Krimi – so könnte man die Geschichte, die Eduard-Florian Resigl zusammenfassen. Was es mir aber auch schwer macht, das Buch zu bewerten. Einerseits erfährt man viel über das Elsass, die Kultur, die Geschichte, die Region, die Mentalität und die Küche, wobei der Autor, der tatsächlich Koch ist, viele Rezepte verrät und am Ende des Buches nochmal zusammengefasst freigibt. Andererseits aber soll das ein Krimi sein. Und da sind mir manche Passagen einfach zu langatmig. Mir fehlt die Spannung. Irgendwie findet der Krimipart nur nebensächlich statt.

Die Charaktere sind sehr eigenwillig und keinesfalls aus einem Einheitsbreiguss, was mir wieder gefällt. Auch wenn ich nicht jeden der einzelnen Typen mochte. Sympathisch ist die Hauptfigur Christof Weinkeiler. Er ist äußerst gastfreundlich, verwöhnt seine Gäste – ganz gleich ob eingeladen oder überraschend eingetrudelt – mit kulinarischen Köstlichkeiten. Problemlösungen sucht er im Gespräch, Streit geht er möglichst aus dem Weg. Typisch ist der Aperitif, den es vor jeder Mahlzeit gibt. Was mich irritiert hat sind die Freunde und Nachbarn, die jederzeit bei Christof einfallen und erwarten, von ihm verköstigt zu werden. Der Dorfpolizist, der in dem Fall ermittelt ist ein sonderbarer Kauz. Einerseits möchte er, dass Christof sich aus den Ermittlungen raushält, andererseits verrät er ihm Ermittlungsergebnisse und bittet um seine Hilfe.

Der Mordfall selbst ist meiner Meinung nach ein bisschen sehr konstruiert. Da dürfte sich der Autor noch etwas mehr an Feinheiten einfallen lassen. Vielleicht den Mord und die Lösung im Vorfeld der Arbeit schon skizzieren und sich überlegen, ob der Plot halbwegs realistisch erscheint. Im Gegensatz zu den Hardcore-Thrillern, bei denen es ruhig etwas überzogen sein darf, sollte die Tat bei einem derart gemütlichen Tempo umso realistischer sein. Zumal die Rahmenhandlung gemütlich angelegt ist und die beschriebene Region tatsächlich so existiert.

Ich lebe im Prinzip genau gegenüber des Schauplatzes auf der deutschen Rheinseite und bin oft im Elsass unterwegs. Beispielsweise auf einem der unzähligen sonntäglichen Flohmärkte. Von daher kenne ich mich in der Region recht gut aus und kann die Charakterisierung der Bevölkerung nur bestätigen. Sowohl das gemütlich Freundliche als auch das Ablehnende, das Deutsche und Deutschsprachige – allerdings nur noch selten – erleben können. Auch der obligatorische Aperitif und das gemeinschaftliche Essen in großer Runde, das man sogar auf den Flohmärkten beobachten kann, gehören zum elsässischen aber auch französischen Lebensstil.

Dafür stören mich unlogische Abläufe. In einem Fall ist es beispielsweise fast Mitternacht, im weiteren Zeitverlauf ist es knapp fünf Minuten später, gleichzeitig aber zwei Stunden zu früh, um in einen Geburtstag hinein zu feiern – also erst 22 Uhr. In einem anderen Fall fährt Christof von Marckolsheim ins Grand Ried und, nachdem die Polizei ihn vom Tatort entlässt, startet er nach Hause in Richtung Straßburg. Straßburg liegt aber nördlich des Tatorts, Marckolsheim südlich, beide Städte sind rund 60 Kilometer voneinander entfernt. Er hätte also in Richtung Süden nach Marckolsheim fahren müssen. Und das im Buch genannte „Nachbardorf“ Sand liegt tatsächlich 30 Kilometer von Marckolsheim entfernt. So locker besiedelt ist das Elsass nun doch nicht, dass die Gemeinden so viel Abstand voneinander hätten.

Ich würde mir vom Autor und vom Lektorat wünschen, dass Fakten die nachprüfbar sind, wie beispielsweise die geografischen Gegebenheiten oder eben Zeitabläufe etwas genauer recherchiert bzw. überprüft werden.

Meine Leseempfehlung:

Für alle, die es gemütlich mögen ist der Elsass Krimi empfehlenswert. Schlaflose Nächte gibt es danach nicht. Obwohl mir die Spannung gefehlt hat, hat mich das Buch unterhalten. Der Schreibstil ist eingängig und – sieht man von den unlogischen Abläufen ab – gut zu lesen. Und wie gesagt: Man erfährt viel über Kultur, Geschichte und Küche der Region sowie die Mentalität der Elsässer. Von daher gibt es von mir dreieinhalb Sterne.

Das Buch „Rezept zum Mord “ von Eduard-Florian Reisigl  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Authentisch und glaubwürdig

Unter dem Eis von Lara Möller

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Christopher Diecks hat sich nach seinem ersten gelösten Fall als Privatdetektiv voll und ganz auf die neue Herausforderung eingelassen und hat seinen Job beim Umzugsunternehmen gekündigt. Im Restaurant seines Stiefvaters hilft er hin und wieder weiterhin aus.

Eigentlich soll er in seinem neuen Fall den Stalker und Erpresser einer Bauunternehmerin finden. Die Managerin hatte sich auf ein Liebesabenteuer eingelassen und wird nun von ihrem ehemaligen Liebhaber unter Druck gesetzt. Doch es kommt ganz anders als Christopher denkt und der Leser erwartet. Sein Weg führt zunächst über eine junge Frau die gesucht wird. Der anfangs ganz einfach erscheinende Fall wird am Ende nicht nur knifflig, sondern auch gefährlich für den jungen Ermittler.

Mein Eindruck:

Christopher hat aus den Erfahrungen seines ersten Falls gelernt. Und trotzdem tappt er immer wieder in Fallen oder bringt sich selbst in Gefahr. Dennoch bringt ihn seine Beharrlichkeit und seine Spürnase auch dieses Mal wieder ans Ziel. Auch wenn das am Ende nicht so aussieht, wie er es sich erhofft.

Lara Möller hat auch in ihrem zweiten Christopher-Diecks-Band wieder ihrer Fantasie freien Lauf gelassen, wenngleich sie den Showdown am Ende nicht ganz so spektakulär, dafür aber glaubwürdiger gestaltet und somit eine schöne runde Geschichte entwickelt hat. Der Erzählstil ist, wie schon im ersten Band, leicht und unterhaltsam, der Spannungsbogen reicht vom Anfang bis zum Ende. Und auch dieses Mal ist der Täter ein ganz anderer, als erwartet.

Was mir am Charakter des Christopher Diecks gut gefällt ist die Natürlichkeit. Er ist kein Superheld, der Schläge ohne Ende kassiert, um dann im knitterfreien Outfit und komplett ohne Blessuren vom Schauplatz weggeht und dabei noch den bösen Schläger abführt. Im Gegenteil. Er schreit, wenn er Schmerzen hat, liegt am Boden, wenn ein Schlag ihn außer Gefecht setzt, hat Angs, zeigt Nerven und Gefühle.

Meine Leseempfehlung:

Für alle, die einen spannenden Krimi ohne übermäßiges Blutvergießen dafür aber mit viel Mitdenken und Rätseln liebt, liegt bei der Christopher-Diecks-Reihe genau richtig.

Das Buch „Die Spur des Todes“ von Lara Möller wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein liebenswerter Detektiv in Gefahr

Die Spur des Todes von Lara Möller

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Christopher Diecks ist ein Lebenskünstler, der sich vom Druck der Eltern und deren Erwartungen befreit hat. Mit knapp 30 Jahren lebt er sein Leben, das er durch drei Jobs finanziert: Er hilft in einem Umzugsunternehmen, kellnert im Restaurant seines Stiefvaters und kommt durch Zufall zu einer Beschäftigung als Privatdetektiv. Gerade in diesem Job beweist er ein mehr als gutes Näschen und Kombinationsgabe. Allerdings ist er in manchen Dingen zu arglos und blauäugig, so dass er sich immer wieder selbst in Schwierigkeiten bringt und einiges an Blessuren davonträgt. Am Ende kommt er durch seine Ermittlungen in große Gefahr. Beim Ausräumen eines völlig verwahrlosten Hauses stößt er auf Dokumente und Fotos, ohne zu wissen, dass er Beweisstücke auf einen internationalen Schmuggel in der Hand hält. Am nächsten Tag sind die Fotos und Dokumenten verschwunden, darüber hinaus klafft im Boden eines Raums ein großes Loch, das vermutlich eine Kassette enthalten hatte, die verschwunden ist. Wie brisant sein Fund ist, merkt er erst, als ihm finstere Gestalten auflauern.

Mein Eindruck

In eingängigem, flottem Schreibstil erzählt Lara Möller die Geschichte eines sehr sympathischen Mannes, der pflichtbewusst arbeitet und ermittelt. Dabei charakterisiert sie Christopher, kurz Topher genannt, als sanftmütig, gewitzt und offen für seine Mitmenschen, manchmal etwas unüberlegt und wagemutig. Auch die weiteren Figuren hat sie ausführlich chrakterisiert, so dass man sich alle sehr gut vorstellen kann. Durch den Spannungsbogen, der über das ganze Buch hinweg hochgehalten wird, wird der Leser auf eine abenteuerliche Reise mitgenommen. Allerdings wirkt das Ende der Geschichte etwas chaotisch und unübersichtlich, so dass man sich dann schon mal fragt, wo diese Gestalten plötzlich herkommen.

Meinem Lesespaß hat das allerdings nicht geschadet. Ich habe mich am Ende auf die Fortsetzung gefreut, die ich gerade lese schon fast wieder durch habe.

Meine Leseempfehlung:

Wer Krimis mit spannenden Wendungen mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Ganz unblutig geht es zwar nicht, aber es gibt keine brutalen Massaker.  

Das Buch „Die Spur des Todes“ von Lara Möller wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannend aber teilweise abstrus

Opfergrab von Ralf Gebhardt

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Ein Ermittlerteam, das sich nicht ausstehen kann, ein Staatsanwalt, der von den beiden Kriminalbeamten nichts hält, ein Serienmörder, der immer sonntags tötet und ein Pfarrer, der mehr weiß, als er zugibt und sich auf das Beichtgeheimnis beruft – so könnte die Quintessenz aus dem Thriller „Opfergrab“ lauten.

Mein Eindruck

Ralf Gebhardt ist in seinem Roman tief in die menschliche Psyche eingetaucht. Sowohl in die des Killers, als auch in die der ermittelnden Beamten und des Staatsanwalts. So müssen zwei Kriminalpolizisten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, als Notbesetzung der Soko Morde aufklären, die ziemlich brutal ausgeführt sind. Und das ganz ohne Ansatzpunkt und unter Druck des Staatsanwalts. Dabei lässt der überhebliche, von sich eingenommene Kralik, der als Leiter der Soko eingesetzt wird, den ruhigeren, sanfteren Thaler spüren, was er von ihm hält – und das ist nicht viel. Allerdings haben die beiden auch im Staatsanwalt keinen Freund. Als Vorgesetzter, der von der Presse belagert wird, gibt er den Druck auf die Polizisten weiter.

Der Pfarrer ist eine wiederkehrende Konstante, über die die Ermittler immer wieder stolpern. Aber was hat der Priester mit den Morden zu tun? Ist er womöglich selbst der Mörder, oder kennt er diesen? Thaler und Kralik haben Mühe, die Morde aufzuklären. Und auch für den Leser ist es schwierig, hinter das Geheimnis zu kommen.

Die Geschichte wird sowohl aus der Sicht der ermittelnden Beamten als auch aus der des Mörders erzählt, sodass der Leser Infos hat, die den Polizisten fehlen. Dennoch bleibt die Story bis zum Showdown undurchsichtig.

Ein bisschen abstrus wird es am Ende, als der Mörder bereits gefasst ist. Es geschehen Dinge, die stark übertrieben und unglaubwürdig sind, die Ermittler verhalten sich wie Anfänger und das Ende wirkt an den Haaren herbeigezogen. Hätte Gebhardt hier nicht gar so tief in die Action-Kiste gegriffen, wäre dem Roman nichts verloren gegangen. Etwas weniger hätte auch gereicht.

Nichts desto trotz ist die Story spannend und flüssig geschrieben. Wenn der Autor jetzt noch die seitenweise Passagen der Dialoge, die ohne Hinweis auf die entsprechenden Sprecher auskommen, etwas genauer ausarbeitet, so dass man weiß, wer einen Ausspruch getätigt hat, reicht es auch für fünf Sterne.

Meine Lesempfehlung

Wer Thriller mag, bei denen es blutiger zugeht und die Charaktere etwas spezieller sind, wird mit „Opfergrab“ seinen Lesespaß finden.

Das Buch „Opfergrab“ von Ralf Gebhardt wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Schmutzige Öl-Geschäfte

Blutrot – Die Jagd von Arvid Heubner

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Ein norwegischer Staatsanwalt wird tot auf einer Toilette im Zug Paris-Den Haag aufgefunden. Für Chloé Lambert, die zufälligerweise auf ihrem Weg zum neuen Arbeitgeber, der Europol, im selben Zug sitzt und Tinus Geving, der die neue Kollegin abholen soll, ist der Fall schnell klar: Das war nicht, wie zunächst angenommen ein natürlicher Tod. Der Staatsanwalt wurde ermordet. Da sich die Tat auf überregionalem Gebiet ereignet hat, übernimmt Geving gemeinsam mit Chloé Lambert die Ermittlungen. Sehr zum Missfallen des Vertreters der örtlichen Polizei, der versucht Europol aus den Ermittlungen herauszuhalten und den Fall herunterzuspielen. Für Geving und sein Team beginnt eine aufregende Jagd nach dem Mörder, die über halb Europa führt.

Mein Eindruck

Arvid Heubner hat sich mit diesem Roman die Arbeit von Europol vorgenommen, die den Ermittler Geving wieder einmal in höchste Wirtschafts- und Politikkreise führt. Zu Menschen, die Dreck am Stecken haben und versuchen, dies zu verbergen. Doch die Ermittlungen werden ihm und seinem Team schwer gemacht. Ständig werden die Polizisten ausgebremst und bekommen Steine in den Weg gelegt – und zwar von höchster Stelle. Chloé Lambert, die froh ist, aus Paris weg zu sein, wo sie von ihrem Vorgesetzten nicht ernst genommen worden war, muss zum Lösen des Falles wieder nach Paris zurück, was ihr anfangs nicht gefällt.

Heubner beschränkt sich in diesem Band auf wenige Charaktere, die er deutlich ausgearbeitet hat. Besonders Tinus Geving als Hauptperson und Chloé Lambert kommen stark heraus. Die restlichen Personen sind eher blass, was der Geschichte aber nicht schadet. Der Schreibstil ist flüssig und gut zu lesen.

Was mich gestört hat, sind die vielen Abkürzungen, die verschiedene Behörden bezeichnen. Zwar sind sie am Ende des Buches mit Erklärungen nachzulesen, doch ist es bei einem E-Book schon lästig und auch ein bisschen umständlich, ständig nach hinten zu hüpfen. Dazu wären zusätzliche Erklärungen oder Umschreibungen im Text nicht schlecht gewesen.

Dies war das zweite Buch der Tinus Geving Reihe, das ich gelesen habe. Beim diesem Roman fiel es mir erheblich leichter, der Geschichte zu folgen. Trotzdem hätten die Ermittlungen für mich etwas spannender sein können. Ich fand sie etwas langgezogen und vorhersehbar. Außer das Ende. Das hat mich dann doch überrascht.

 Meine Leseempfehlung

Für Fans von Romanen mit politischem und wirtschaftlichem Hintergrund kann ich das Buch nur empfehlen. Allerdings würde ich „Blutrot – Die Jagd“ eher in das Genre Krimi und weniger als Thriller einordnen.

Das Buch „Blutrot – Die Jagd“ von Arvid Heubner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.