Spannend ganz ohne Gewalt und Blut

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Inhalt:

Kari Lürsen hat als Ermittlerin des BKA einen Undercover-Einsatz versemmelt und wurde daraufhin vom Dienst suspendiert. Sie verkriecht sich in der leerstehenden Kate ihres verstorbenen Großvaters, um sich die Wunden zu lecken. Doch dazu kommt sie nicht. Denn bei ihrer Ankunft erfährt sie, dass ihre Schulfreundin Wiebke sich das Leben genommen hat. Ein Ereignis, das so gar nicht zu der immer fröhlichen Wiebke passt, die sie gekannt hat. Kari kommen Zweifel, sie beginnt, nach Antworten zu suchen und deckt dabei Geheimnisse ihrer beiden verbliebenen Schulfreundinnen auf. Auch der Wirt der „Blauen Möwe“ erscheint ihr suspekt. Wenngleich er auch einen gewissen Reiz auf sie ausübt.

Meine Meinung:

Cornelia Härtl hat mit „Tod auf Föhr“ einen authentischen Krimi herausgebracht, der komplett ohne Gewalt auskommt und sein Augenmerk auf die Ermittlung und das Lösen von Rätseln legt. Häppchenweise gibt sie Erkenntnisse frei, lässt Kari und damit auch den Leser einen Blick hinter Kulissen und in Familien hineinwerfen. Dabei werden alle als Menschen mit alltäglichen Problemen dargestellt, mit denen sich die Leser voll identifizieren können. Obwohl: Nicht alle Probleme sind alltäglich. Das stellt sich mit der Zeit heraus.

Kari ist der Autorin als Protagonistin sehr gelungen. Die suspendierte Ermittlerin pendelt zwischen verschiedenen Gefühlswelten hin und her, ist mal verzweifelt, weil ihr Chef nichts von sich hören lässt, mal gefangen in ihren Zweifeln an Wiebkes Tod und dann wieder die toughe Ermittlerin, die das Rätsel lösen will. Die psychischen Wechselbäder, die Kari durchmacht, zeigen die gute Recherchearbeit und Fantasie der Autorin.

Auch das Lokalkolorit der Nordseeinsel und die Mentalität der Bewohner vermittelt die Schreiberin sehr authentisch. Da bekommt man so richtig Lust, mal Urlaub auf dem Eiland zu machen. Ihr Schreibstil ist eingängig und flüssig zu lesen. Der Spannungsbogen wird vom Anfang bis zum Ende gehalten. Und das ganz ohne ständig lauernde Gefahr oder Gewalt.

Fazit:

Der Krimi kommt mit nur wenigen Protagonisten aus. Etwa zehn kommen figürlich vor, zwei werden nur erwähnt. Das sind Karis Mutter und ihr Chef, die allerdings auch, wenngleich nur eine nebensächliche Rolle spielen. Dass die Autorin nicht näher auf den Grund der Suspendierung eingeht, finde ich absolut in Ordnung. Sie hätte sich vielleicht sonst zu sehr verzettelt. Der Grund für Kari Beurlaubung ist für die Story nicht wichtig. So ist sie dem roten Faden gefolgt, den sie ausgelegt hat und der für die Entwicklung der Geschichte notwendig ist. Dafür hätte ich mir einen genaueren Hintergrund für Bents seltsames Verhalten gewünscht. Es wird zwar angerissen, bleibt aber doch etwas oberflächlich. Nach dem, was der Leser erfährt, müsste der Wirt keine Angst vor juristischen Folgen haben. Das sollte schon verjährt sein.

Das Ende bleibt offen. In einem zweiten Band könnte die Autorin die weitere beruflich Entwicklung Karis aufgreifen und auch die Geschichte mit und um Bent weiter entwickeln.

Meine Leseempfehlung:

Für Krimifans ein absolutes Muss. Selbst Freunde des Thriller-Genres, zu denen ich mich eigentlich zähle, kommen auf ihre Kosten. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen und hatte es in kürzester Zeit durch. Gerne vergebe ich hier fünft Sterne.

Das Buch „Tod auf Föhr “ von Cornelia Härtl wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannend bis zum Ende

Caroline Seibt greift aktuelles Thema auf

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Niklas Winter, Sozialarbeiter und Familienvater hat sich auf grausame Weise das Leben genommen. Zumindest sieht es danach aus, was den Polizeichef Alexander Bachmann dazu veranlasst, die Akte möglichst schnell zu schließen und den Fall als geklärt zu den Akten zu legen. Kommissar Theo Weiland hat da allerdings seine Zweifel. Offiziell weiter ermitteln darf er nicht, tut es aber trotzdem. Vor allem, nachdem eine weitere Leiche gefunden wird: Ein Mann, der ebenfalls grausam ums Leben gekommen ist. Aber sicherlich nicht durch Selbsttötung. Weiland deckt mit seinen heimlichen Ermittlungen Abgründe eines Kinderheims auf, deren Ursprünge 20 Jahre zurückliegen.

Meine Meinung:

Caroline Seibt hat ein Thema aufgegriffen, das besonders in den vergangenen Jahren immer wieder in den Medien diskutiert wurde: Die Missstände in Kinderheimen und sogenannten Kinderkuren, die von Kirchen, Krankenkassen und anderen Institutionen bis weit in die 1970er Jahre betrieben wurden. Eingepackt hat sie die Hintergründe in einen fesselnden Thriller, der einen von Anfang bis Ende packt und mitreißt. Mit ihrer gut zu lesenden Schreibweise führt sie ihre Leser mehrfach auf falsche Fährten, lässt sie raten, nur um ihnen dann, wenn sie glauben, den Täter gefunden zu haben, aufzuzeigen, dass sie falsch liegen. So geht es auch Theo Weiland, der lange im Dunkeln tappt, ein fehlendes Puzzleteil lange Zeit übersieht und dann in einem atemberaubenden Showdown den Täter/die Täterin überwältigen kann.

Näher möchte ich auf die Geschichte gar nicht eingehen, weil ich dadurch zu viel verraten würde.

Bei der Aufklärung fehlt eigentlich nur ein Punkt, der zwar nicht besonders wichtig ist, dessen Auflösung aber sicherlich interessant wäre. Gemeint ist eine alte Visitenkarte Weilands, die beim ersten Opfer gefunden wird. Auf der Rückseite steht nur ein Wort: Hilfe! Zwar ist erklärt, woher die Karte stammt, allerdings nicht, wie das Opfer darangekommen ist und wer wann den Hilferuf darauf geschrieben hat.

Erzählt wird die Geschichte aus Sicht des ermittelnden Kommissars, wodurch der Leser Einblick in seine Gedanken erhält sowie aus der Sicht eines Kindes, das vor 23 Jahren in einem Heim lebt.

Fazit:

Das war ein Thriller ganz nach meinem Geschmack. Ich hatte ihn auch ruck zuck durch. Mit ihrem Schreibstil zieht Caroline Seibt die Leser voll in den Bann ihrer Protagonisten. Überrascht hat mich am Ende die Auflösung und vor allem die Begründung für die Taten.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es die vollen fünf Sterne. Auch wenn bei der Aufklärung oben erwähnter Punkt fehlt. Er nimmt der Geschichte nichts. Für Thriller-Fans ist der Roman „Gestohlenes Kind“ von Caroline Seibt absolut empfehlenswert.

Das Buch „Gestohlenes Kind “ von Caroline Seibt  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Meine Erwartungen wurden leider nicht erfüllt

Eher ein unblutiger Krimi als ein Thriller

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Hazel ist erfolgreiche Theaterschauspielerin. Nach Jahren auf der Bühne möchte sie sich neuen Aufgaben zuwenden und erwägt, als Schauspiellehrerin zu arbeiten. Obwohl niemand davon weiß, werden ihr die letzten Tage im Theater schwer gemacht, was sie in ihrer Entscheidung nur bestärkt. Sowohl im Schauspielhaus als auch zu Hause findet sie immer wieder bedrohliche Nachrichten, die ihr einerseits zusetzen, sie andererseits aber dagegen aufbegehren lassen. Zumindest in ihren Gedanken. Dabei hat sie ihre junge Kollegin Pia im Verdacht, während Elliot immer zudringlicher wird und ihr Angst macht. Ihre ehemalige Schauspiellehrerin Orla, von der sie sich Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Berufspläne erhofft, macht sie nur immer wieder nieder. Mit der Zeit spitzt sich die Lage zu, die Bedrohungen werden mehr, bis es zum Eklat und unerwarteten Ende kommt.

Meine Meinung:

Antonia Richter hat sich ein gutes Thema vorgenommen. Mobbing und Stalking sind heutzutage fast schon normal, die Opfer, oft nicht in der Lage  sich zu wehren, leiden und werden krank. So geht es auch Hazel. Die anfangs kleinen Piesackereien und Botschaften steckt sie noch weg. Mit der Zeit allerdings reagiert ihr Körper mit Migräneattacken.

Das Verhalten der Schauspielerin, in deren Psyche die Autorin tiefe Einblicke gestattet, ist allerdings nicht immer verständlich. Sie hat Angst und ist verunsichert, geht aber nach der Abendvorstellung mitten in der Nacht von der Bushaltestelle eine Abkürzung von rund einem Kilometer durch den Wald nach Hause. Wer macht so etwas? Ein ängstlicher Mensch – vor allem eine Frau – würde nachts niemals alleine durch einen Wald gehen. Schon gar nicht so eine lange Strecke. Sie würde eher den längeren Weg nehmen und sich auf beleuchteten Straßen bewegen.

Und würde sich eine Frau nicht gegen die Mobbing-Attacken wehren und dem zudringlichen Kollegen Einhalt gebieten? Nicht unbedingt. Das hat Antonia Richter ganz gut beschrieben. Die meisten Opfer ziehen sich eher in sich zurück und machen das mit sich aus.

Aber spätestens nachdem in ihr Haus eingebrochen wird, hätte Hazel reagieren müssen. Nicht nur mit neuen Schlössern, die sie hat einbauen lassen, sondern mit einer Anzeige bei der Polizei. Das tut sie aber nicht. Ihr Mann, der sich auf Geschäftsreise befindet, nimmt sie nicht ernst, wiegelt ab und ist ihr somit auch keine Hilfe.

All das könnte man so richtig spannend verarbeiten. Leider nehmen Längen, in denen sich die Protagonistin gedanklich immer wieder um sich selbst dreht, die Spannung fast komplett raus. Für den Leser sind die ständigen Gedanken fast schon Wiederholungen – nur mit anderen Worten.

Das Ende und der Täter/die Täterin haben mich dann aber doch überrascht. Das hatte ich so nicht im Verdacht. Ein Pluspunkt für die Autorin. Allerdings wirkt die Geschichte dann doch konstruiert.

Fazit:

Das Thema Stalking und Mobbing ist eigentlich ein sehr dankbares, das Autoren unglaublich viele Möglichkeiten bietet, einen wirklich spannenden Thriller zu entwickeln. Leider ist das an der Autorin vorbeigegangen. Da hat sie viel Potenzial verschenkt. Vielleicht überarbeitet sie ihr Buch irgendwann noch einmal und baut noch einen durchgehenden Spannungsbogen ein.  Möglichkeiten bietet die Geschichte zur Genüge.

Meine Leseempfehlung:

Ich würde den Roman nicht als Thriller bezeichnen. Es handelt sich hier eher um einen unblutigen Krimi – und auch das nicht wirklich. Eine Einordnung fällt mir schwer. Für Leser mit schwachen Nerven ist der Roman sicherlich interessant. Wer einen Thriller erwartet, wie er auch durch das Cover impliziert wird, wird enttäuscht sein.

Von mir gibt es drei Sterne für die Idee, die Aufarbeitung des Themas und ihren flüssigen, gut lesbaren Schreibstil.

Das Buch „Ich sehe, was du tust “ von Antonia Richter wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Verworrenes Rätselraten

Die Suche nach einer todbringenden Uhr

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Journalist Noah sucht seinen Bruder Ben, der in Wien verschwunden ist. Auf seiner Suche stößt er auf eine verschlüsselte Nachricht, die er nicht versteht. Catalina, die sich auf die Übersetzung verschlüsselter Nachrichten spezialisiert hat, versucht ihm bei der Entschlüsselung zu helfen. Dabei stoßen die beiden auf die geheimnisvolle Geschichte einer Uhr, die schon seit ewigen Zeiten dem jeweiligen Träger den Tod bringt. Fünf sogenannte Boten haben jeweils einen Teil des Schlüssels, der den Ort bezeichnen soll, an dem die Uhr gefunden werden kann. Bald schon stellen sie fest, dass sie nicht die einzigen sind, die nach der Uhr suchen. Doch sind die Gründe der Gruppen ganz unterschiedlich. Auch Ben ist beteiligt. Aber wie?

Meine Meinung:

Mit jeder Seite würden Rätsel gelöst, heißt es im Klappentext. Dem kann ich nur zustimmen. Allerdings sind mir diese gerade am Anfang zu viel. Die ersten Seiten liest man sich nur durch undurchsichtige Erzählstränge, die ich eher als verwirrend denn spannend empfunden habe.

Die Geschichte wird aus drei Perspektiven aufgebaut, die mit der Zeit zusammenlaufen. Da sind zum einen Noah und Catalina, zum anderen die Vandenynos und zum dritten Nikola, deren Sicht in kursiver Schrift gedruckt ist.

Wird am Anfang noch von „sie“ und „ihnen“ gesprochen, zeigt sich mit der Zeit wer gemeint ist. Mir hat das aber zu lange gedauert. Auch ist lange nicht ersichtlich, in welcher Zeit Nikola lebt, die aktiv nach etwas sucht, was sich mit der Zeit ebenfalls herausstellt. Allein durch die kursive Schrift kann man sich vorstellen, dass ihre Geschichte zu einer anderen Zeit spielt.

Die Charaktere hätten meiner Meinung nach etwas mehr Tiefe vertragen. Mir fehlt im Verlauf der Geschichte die Sorge Noahs um seinen Bruder, die er anfangs gezeigt hat. Auch die Empfindungen wie Angst oder Anspannung der Protagonisten kommen nicht immer deutlich raus.

Die Erzählweise der Autorin ist unterhaltend. Sie schreibt in gut leserlicher Art und versucht, ihre Leser mit in die Geschichte zu nehmen, was bei mir nicht so richtig funktioniert hat. Allerdings kommen sehr viele Personen vor, deren Zuordnung nicht immer leichtfällt.

Fazit:

So kryptisch sich meine Beurteilung hier anhören mag, so liest sich der Roman zumindest im ersten Drittel. Da ich nicht spoilern möchte, habe ich mich in dieser Rezension teilweise vielleicht etwas oberflächlich ausgedrückt. Ginge ich aber tiefer, würde ich zu viel verraten. Gerade am Anfang haben sich für mich immer wieder Lücken aufgetan, für deren Lösung ich zurückblättern musste. Und es kam immer mal wieder die Frage auf, über wen da gerade gesprochen wurde. Da tauchen stellenweise Charaktere auf, die irgendwann am Anfang mal erwähnt wurden.  

Meine Leseempfehlung:

Für Freunde des Rätselratens ist der Roman sicherlich interessant. Man muss aber schon gut mitdenken, einfach mal so eine halbe Stunde lesen, ist für dieses Buch nicht ratsam. Von mir gibt es gut gemeinte dreieinhalb Sterne.

Das Buch „Der letzte Bote “ von Veronika Stöhr wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Viel Potenzial verschenkt

Die Totenzeichnerin von Raiko Oldenettel

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Eine junge Krankenschwester löst mithilfe ihrer obskuren Leidenschaft kurz nach dem ersten Weltkrieg eine Reihe von Mordfällen. So könnte man die Geschichte zusammenfassen, die sich um Minna Dahl dreht. Die junge Frau liebt es Leichen zu zeichnen und ihnen damit das Unheimliche des Todes zu nehmen. Dass das 1919 nicht gern gesehen ist, kann man sich vorstellen. Minna wird, als sie erwischt wird, aufs Land versetzt, um den kriegsversehrten Paul Frauenlob zu versorgen, der an einer Schlafkrankheit leidet. Als es dort einen Mordfall gibt, zeichnet sie das Opfer heimlich und wird natürlich erwischt. Diesmal kann sie aber durch ihre Beobachtungen, die sie während des Zeichnens an den Toten gemacht hat, nicht nur diesen Mord, sondern eine ganze Reihe, die damit zusammenhängt, aufklären.

Meine Meinung:

Die Geschichte hat Potenzial. Die Kombination von Thriller und Historischem Roman kann, wenn sie gut ausgearbeitet ist, richtig gut und spannend sein. Und auch aus der zugegeben morbiden Idee, die Hauptfigur leidenschaftlich Leichen zeichnen zu lassen, hätte sich was machen lassen. Leider hat es der Autor nicht geschafft, diese Mischung herzustellen, sie dem Leser zu verdeutlichen und ihn damit in den Bann zu ziehen. Nach einem spannenden, düsteren Beginn flacht die komplette Geschichte leider stark ab und beginnt schon bald, sich zu ziehen. Zwar flammt immer mal wieder ein bisschen Spannung auf, aber der Bogen hält nicht durch.

Der Kern der Geschichte, die Leidenschaft, Leichen zu zeichnen und das Faible für detektivische Arbeit kamen leider nicht bei mir an. Auch die Auflösung der Morde hat mich nicht überzeugt. Die Protagonisten haben mich nicht sich gewinnen können. Lediglich der Studienrat zeigte sympathische Seiten.

Fazit:

Schade, der Autor hat hier viel verschenkt. Da hat er sicherlich noch mehr auf dem Kasten. Denn die Ansätze sind da. Vielleicht überarbeitet er die Geschichte auch noch einmal und achtet etwas mehr auf den Spannungsbogen und die Plausibilität der Handlungen einzelner Personen.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es leider nur drei Punkte.

Das Buch „Die Totenzeichnerin“ von Raiko Oldenettel wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Eine Leiche zu Karneval

Louisa Manu sucht den Mörder eines Funkenmariechens

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In Köln ist Karneval. Eine Zeit, in der man als Kölscher Jeck auf alles Mögliche gefasst sein muss. So verwundert es kaum, dass Louisa Manu ausgerechnet bei einem Umzug ein totes Funkenmariechen buchstäblich vor die Füße fällt. Und genauso wenig erstaunt es den Leser, dass die hobbymäßig ermittelnde Floristin mit eigenem Laden ihre Nase in die Lösung des Falles steckt und versucht mitzumischen. Trotz der Warnungen ihres Lebensgefährten Josh Rispo, sich nicht einzumischen, kann sie es eben einfach nicht sein lassen. Ganz „nebenbei“ muss sie sich auch noch mit Trudis Blitzhochzeit beschäftigen, ihre schwangere Schwester dazu bewegen, den Kindsvater von seinem Glück zu unterrichten und den Frieden in der Familie Rispo wieder herstellen. Lou hat also als Käse verkleidet allerhand zu tun und kommt nicht zum Feiern.

Meine Meinung:

Ich kannte bislang keinen der Louisa Manu Bände, bin aber trotzdem gut in die Geschichte hineingekommen. Die Autorin hat immer wieder Hintergrundhinweise platziert, sodass man sich schnell und gut zurechtfindet. Der leichte, lockere Schreibstil führt den Leser unterhaltend durch die Ermittlungen, wobei Lou allerhand Missgeschicke widerfahren. Die waren, mir vor allem im ersten Teil, manchmal ein wenig zu viel Slapstick. Andererseits traue ich den kölschen Jecken viel zu. Auch die peinlichen Fettnäpfchen und tollpatschig wirkenden Schlamassel, in die sich Lou immer wieder selbst hineinmanövriert.

Der Autorin gelingt es trotz allem einen Spannungsbogen aufzubauen und zu halten und ihre Leser in die Irre zu führen. Denn den oder die TäterIn hatte ich nicht auf dem Schirm. Das Ende hat mich überrascht.

Die Charaktere sind gut ausgearbeitet und bildhaft beschrieben, man kann sich die Protagonisten und Situationen sehr gut vorstellen, lebt in der Geschichte regelrecht mit und fühlt sich zugehörig. Ganz so, als ob man an Lous´ Seite stünde.

Mit dem rheinländischen Karneval kann ich persönlich nicht so viel anfangen. Ich bin eher in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht bewandert. Trotzdem habe ich durch die Erzählung einiges erfahren, was mich erstaunt hat. Ich wusste beispielsweise bislang nicht, dass es eine Nubbelverbrennung gibt, die der süddeutschen Fastnachtsverbrennung ähnelt.

Fazit:

Einerseits war mir die Situationskomik etwas zu heftig und übertrieben, andererseits ist das Buch aber gerade deshalb lesenswert. Saskia Louis beweist, dass ein Krimi nicht immer von bierernst und düster dreinblickenden Ermittlern erzählen muss. Lou, die ermittelnde Blumenhändlerin, erinnert in vielen Passagen an die gute alte Miss Marple. Und wenn ich jetzt auch nicht schallend gelacht habe, für ein Schmunzeln hat es bei mir immer gereicht.

Meine Leseempfehlung:

Wer auf Cosy Crime mit Agatha Christie Anstrich steht, ist bei Saskia Louis´ Geschichte über Louisa Manus Erlebnisse gut aufgehoben. Es ist von allem ein bisschen vorhanden: Es gibt eine Leiche, polizeiliche Ermittlungen, Spannung mit humorvollem Augenzwinkern und Lokalkolorit.

Einen Stern Abzug gibt es von mir lediglich für die etwas übertriebenen Slapstick Aktionen. Aber die sind subjektiv zu sehen und reine Geschmackssache.

Das Buch „Mordsmäßig angetrunken “ von Saskia Louis  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Was wäre wenn …

Jesus wieder auferstehen würde?

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Was wäre, wenn Jesus wieder auferstehen würde? Wenn es einem Molekularbiologen gelänge, aus dem Turiner Grabtuch DNA zu isolieren und daraus einen Klon zu erschaffen? Ein Kind, das die Gene von Jesus Christus besitzt?

Würde es die religiösen Eiferer auf den Plan rufen, die partout an eine Wiedergeburt Christi glauben und das Kind, das geklont wurde, anbeten würden? Oder würden die Ungläubigen, die Gegner christlicher Glaubensrichtungen auf den Plan gerufen? Und wie würde sich wohl die Kirche verhalten? Wäre, sollte es tatsächlich einen neuen Jesus Christus gehen, das Kind in Gefahr? Könnte es Wunder wirken, wie sie Jesus Christus vor mehr als 2000 Jahre zuerkannt wurden? Und bräuchte man dann überhaupt noch einen Papst, der als irdischer Stellvertreter Christi eigentlich seine Daseinsberechtigung verlöre?

Thomas Kowa hat sich des Themas angenommen und es aus diversen Blickwinkeln beleuchtet. Gleichzeitig hat er die Geschichte in das straffe Korsett eines Thrillers gepackt, das dennoch viel Freiraum für Fantasie und eigene Ideen lässt.

Kowa erzählt von einem Wissenschaftler, der dem Jesuitenorden angehört und Teile des Turiner Grabtuchs auf mögliche DNA-Spuren untersucht. Er kommt jedoch nicht mehr dazu, sein Ergebnis zu veröffentlichen. Vorher wird er umgebracht. Er erzählt von einem Molekularbiologen, dem es gelungen sein soll, einen Klon aus der DNA des Grabtuches zu entwickeln. Ein Kind, das mittlerweile zwei Jahre alt ist. Er erzählt von einem Sensationslüsternen Reporter, der in der Story die Chance seines Lebens wittert und hofft, endlich anerkannt und berühmt zu werden. Dass er nur benutzt wird, merkt er nicht. Nicht zuletzt erzählt er von einem Kommissar, der gemeinsam mit seiner neuen Partnerin versucht, den Mord am Wissenschaftler aufzuklären und dabei einen Sumpf von Intrigen und Machtmissbrauch freilegt.

Meine Meinung:

Die Charaktere hat er ganz gut beschrieben, wobei mir bei dem Einen oder Anderen die Tiefe fehlt. Andererseits ist die genauere Betrachtung der Psyche der Protagonisten nicht unbedingt erforderlich. Dem Roman fehlt deshalb nichts.

Der Showdown ist ein bisschen wirr und unübersichtlich geraten. Und vielleicht auch ein bisschen sehr unrealistisch. Man darf aber nie vergessen, dass es sich bei Thrillern um Fiktionen handelt. Um Geschichten, die ruhig auch mal etwas übertrieben oder unrealistisch sein dürfen.

Fazit:

Der Thriller birgt ein großes Maß an Brisanz. Das Motiv hat auch über die Jahrtausende nichts an seiner Aktualität verloren. Kowa versteht es, heikle Themen verständlich und doch spannend an seine Leser zu vermitteln. Den Spannungsbogen hält er dabei von Anfang an auf hohem Niveau.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung. Das Thema ist so brisant wie aktuell, spricht sowohl die gläubigen Christen als auch Agnostiker an und bringt einen zum Nachdenken.

Das Buch „Todesgelübde “ von Thomas Kowa wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Hass, Morde, Mobbing und schwierige Charaktere

Moorgrab von Eva-Maria Silber

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Die Story:

Der junge Lukas Bauer untersucht mithilfe eines Angler Sonars das Tote Moor des Steinhuder Meers. Er hofft darauf, ein Rätsel zu lösen, das ihn schon länger beschäftigt. Doch bevor er das gewünschte Ergebnis bekommt, wird er mit einem Kopfschuss getötet.

Kriminalhauptkommissar Torben Montag und die junge Beamtin Effi Lu, die gemeinsam die Cold Case Unit Hannover bilden und alte nie aufgeklärte Fälle lösen sollen, kommen als erste an die Fundstelle. Bald darauf trifft auch Karen Austerlitz vom LKA ein, die den Tod des jungen Mannes aufklären soll. Effi Lu, die niemand ernst nimmt, entdeckt das Angler Sonar und löst damit eine weitere Suche im Moor aus. Gefunden werden zwei Fahrzeuge, beide sind im Kofferraum mit Steinen vollgepackt, in den Autos sitzen einmal zwei und einmal drei Leichen. Die Fahrersitze sind allerdings leer, die Leichen wurden vor ihrem Tod gefesselt. Alles deutet auf Jahrzehnte alte Morde hin.

Somit ergibt das Szenario einen Ermittlungsansatz für das LKA im Fall Lukas Bauer und einen im Fall der Moorleichen für die Cold Case Unit. Dass beides zusammenhängen muss, wird schnell klar. Dennoch gestaltet sich die Zusammenarbeit der beiden Einheiten mehr als schwierig. Denn Karen Austerlitz ist eine verflossene Liebschaft des Weiberhelden Montag, der die Beziehung vor Jahren einfach durch einen Abgang beendet hat. Doch Montag hat nicht nur mit der LKA-Beamtin zu kämpfen. Seine früheren Kollegen, seine Frau, die sich von ihm getrennt und sein Konto geplündert hat und sogar der frühere Dienststellenleiter machen ihm das Leben schwer. Das Ermittlerteam des LKA mobbt ihn, indem er nur als Monday angesprochen und bei jedem Zusammentreffen mit der gepfiffenen Melodie von „I don’t like Mondays“ der Gruppe The Boomtown Rats begrüßt wird.

Effi Lu wird erst gar nicht ernst genommen, nur belächelt. Mit gerade mal 1,63 Metern Körpergröße hat sie die Mindestgröße für den Polizeidienst gerade so erreicht, sie ist schüchtern und unscheinbar. Ihr werden sämtliche Kompetenzen abgesprochen.

Die beiden sind Außenseiter, mit denen niemand zusammenarbeiten will. Selbst Montag lehnt seine neue Partnerin anfangs ab. Doch sie hat einen sehr wachen Verstand und eine gute Kombinationsgabe. Die beiden wachsen zu einem Team zusammen und kommen bei der Lösung des Falles dem Täter auf die Spur.

Meine Meinung:

Der Schreibstil von Eva-Maria Silber hat mir ganz gut gefallen. Die nicht gerade einfachen Charaktere der Protagonisten sind gut ausgearbeitet, lassen den Leser zwischen Abneigung, Mitleid und Anerkennung schwanken. Das Thema Mobbing hat die Autorin meiner Meinung nach sehr gut eingearbeitet. Einige Rezensenten finden das beschriebene Verhalten der Kriminalbeamten zu dick aufgetragen. Doch leider ist Mobbing in allen Bereichen und auch bei der Polizei mittlerweile Alltag. Warum also dieses Verhalten nicht aufgreifen und die Leser dazu bringen, eigenes Benehmen oder das von Kollegen zu reflektieren?

Mich hat etwas ganz anderes gestört. Torben Montag bekommt den Spitznamen „Monday“ verpasst. Die Autorin wechselt ständig zwischen den beiden Namen. Das irritiert. Besser wäre: Im Verlauf der Erzählung bei Montag zu bleiben und immer, wenn er angesprochen wird, Monday zu verwenden. So ist der Gebrauch unkoordiniert und besonders anfangs verwirrend.

Dem Täter war ich schon recht früh auf der Spur. Allerdings wollte ich die Hintergründe wissen, die jemanden dazu bringen, Menschen umzubringen. Die, zusammen mit dem Showdown, waren mir dann aber doch zu konstruiert und an den Haaren herbeigezogen. Das hätte sich vielleicht auch anders lösen lassen.

Fazit:

Im Großen und Ganzen hat mir der Plot gut gefallen. Eva-Maria Silber erzählt unterhaltend, den Spannungsbogen zieht sie schon früh hoch und hält ihn auch bis zum Schluss. Das Verhalten der einzelnen Figuren ist nicht immer nachvollziehbar. Sei es die Alkoholsucht des Kommissars, Effi Lu’s Alleingänge oder der übertriebene Hass, mit dem Karen Austerlitz ihrem ehemaligen Liebhaber begegnet. Aber es sind eben schwierige Charaktere, die hier aufeinandertreffen.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es vier Sterne. Der Plot ist spannend, der Leser bekommt einen guten Einblick in das Privatleben der Protagonisten, was so manche Verhaltensweisen erklärt. Das Thema Mobbing ist meines Erachtens gut und deutlich ausgearbeitet und regt zum Nachdenken an. Den einen Stern ziehe ich für die konstruierte Mordursache und den etwas an den Haaren herbeigezogenen Showdown, sowie für die ständigen Wechsel zwischen Nachnamen und Spitznamen des Hauptkommissars, also zwischen Montag und Monday, ab.

Das Buch „Moorgrab “ von Eva-Maria Silber wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannend trotz kleiner Schwachstellen

Ein traumatisierter Ex-Kommissar ermittelt auf eigene Faust

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Ein zutiefst traumatisierter Oberkommissar kündigt seinen Job bei der Kripo, kauft sich einen alten Bauernhof an der Nordsee, um dort zur Ruhe zu kommen. Doch er ist noch nicht einmal richtig eingezogen, hat die Kartons noch nicht ausgepackt, da wird er von seiner Nachbarin gebeten, ihrer Freundin zu helfen. Deren Sohn wurde verhaftet. Er soll seine Freundin, die Tochter eines der reichsten Männer Deutschlands umgebracht haben. Der junge Mann gesteht die Tat auch. Allerdings fehlt die Leiche, die auch nach tagelanger Suche in der Nordsee nicht gefunden wird. Lukas Waldauf stürzt sich in die Lösung des Falles, glaubt nicht an die Schuld des jungen Tatverdächtigen. Damit steht er allerdings ziemlich allein da.  Bei den Eltern des Opfers läuft er gegen eine Wand, wird von den zuständigen Polizisten abgewiesen und gerät ins Visier von Unbekannten, die ihn bedrohen.

Meine Meinung:

Lukas Waldauf ist ein Charakter, der es dem Leser nicht leicht macht, ihn zu mögen. Wortkarg, zerrissen, verstört – so zeigt er sich seiner neuen Nachbarin. Kein Wunder er hat auch Schlimmes erlebt, wurde bei seinem letzten Einsatz schwer verletzt, sein Leben konnte gerade noch so gerettet werden, während eine junge Zeugin, die unter seinem Schutz stand, brutal ermordet wurde. Seither hat er nicht nur psychische Probleme, seine Leistungsfähigkeit ist durch die beschädigte Lunge auch stark eingeschränkt.

Dennoch zeigt sich, dass er im Grunde ein gutherziger Mensch ist. Er arbeitet pro Bono – also ohne Honorar zu verlangen. Eigentlich wollte er auch nur Erkundigungen einziehen. Die Angelegenheit entwickelt sich jedoch schnell zu einem ausgewachsenen Fall.

Seine neue Nachbarin Anke hat es Waldauf angetan. Er ist allerdings noch nicht bereit, sich auf eine Beziehung einzulassen. Zu tief sitzt der Tod der jungen Frau, für den er sich verantwortlich fühlt, den er sich nicht verzeihen kann. Er leidet unter Alpträumen, die mir ein bisschen zu viel sind. Dass er immer wieder von diesen Erlebnissen im Schlaf heimgesucht wird, ist verständlich, doch bekommen sie meiner Meinung nach zu viel Raum in der Geschichte. Das waren Stellen, die ich dann irgendwann ausgelassen habe. Man hätte sich auch kürzer fassen und andeuten können. Im Grunde ist es immer wieder derselbe Traum – lediglich in Feinheiten unterschiedlich. Sie tragen zur Lösung des Falles nicht bei, beschreiben lediglich den Grund für seine psychischen Probleme.

Trotzdem finde ich, ist dem Autor gelungen, den Charakter des Protagonisten sehr gut herauszuarbeiten, wobei er tief in die Psychologiekiste gegriffen hat. Nicht negativ und auch nicht in Richtung Schizophrenie. Aber die Verarbeitung einer posttraumatischen Belastungsstörung hat er gut beschrieben. Wobei Anke die Rolle der Psychiaterin übernimmt, die sie aber gar nicht ist. Sie hat einfach ein gutes Feeling, bedrängt ihn nicht, lässt ihm den Freiraum, den er braucht, ist aber immer für ihn da.

Was die Lösung des Falles angeht, muss ich sagen, dass ich schon früh auf die Variante gekommen bin, die sich dann am Ende auch darstellt. Für mich war es die logische Folge des beschriebenen Ablaufs und der Hintergründe. Trotzdem war es interessant zu beobachten, wie Waldauf bei seinen Bemühungen immer wieder aufläuft, weil ihm keiner glauben will.

Leider gibt es lose Enden, es ist nicht alles komplett durcherzählt. Da gibt es beispielsweise Angriffe auf Waldaufs Leben, die er mit seinem früheren Fall, bei dem er verletzt wurde in Verbindung bringt. Zumindest sieht er darin eine Möglichkeit. Was aber tatsächlich dran ist, erfährt der Leser nicht. Schade.

Mit dem Titel bin ich irgendwie nicht glücklich geworden, wobei ich das noch nicht einmal näher begründen kann. Ich finde einfach, er passt nicht so richtig.

Fazit:

Ich bin etwas zwiegespalten. Der Fall ist spannend, die Charaktere sind auch gut ausgearbeitet. Aber wie gesagt: Waldauf macht es dem Leser nicht leicht, ihn zu mögen. Andererseits macht das auch wieder die Geschichte aus. Die Alptraumszenen könnte man kürzen. Am Ende wird es meiner Meinung nach etwas unlogisch. Man könnte es auch umständlich nennen. Ich habe mich gerade im Showdown gefragt, warum er nicht einfach … nein, das verrate ich hier nicht. Das wäre spoilern und das möchte ich nicht. Ich hätte jedenfalls anders reagiert, die einfachere Lösung bevorzugt und damit Stress rausgenommen. Aber dann wäre die Spannung verloren gegangen.

Meine Leseempfehlung:

Trotz meiner Anmerkungen kann ich das Buch nur empfehlen. Einen Stern Abzug gibt es für die die losen Enden und die Alpträume, die mir definitiv zu viel waren. Die Tatsache, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage durchhatte, zeigt, dass mich die Story gefesselt hat. Ich wollte einfach wissen, wie sie endet.

Das Buch „Mordseegrab “ von Andreas Temmer  wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein Pageturner par Excellence

Spannender Thriller mit Aufklärung über Locked In Syndrom

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Ein Serienmörder treibt in London sein Unwesen, hinterlässt verstümmelte, ausgeweidete Frauenleichen. Die Taten erinnern an Jack the Ripper und dessen Imitator Putney Slasher, der vor sieben Jahren gefasst wurde. Ist der Täter ein Trittbrettfahrer? Oder wurde vor sieben Jahren mit Armstrong womöglich der Falsche verhaftet? Das wäre fatal, denn der Mann wurde von einem Polizeibeamten angeschossen und liegt seither bei vollem Bewusstsein in einem komplett gelähmten Körper, einem Zustand, der auch Locked In Syndrom (LIS) genannt wird. DI Olivia Jenner, die damals bei der Verhaftung dabei war, hat der Fall nie in Ruhe gelassen. An den Ermittlungen nach der Verhaftung war sie familiär bedingt nicht beteiligt gewesen. Deshalb glaubt sie nicht an die Schuld des damaligen Verdächtigen und will den Slasher, von dem sie annimmt, dass er wieder aktiv geworden ist, schnappen. Unterstützung erhält sie von Professorin Susanna Madueke, einer Spezialistin für das LIS, die versuchen will, einen Kommunikationsweg zu schaffen. Die beiden Frauen geraten immer mehr ins Ziel des Täters.

Meine Meinung:

Für mich war der Roman ein wahrer Pageturner. Ich konnte das Buch kaum aus den Händen legen. Jede freie Minute habe ich mich in den Fortgang der Story vertieft.

Matthias Ernst versteht es seine Leser, in leicht lesbarem Schreibstil zu fesseln. Und zwar von Anfang an. Die Charaktere der beiden starken Frauen hat er sehr fein nachgezeichnet, hat die familiären Umstände aufgezeigt, die beide meistern müssen – Olivia, die vom Fall des Putney Slashers regelrecht besessen ist und in ihrem Drang, den Fall zu lösen, ihre Familie vernachlässigt und ihre Ehe aufs Spiel setzt und Susanna Madueke, die Professorin, die als alleinerziehende Mutter zweier Kindergartenkinder, die ständig in Zeitnot auf die Hilfe ihrer stets nörgelnden Mutter angewiesen istund die außerdem um ihre Professur an der Uni bangt.

Auf der anderen Seite ist Olivias ehemaliges Team bei der Mordkommission, das Olivias Hinweise ignoriert und abwiegelt. Selbst der Dienststellenleiter lässt nichts auf die Kollegen kommen. Marcus Harrison, der den Verdächtigen damals angeschossen hatte, möchte den Fall gar nicht erst mit dem Slasher in Verbindung binden. Schließlich hatte die Verhaftung des vermeintlichen Täters seiner Karriere einen ansehnlichen Schub eingebracht.  

Dass die beiden Frauen einen Kontakt zu Armstrong finden, kann verraten werden. Aber ist er wirklich der liebenswürdige, Haiku-dichtende junge Mann, als den die beiden ihn kennenlernen? Mit der Zeit wird eine perfide Geschichte aufgedeckt, die auf ein überraschendes und erschreckendes Ende hinführt.

Interessant fand ich die Beschreibungen des LIS, von dem ich bisher noch nie gehört hatte. Bislang kannte ich nur Wachkoma. Dass es Möglichkeiten gibt, mit Menschen, die in ihrem Körper eingeschlossen sind, Kontakt aufzunehmen ist für mich absolut fesselnd.

Fazit:

Mein Kompliment an den Autor. Das komplexe Thema hat er nicht nur super recherchiert, sondern in einem fesselnden Thriller verpackt gut verständlich und spannend vermittelt, sodass es am Ende jeder verstehen kann. Die Spannungsbogen hält von Anfang bis Ende an, sodass der Leser unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Meine Leseempfehlung:

Für Freunde des Thriller-Genre ein absolutes Muss. Für zartbesaitete Menschen sind die Beschreibungen der Mordopfer vielleicht zu blutig, wobei ich sie als begeisterter Thriller-Fan nicht so schlimm finde. Die Taten selbst werden in ihrer Ausführung nie beschrieben, immer nur das Ergebnis.

Das Buch „Die Professorin “ von Matthias Ernst wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.