Ein Spiel gerät außer Kontrolle

Eigentlich sollten es nur Streiche sein

Die Geschichte:

Zehn Jahre sind vergangen, seit Psychologin Svea im letzten Schuljahr vor dem Abitur mit ihren Freunden ein Spiel gespielt hat, das mit dem Tod eines Mädchens geendet hat. Eigentlich hatten sich die damals Jugendlichen nur gegen Mobbing zur Wehr setzen wollen. In regelmäßigen Abständen hatten sie sich in einem alten Farmhaus getroffen, um bei einem Kartenspiel eine sogenannte Rachekarte auszuspielen. Wer die Karte bekam, durfte sich mit einem Streich an demjenigen rächen, der sie oder ihn gemobbt hatte. Ein Spiel ging allerdings schief. Zehn Jahre lang hat Svea versucht, die Ereignisse von damals zu vergessen. Bis sie eine Sprachnachricht von ihrer Schulfreundin Rachida, die ebenfalls zur Gruppe gehörte, erhält. Eine Nachricht, die nichts Gutes verheißt. Zumal Rachida plötzlich verschwindet. Die Gruppe wird von einer unbekannten Person ins alte Farmhaus eingeladen und gezwungen, das Spiel noch ein Mal zu spielen.

Mein Eindruck:

Die Autorin hat mich von Anfang an gefesselt und in die Geschichte hineingezogen. Schon der Prolog ist spannend und reizt dazu weiterzulesen, so dass ich den Roman kaum aus den Händen legen konnte. Ich habe mit den einzelnen Figuren gelitten, konnte die Reaktionen von Karli, die eigentlich Charlotte heißt, nicht nachvollziehen, hatte Mitleid mit deren Zwillingsbruder Raik sowie Anton, die beide immer wieder Opfer von Tanjas fiesen Mobbingattacken wurden, und habe tiefstes Misstrauen gegen Jeremias gehegt. Dabei ist die Auflösung eine logische Folge der Ereignisse. Der Mörder ist eigentlich schon früh zu erkennen. Wenn man eben ganz logisch und psychologisch denkt. Dazu lässt einen die Autorin aber gar nicht erst kommen. Zu schnell folgen die Ereignisse aufeinander, zu leicht lässt man sich vom Offensichtlichen ablenken.

Interessant ist der Zeitenwechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart der einzelnen Kapitel, die im Grunde aufeinander zulaufen und immer wieder ein Stückchen der Geschichte enthüllen – bis es zum dramatischen Showdown kommt.

Die Charaktere hat Juna Kristensen sehr gut ausgearbeitet, wobei sie Entwicklungen, die die einzelnen Protagonisten im Verlauf der zehn Jahre und ihrer Ausbildung gemacht haben, einbezogen hat.

Die Erzählweise der Autorin ist im Großen und Ganzen sehr angenehm, lässt sich gut lesen und ist wie gesagt sehr fesselnd. Nur mit einer Art habe ich ein Problem. Ich mag es nicht, wenn ein Nebensatz kein Personalpronomen enthält. Als Beispiel:
Die blickte ihr entgegen, doch konnte sich nicht rühren.
Um zwölf begehrte sie ein weiteres Mal auf, aber erhielt die gleiche Antwort.
In der Umgangssprache würde man, glaube ich zumindest, nicht so sprechen.
Für mich würden die Sätze heißen:
Die blickte ihr entgegen, doch sie konnte sich nicht rühren.
Um zwölf begehrte sie ein weiteres Mal auf, aber sie erhielt die gleiche Antwort –
oder …, sie konnte sich aber (jedoch) nicht rühren; respektive: … , sie erhielt aber die gleich Antwort.

Laut Duden ist die Schreibweise der Autorin zwar richtig, aber wie gesagt ich finde sie steif.

Das ist aber tatsächlich das Einzige, das ich bemängeln kann.

Fazit:

Juna Kristensen hat mit Rachemeer in der Neuauflage von Rachekarte einen sehr spannenden, psychologisch ausgefeilten Thriller veröffentlicht, der an der Nordsee spielt. Die Atmosphäre der Küste im trüben und nieseligen Herbst wird super vermittelt. Beim Lesen kann es einen richtig frösteln – ob von der Beschreibung des Nordseewetters oder von den Ereignissen, muss jeder selbst erkunden.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es viereinhalb Sterne. Der Thriller ist absolut lesenswert. Der halbe fehlende Stern ist der oben geschilderten Schreibweise geschuldet.

Das Buch „Rachemeer“ von Juna Kristensen wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein Diamant, der Leben fordert

Ein neuer spannender Fall für Sebastian St. Cyr

Die Geschichte:

Sebastian St. Cyr wird in seinem neuen Fall gebeten, in einem Mordfall zu ermitteln. Das Opfer: Daniel Eisler, berüchtigter Diamantenhändler mit Kontakten in die obersten Gesellschaftskreise. Verschwunden ist ein großer äußerst seltener blauer Diamant.  Russel Yates der, über die Leiche gebeugt angetroffen wurde, wird als Mörder festgenommen. Somit scheint der Fall gelöst. Allerdings hat Sebastian da so seine Zweifel. Der Gatte seiner früheren Geliebten Kat war in seinem früheren Leben zwar ein berüchtigter Freibeuter, dennoch scheint Sebastian die Lösung des Falles zu einfach zu sein. Bis Sebastian allerdings den wahren Mörder entlarvt hat, lassen einige Menschen ihr Leben.

Mein Eindruck:

Dies war der zweite Band der Serie, den ich gelesen habe. Und auch in diesem Roman erzählt C. S. Harris einen spannenden Krimi, der interessante Einblicke ins Leben des frühen 19. Jahrhunderts gibt, was mir besonders gut gefällt. Mal sind es wie im vorangegangenen Teil die französischen Kriegsgefangenen, die sich auf Ehrenwort frei bewegen durften, mal Besonderheiten wie das Priesterloch, das in diesem Band vorkommt, die erklärt werden.

Allerdings fand ich den Plot in seiner Komplexität etwas verwirrend und stellenweise anstrengend zu lesen. Zum einen ist es die Geschichte um die Herkunft und die Besitzverhältnisse des blauen Diamanten, die bis zu Napoleon reichen, zum anderen die vielen Figuren, die nur sporadisch auftauchen.

Sebastians Frau Hero hilft auch in diesem Fall wieder mit, des Rätsels Lösung zu finden. Und auch in diesem Roman wieder durch die Bekanntschaft einer interessanten Persönlichkeit. Gleichzeitig recherchiert sie im Umfeld der Kinder aus der Schicht der armen Londoner, die sich als Straßenkehrer den Unterhalt für sich und ihre Familien verdienen.

Interessant sind kleine Nebenschauplätze wie das sogenannte Priesterloch und das Leben der kleinen Straßenkehrer, die auch noch andere Arbeiten übernehmen.

Der Schreibstil der Autorin ist angenehm, eingängig und unterhaltsam zu lesen. Die Charaktere hat sie wieder sehr fein ausgearbeitet, wobei die Entwicklung der einzelnen Personen schlüssig geschildert und gut zu verfolgen ist.

Der Titel hat sich mir nicht so ganz erschlossen. Wohl der Londoner Ortsteil Aldgate, weniger aber der Wolf. Den konnte ich irgendwie nicht so richtig zuordnen.

Fazit:

Für Freunde historischer Kriminalromane, die im Groß Britannien des 19. Jahrhunderts spielen, sind die Geschichten um Sebastian St. Cyr in jedem Fall empfehlenswert.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es hier vier Sterne. Einen habe ich für die Komplexität abgezogen, die mir ein bisschen zu viel war.

Das Buch „Der Wolf von Aldgate“ von C. S. Harris wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Ein unerwartetes Erbe und geheime Machenschaften

Die Geschichte:

Die junge Sportstudentin Juliana hat geerbt. Eine Villa nebst großem Weingut in der Toskana soll sie jetzt ihr Eigen nennen dürfen. Vermacht hat ihr das Anwesen ihr Onkel, der Bruder ihres Vaters, den sie aber so gut wie nie gesehen hat. Der allerdings hatte auch drei Kinder, die durch die Erbschaft obdachlos und arbeitslos werden. Es sei denn, Juliana zeigt sich großzügig. Die Sportstudentin wiederum, die äußersten Wert auf ihren durchgestylten Körper legt, weiß gar nicht, wie sie zu der Erbschaft kommt und wie sie damit umgehen soll. Vom Weinbau hat sie keine Ahnung und ihr Ziel liegt eher in einem Sportgeschäft in Deutschland als im toskanischen Weinberg. Doch bei ihrem Besuch in der Villa Verbena kommt sie nicht nur in Gefahr, sie erfährt auch, worin ihr Trauma gründet, das sie seit ihrer Kindheit belastet und das sie sich bislang nicht erklären konnte. Es hängt mit mysteriösen Machenschaften ihrer Verwandten zusammen.

Mein Eindruck:

Der Plot an sich gründet auf einer guten Idee und ist soweit auch ganz gut durchdacht und beschrieben. Die Einführung im ersten Kapitel war mir allerdings zu langatmig. Da hätte ich schon fast aufgegeben. Nur langsam entwickelt sich die Geschichte, in der Juliana von allen Seiten im Dorf Dormia Abneigung und Hass entgegenschlagen. Selbst ihr Cousin und seine beiden Schwestern benehmen sich ihr gegenüber seltsam.

Auf die Charaktere hätte Barbara Büchner etwas genauer eingehen können. Da fehlt mir ein bisschen Tiefe.

Beim Lesen durchzuhalten hat sich dann aber doch gelohnt. Gegen Ende wird es spannender und die Abgründe, in die nicht nur Julianas Onkel verstrickt war, sind erschütternd. Zumal das Thema, das die Autorin aufgegriffen hat, tatsächlich existiert. Selbst in unserer Region gab es einen Fall von … nein ich verrate hier lieber nicht, worum es geht. Es hat in jedem Fall mit Tierquälerei und Mord zu tun.

Fazit:

Das Grundthema des Romans rüttelt auf und lässt über den Umgang, den manche mit Menschen und Tieren haben, nachdenken. Allerdings hätte das Ganze spannender gestaltet werden können. Gelungen ist der Autorin die Beschreibung des Lokalkolorits. Sei es der cholerische Weinbauer, der lethargische Polizist, der das als typisch italienische Polizistenart bezeichnete Abwimmeln mit Inbrunst zelebriert, die Dottoressa, die Dorfärztin, die sich loyal gibt und gutgemeinte Ratschläge erteilt oder der Rechtsanwalt, der mit allen Wassern gewaschen versucht, die Erbin über den Tisch zu ziehen – sie bedient hier Klischees, die für Menschen, die diesen Personen nicht ausgesetzt sind, von außen betrachtet durchaus als liebenswert erscheinen könnten.

Was mir nicht gefallen hat, ist der Schreibstil. Im Text finden sich zu viele Fremdwörter, die sogar ich nachschlagen musste. Und ich kenne viele Fremdwörter. Ich bin Verfechterin der einfachen Sprache in Büchern, die in allen Gesellschaftsschichten gelesen werden. Bei Fachbüchern sieht das anders aus.

Leseempfehlung:

Drei Sterne. Zu mehr reicht es bei mir nicht. Teilweise gibt es Beschreibungen, die für sensible Leser nicht geeignet sind. Ansonsten plätschert mir die Story zu sehr vor sich hin.

Das Buch „Tödliche Villa Verbena“ von Barbara Büchner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Bigotte gesellschaftliche Akzeptanz von Prostitution

Die Geschichte:

Kommissarin Franziska Frey wird kurz vor Weihnachten zu einem brutalen Überfall auf einen netten älteren Steuerberater gerufen. Zumindest wird er so von allen, die ihn kannten, beschrieben. Franziska und ihr junges, noch nicht eingespieltes und unerfahrenes Team, das sich zusammenfinden muss, nehmen die Ermittlungen auf, die rasant an Brisanz zunehmen. Was sie enthüllen, ist ein Moloch von Prostitution, Versklavung, Vergewaltigung und Mord. Mittendrin Richard Erdmann, der alles daransetzt, seine Tochter Antonia aus den Klauen der mafiösen Zuhälterstrukturen zu retten.

Mein Eindruck:

Ich habe erst einmal fast zwei Tage gebraucht, bevor ich das nächste Buch anfangen konnte zu lesen. Die in Seelenkalt beschriebenen Szenen haben mich doch sehr beschäftigt. Zumal sie nicht unbedingt weit hergeholt sind. Man muss nur mal die Nachrichten oder die Berichterstattung und Reportagen aus dem Rotlichtmilieu verfolgen.

Eva Geßner hat mit ihrem Roman die Bigotterie der gesellschaftlichen Akzeptanz des Rotlichtmilieus aufgegriffen. Den meist von Männern gehegten bequemen Irrglauben, die Frauen würden sich freiwillig prostituieren und den Männern gern zu Willen sein. Der Blick hinter die Kulissen, den die Autorin hier gibt, ist sehr gut gelungen und mehr als verstörend.

Die Charaktere hat sie sehr fein und detailliert ausgearbeitet. Mit der alten Dirne und einem Zuhälter, die im Kölner Dialekt sprechen, hat sie auch viel Lokalkolorit eingebracht und den Roman dadurch authentisch gestaltet.

Die Autorin hat einen sehr angenehmen Schreib- und Erzählstil, der von Anfang an mitreißt. Der Spannungsbogen wird schon gleich mit den ersten Zeilen gespannt und hält ohne Unterbrechung bis zum Ende an.

Fazit:

Chapeau! Eva Geßner hat hier ein heißes Thema aufgegriffen und so realistisch beschrieben, dass Leser beiderlei Geschlechts zum Nachdenken angeregt werden. An manchen Stellen wird es so heftig, dass einem übel werden kann. Die Polizisten, die tatsächlich im wahren Leben mit solchen Themen befasst sind, sind definitiv nicht zu beneiden. Männer, die hin und wieder oder auch regelmäßig zu Prostituierten gehen, sollte dieses Buch vor ihrem ersten Besuch als Pflichtlektüre auferlegt werden.

Leseempfehlung:

Fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung. Aber nur für Leser, die heftige Beschreibungen übelster Sexpraktiken vertragen können. Eine Trigger Warnung wäre sicherlich auch nicht verkehrt.

Das Buch „Seelenkalt“ von Eva Geßner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Pass auf, wem du vertraust

Die Geschichte:

Eine Muse ist eine Person, die einen anderen Menschen zu kreativen Leistungen anspornt oder inspiriert. Oft finden sich Musen, vor allem Frauen, im Umfeld von Künstlern. Musen werden seit der Zeit der Griechischen Mythologie als göttliche oder genialische Inspirationsquelle für Künstler genannt lautet die Definition bei Wikipedia. Leider sind die Opfer des Goethe-Mörders, wie der Täter von den Medien genannt wird, nur ein Mal Muse. Danach sind sie tot – mit verwirrenden in die Haut geritzten Versen versehen und grausam getötet. Die Polizei tappt lange im Dunkeln und ignoriert auch einen Hinweis von Literaturprofessorin Rika Hohenstedt, der ihn weiterbringen könnte.

Mein Eindruck:

Ich bin etwas zwiegespalten. Einerseits ist der Roman unglaublich gut geschrieben. Die Protagonisten sind super beschrieben. Man fühlt und leidet mit ihnen mit.

Allerdings sind einige Aktionen und Reaktionen der Charaktere für mich nicht nachvollziehbar. Welcher Polizist öffnet ein merkwürdiges Päckchen zuhause. Und dann noch ohne Handschuhe. Das macht garantiert keiner. Schon gar nicht, wenn er vorher schon den Verdacht hat, dass da was nicht stimmen könnte. Und eine Frau, die – eigentlich etwas ängstlich vom Typ her – geht nachts alleine durch einen Park nach Hause? Und wie naiv muss man sein, wenn … nein, das erzähle ich jetzt nicht. Ich will ja nichts verraten.

Nichtsdestotrotz muss ich anerkennen, dass Jana Schikorra es geschafft hat, den Spannungsbogen vom Anfang bis zum Ende hochzuhalten und am Ende eine Wendung hinlegt, die selbst erfahrene Thriller-Leser verblüfft. Aber, und hier komme ich zum zweiten Kritikpunkt, es geht gegen etwas zu sehr Schlag auf Schlag. Man muss sich schon konzentrieren, wenn man noch durchblicken will.

Fazit:

Die Autorin hat eine sehr angenehme Erzählweise, die sie in einfach zu lesendem Schreibstil zu Papier bringt. Die Geschichte fängt auch schon gleich im Prolog spannend an und bringt einen dazu, immer „nur noch ein Kapitel“ zu lesen. Da diese recht kurz sind, ist das auch kein Problem. Allerdings kann die Nacht dadurch ziemlich kurz werden.

Leseempfehlung:

Trotz der kleinen Anmerkungen empfehle ich das Buch an alle, die Thriller mögen und kein Problem mit grausigen, blutigen Szenen haben, weiter. Von mir gibt es viereinhalb Sterne.

Das Buch „Musentod“ von Jana Schikorra wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Spannend mit unerwartetem Ende

Die Geschichte:

Monty Richards ist ein Bestsellerautor oder besser gesagt: Er war es. Bis er bei einem Bombenattentat auf ein Pariser Hotel ums Leben kam. Seine Tochter Audrey arbeitet in dem Verlag, der die Bücher ihres Vaters verlegt hat. Eines Tages kommt ein Roman in den Handel, dessen Story ihr seltsam bekannt vorkommt. Ihr Vater hatte ihr diesen Plot einmal als Idee präsentiert. Der Autor wird als zweiter Monty Richards gefeiert.  Doch Audrey glaubt nicht an einen Ideenzwilling. Zu viele Details des Romans ähneln denen, die ihr Vater verarbeiten wollte. Audrey macht sich auf die Suche, erlebt dabei eine böse Überraschung und gerät in Lebensgefahr. Unerwartete Hilfe bekommt sie durch ihren Kollegen Brian.

Mein Eindruck:

Der Roman beginnt mit einem Alptraum, der zeigt, wie sehr Audrey mit dem Tod ihres Vaters zu kämpfen hat. Langsam baut sich danach die Geschichte und damit auch der Spannungsbogen auf. Dabei werden weitere Protagonisten ganz selbstverständlich ins Spiel gebracht. Beispielsweise Brian, der Kollege, der sich vom Cheflektor gemobbt fühlt, Audreys beste Freundin Grace, die gerade einen tollen Mann kennengelernt hat und auf Wolke sieben schwebt, Audreys Mutter, die dem Alkohol seit dem Tod ihres Mannes mehr zuspricht, als ihr guttut und Kolleginnen im Verlag, die Intrigen spinnen.

Die Charaktere hat Nadine Stenglein sehr fein ausgearbeitet. Man fühlt von Anfang an mit Audrey und ihrer Mutter mit. Die Gefühle der Trauer und das Loch in das die beiden durch den Verlust des Vaters und Ehemanns gefallen sind, sind greifbar. Auch mit Brian, der Audrey gegenüber sehr charmant ist, der aber unter der Nichtachtung durch seinen Chef leidet, hat man gleich Mitleid. In ihrem gemeinsamen Leid finden Audrey und Brian zusammen, beginnen dabei auch eine Romanze. Die Autorin hat es sehr gut geschafft, die zärtlichen Seiten mit den spannenden zu verbinden, ohne dabei in das Genre des Schnulzenromans abzudriften oder den Spannungsbogen zu verlieren.

Dann tauchen da noch sehr seltsame, geheimnisvolle Menschen auf, die den Leser rätseln lassen. Wer könnte dahinter stecken? Was führen sie im Schilde? Dabei führt Stenglein ihre Leser immer wieder in die Irre. Immer, wenn man glaubt, einen Verdacht zu haben, schürt sie im nächsten Abschnitt schon wieder Zweifel.

Eine Idee, wer der Täter sei könnte, hatte ich schon früh, kam aber immer wieder in einen Zwiespalt. Das Ende hat mich dann aber doch überrascht. Denn mit dem Verlauf hatte ich nicht gerechnet. Zwar war meine Anfangsvermutung richtig, aber eben nicht so ganz. Da steckt dann noch viel mehr dahinter.

Der Schreibstil ist sehr angenehm, leicht und flüssig zu lesen, die Erzählweise nimmt die Leser mit und lässt sie regelrecht mit leben und erleben.

Fazit:

Nadine Stenglein hat mich mit diesem Roman von Anfang an gefesselt. Der langsame Anstieg des Spannungsbogens, der dann bis zum Schluss gehalten wird und die Geschichte, die damit auch Tempo aufnimmt, sind gefällig. Selbst beim doch beschaulicheren Anfang – nach dem Alptraum – ist in keiner Weise langweilig oder langatmig.

Die Geschichte ist in ihrem Ablauf schlüssig, Logikfehler sind mir nicht aufgefallen.

Was mir gut gefallen hat, ist, dass der Roman bis zum Showdown ziemlich unblutig verläuft. Gut, ganz am Ende, wird es dann für zartbesaitete Leser vielleicht doch etwas haarig.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es fünf Sterne. Wie gesagt: Ganz sensiblen Lesern würde ich das Buch vielleicht nicht ans Herz legen. Wer aber ein bisschen was vertragen kann, ohne daraufhin gleich eine schlaflose Nacht zu verbringen, wird seine Freude an der Geschichte haben.

Das Buch „Mädchenseelen“ von David Tappeiner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Packender Psychothriller-Krimi

Die Geschichte:

Eine grausam zugerichtete Frauenleiche wird gefunden. Das Ermittlerteam Martin Keller, Julia Beck, Li Cheung Kwok-Wing und Kriminalrat Rudolf Preiß steht vor einem Rätsel und einem Wettlauf mit dem Mörder. Denn der belässt es nicht bei dem einen Opfer.

Meine Meinung:

Stefan Zeh hat einen Thriller geschrieben, der zugleich durch die Ermittler auch in den Bereich Krimi reicht. Als Grundthema hat er sich Stalking ausgesucht. Ein Thema, das man mit all seinen Facetten und Folgen gar nicht so auf dem Schirm hat, solange man nicht direkt oder indirekt betroffen ist. Dass gestalkte Menschen besonders belastet und am Ende nervliche Wracks sind, ist bekannt und auch nachvollziehbar. Wie perfide Stalker aber vorgehen, dass sie ihren Opfern eben nicht nur an jeder Ecke auflauern und sie mit Anrufen und Briefen bombardieren, wird einem eigentlich erst so richtig klar, wenn man den Roman gelesen hat.

Besonders spannend wird die Geschichte durch die Verflechtung von drei Erzählsträngen: dem nächsten Opfer, dem Ermittlerteam und dem Täter, wobei letzterer die Entwicklung seiner Brutalität von Kindesbeinen an in Ich-Form erzählt und somit auch einen guten Blick in die Psyche gibt. Dabei hat Zeh Wendungen und Fährten gelegt, die, folgt man ihnen weiter, oftmals in die Irre oder ins Leere führen. Bis sich ein kleiner Zipfel zeigt, der dann den Beginn des Fadens zum Knoten bildet.

Die Charaktere sind absolut gelungen. Julia, die junge Kommissarin, die gerade aus der Polizeischule kommend gleich in ihren ersten Mordfall gezogen wird. Leider wird sie Martin Keller zugeordnet, der sich als absoluter Stinkstiefel erweist, der sich gern mal einen Schluck aus dem Flachmann gönnt und Julia niedermacht, wo er nur kann. Die einzige Kompetenz, die er ihr zuspricht, ist das Kaffee kochen. Gleichzeitig hat sie noch mit dem Tod ihrer Mutter zu kämpfen, der zwar schon zwei Jahre zurückliegt, sie aber immer noch belastet. Als Dritter im Bunde bildet Li den Ruhepool, der sich mit täglichen Qigong Übungen in psychischer Balance hält. Nicht zuletzt ist da noch Kriminalrat Preiß, der als einziger noch Einfluss auf Keller hat.

Wie perfide Stalker ihre Opfer manipulieren, sie vor den Ermittlern als vom Wahn getriebene, schon fast unzurechnungsfähige und nach Aufmerksamkeit suchende Simulanten erscheinen lassen, ist schon heftig.

Der Roman spielt in Stuttgart, der schwäbischen Hauptstadt Baden-Württembergs und Zehs Heimatstadt. Zeh hat es sich nicht nehmen lassen, augenzwinkernd die schwäbische Mentalität in Form eines breit schwäbelnden, kleinkarierten, peniblen typisch schwäbischen Hausmeisters in die Geschichte einzubauen. Ich habe bei der Passage herzhaft gelacht. Als Südbadnerin habe ich mit dem Dialekt kein Problem und mein Gelächter entstammt der nicht ernst gemeinten Hassliebe zwischen Badnern und Schwaben. Das Schwäbische unterscheidet sich zwar vom Badischen, gehört aber genauso zum Alemannischen Sprachbereich und hat von daher viele Parallelen. Für Nordlichter (Norden beginnt für uns ab der Landesgrenze) dürfte es aber schwierig werden. Für diese Leser hat Zeh wohlwissend eine Übersetzung der Passage ans Ende des Romans gesetzt.

Fazit:

Der Autor hat einen absolut packenden Psychothriller geschrieben, in dem er gut recherchierte Informationen zum Thema Stalking verarbeitet hat. Er führt den Leser in eine Welt, die überall um uns herum existiert und schärft damit die Aufmerksamkeit und den Blick auf Mitmenschen. Denn nicht alle Betroffenen zeigen, dass sie mit einem Stalker zu kämpfen haben. Und auch die gesetzlichen Maßnahmen gegen Stalker greifen erst, wenn es tatsächlich ernst geworden ist. Gerade deshalb sind solche Romane auch wichtig. Denn in Form eines fesselnden Thrillers lassen sich solche Informationen leichter in die Köpfe der Menschen transportieren. Vom eigenwilligen Ermittlerteam wünsche ich mir noch mehr Geschichten. Wenn’s geht immer mit einer Prise schwäbischem Humors.

Meine Leseempfehlung:

Klare fünf Sterne. Für zartbesaitete und sensible Leser ist der Stoff vielleicht etwas zu hart. Für Liebhaber gut geschriebener Thriller optimal. Wer nur auf blutrünstige Täter mit extrem dargestellten Szenen von Morden setzt, könnte nach diesem Roman ein neues Genre für sich gefunden haben.

Das Buch „Fataler Wahn “ von Stefan Zeh wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Packend und aufrüttelnd vom ersten bis zum letzten Wort

Die Geschichte:

Valerie de Crécy ist Investigativ-Journalistin, die in der TV-Sendung „Die Aufdecker“ Lügner und Betrüger enthüllt. Aktuell hat sie den Hellseher Gabriel Nexx auf dem Kieker, dem sie nachweisen will, dass seine Vorhersagen, die sogar Wissenschaftler zweifeln lassen, nur auf Betrug und Täuschung basieren. Obwohl sie erstaunlich genau zutreffen. So verkündet er beispielsweise während einer TV-Show einen Flugzeugabsturz mit 200 Toten, der sich auf die Minute genau noch im Verlauf der Sendung tatsächlich ereignet. Auch der Journalistin sagt er den Tod voraus. Bis dahin bleibt nur wenig Zeit.

Meine Meinung:

Volker Dützer hat sich für diesen Roman intensiv mit zwei Themen beschäftigt und diese perfekt zu einer atemberaubenden Story verwoben: Stalking und Datenklau bzw. Überwachung von Menschen und Manipulation von Datenträgern. Eindrücklich erklärt er, was heute schon alles möglich ist und was in naher Zukunft noch möglich sein könnte. Wie er selbst im Nachtrag erklärt, hat er bei der Neubearbeitung seines Romans, die Erstauflage kam 2007 mit dem Titel „Nexx: Die Spur“ auf den Markt, festgestellt, was sich seit damals von der Fiktion zur Realität gewandelt hat.

Auch wenn die Story der Fantasie des Autors entsprungen ist und die Personen erfunden sind, beim Lesen überkommt einen stellenweise das kalte Grausen. Vor allem bei der Vorstellung, was künstliche Intelligenz anrichten kann, wenn sie von den falschen Menschen kontrolliert wird.

Und auch das Thema Stalking mit all seinen Facetten und Folgen hat man, solange man nicht direkt oder indirekt betroffen ist, gar nicht so auf dem Schirm. Auch von daher ist der Roman äußerst interessant. Dass gestalkte Menschen besonders belastet und am Ende nervliche Wracks sind, ist bekannt und auch nachvollziehbar. Wie perfide Stalker aber vorgehen, dass sie ihren Opfern eben nicht nur an jeder Ecke auflauern und sie mit Anrufen und Briefen bombardieren, wird einem eigentlich erst so richtig klar, wenn man den Roman gelesen hat.

Dützer hat einen sehr packenden und bildhaften Schreibstil. Er zieht seine Leser vom ersten Wort an tief in die Geschichte und lässt sie nicht mehr los. Und nach dem Motto „Wenn’s noch nicht gut ist, ist es auch nicht zu Ende“, hat er seinen Roman in zwei Teile gegliedert, wobei der erste Teil auf einen traurigen Tiefpunkt zusteuert und der zweite dramatisch endet. Wie gesagt: Vom ersten bis zum letzten Wort.

Die Charaktere, die der Autor zeichnet, haben mir sehr gut gefallen. Der vordergründig charismatische, gutaussehende Gabriel Nexx, der lediglich durch seine kalte Eleganz und den stechenden Augen einen Blick in seine Psyche gibt, verschleiert so vieles, was sukzessive ans Tageslicht kommt. Valerie de Crécy ist so darauf aus, ihn bloßzustellen, dass sie wie in einem Tunnel nicht bemerkt, was um sie herum vorgeht. Und dann sind da noch Lenny Koriatis, der griechischstämmige Polizist, der Valerie helfen möchte und Sanchez, der als Hacker Zugang zu Daten und Rechnern bekommt, die für Valerie und Lenny wichtig und nützlich sind, der aber auch Zusammenhänge der künstlichen Intelligenz so erklärt, dass auch der unwissende Leser begreift, welche Möglichkeiten – gute wie schlechte – hier verborgen liegen.

Fazit:

Volker Dützer hat einen Thriller veröffentlicht, der den Leser von Anfang an packt und aufrüttelt. Im Verlauf der Geschichte legt er falsche Fährten und baut Wendungen ein, die selbst erfahrene Thriller-Leser immer wieder überraschen. Der Spannungsbogen wird durchgängig hoch gehalten, ohne übertrieben auf Action und Drama zu bauen.

Meine Leseempfehlung:

Klare fünf Sterne. Vor allem, weil der Roman auf zwei wichtige Themen aufmerksam macht und den Leser regelrecht wachrüttelt.

Das Buch „Morgen bist du tot “ von Volker Dützer wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Gefangen in einer Scheinwelt

Wo fängt Realität an aufzuhören

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Die Geschichte:

Leah und Maik sind ein junges Paar, das demnächst Nachwuchs erwartet. Weil Leah sich aber in den eigenen vier Wänden unsicher fühlt, lässt Maik eine super moderne und teure Überwachungsanlage in ihre Wohnung einbauen. Und trotzdem geschieht es. Die Wohnung wird Ziel eines Einbruchs, der allerdings ganz anders läuft, als die Einbrecher erwartet haben. Denn Maik und Leah sind an diesem Abend doch nicht, wie ursprünglich geplant, ausgegangen. Damit nimmt das Unheil und somit auch die Geschichte ihren Lauf. Leah findet sich nach einer Not-OP, die durch eine Verletzung während des notwendig wurde, in einer Reha-Einrichtung für traumatisierte Patienten wieder. Allerdings sieht sie sich selbst nur als Begleitung ihres Ehemanns Mark, der bei dem Überfall angeschossen wurde.  

Meine Meinung:

Ich habe mit Leah mitgelitten, bin mit ihr durch die Psychotherapiesitzungen gegangen, habe mich über das veränderte Verhalten ihres Ehemanns Maik gewundert, der zeitgleich mit ihr in die Traumaklinik eingewiesen wurde. Ich habe mich mit ihr gefragt, warum Maik und sie getrennte Zimmer haben und habe gleichzeitig die Erklärung der Psyhotherapeutin Dr. Reynolds begriffen und akzeptiert. Und die Autorin hat mich mit Schilderungen einer, für eine Mutter äußerst belastenden Situation und mit Leahs schwieriger Schwangerschaft an zwei Stellen im Buch erwischt und zu Tränen gerührt. Kurz gesagt: Astrid Pfister spielt in diesem Roman die gesamte Klaviatur der Gefühle – einmal rauf und wieder runter und das nie, ohne die Spannung fallen zu lassen. Zwar gibt es eine ganze Zeit, die dem Leser wie Längen erscheinen. Doch sind sie absolut nötig für den Fortgang der Geschichte. Unwillkürlich fragt man sich gegen Ende auch, was in dieser Klinikeigentlich läuft. Sind die Ärzte tatsächlich integer? Oder sind sie eher Geldgierig? Werden gar dubiose Geschäfte abgewickelt?

Die Autorin streut immer wieder Ereignisse und Gedankengänge ein, die den Leser verwirren und auf die falsche Spur bringen. Und jedesmal. wenn man glaubt, der Lösung näher gekommen zu sein, gibt es wieder einen neuen kleinen Brocken Information.

Das Buch, das nur 248 Seiten zählt, ist recht schnell durchgelesen, der Spannungsbogen hält über die ganze Zeit, wenngleich er in der Mitte des Buches etwas nachlässt. Verloren geht er nie. Am Ende steigt er wieder rasant bis zum Showdown an.

Der Schreibstil ist flüssig und unterhaltend. Es gibt keine komplizierten Begriffe oder gestelzte Sprache.

Die Charaktere hat Pfister sehr gut ausgearbeitet. Der Leser leidet tatsächlich mit Leah mit. Maik verhält sich seltsam und bleibt bis kurz vor dem Ende nebulös, Tom, ein Mitpatient, verhält sich sehr  verdächtig. Die Psychotherapeutin versucht, Leah zur Aufarbeitung ihres Traumas zu bewegen, wobei diese sich sicher ist, gar kein Trauma erlitten zu haben.

Fazit:

Astrid Pfister hat einen Thriller geschrieben, der so gut wie ohne Blut auskommt. Lediglich beim Überfall am Anfang des Romans fließt etwas Blut. Das war’s dann aber auch. Der Rest ist Psyche. Trotzdem entwickelt sich die Geschichte so spannend, dass ich das Buch in zwei Tagen durch hatte. Selbst die als Längen empfundenen Partien stellen sich am Ende als spannend heraus.

Meine Leseempfehlung:

Von mir gibt es fünf Sterne. Für alle, die zwar Thriller mögen, aber vor blutigen Szenen zurückschrecken, ist „Trauma – Niemand wird dich retten“ auf jeden Fall geeignet.

Das Buch „Trauma – Niemand wird dich retten“ von Astrid Pfister wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Absolut fesselnd aber ohne übertriebene Action

Ein Pageturner, den man gelesen haben muss

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Die Geschichte: Zwei Liebesromane, zwei weibliche übel zugerichtet Leichen – Vera Winter und ihr junger Kollege Peters müssen einen perfiden Mörder erwischen, der sich an den Liebesromanen der Autorin Julia Jaspers orientiert. Die Suche entwickelt sich zu einem kniffligen Puzzle, dessen Teile Stück für Stück ihren Platz finden. Ein dritter Roman steht vor der Veröffentlichung. Steht damit auch ein dritter Mord bevor? Zur Lösung des Falls begibt sich Vera auch selbst in Lebensgefahr.  

Meine Meinung: Ich bin wieder aufgetaucht. Zwei Tage (und Nächte) war ich untergetaucht. Jede freie Minute, von denen es nachts bekanntlich viele gibt, habe ich mich in den Roman vergraben und musste mir von meinem Mann anhören: „Du bist krank.“ Krank ist allerdings nur einer: der Mörder. Warum und was ihm fehlt, will ich hier nicht näher erläutern. Ich will ja nicht spoilern.

Stefan S. Kassner ist ein richtig guter Thriller gelungen. Spannend von Anfang bis Ende, der den Leser ganz schön fordert mit richtigen und falschen Hinweisen und mit fesselndem Showdown, der ohne übertriebene Action auskommt. Wer intensiv liest, kommt schon bald auf den möglichen Täter, allerdings ohne die Person dahinter zu erkennen. Denn hier ist nichts, wie es scheint.

Der Autor schreibt flüssig und gut lesbar, vermeidet komplizierte, verschachtelte Sätze und hochtrabende Begriffe, sodass die Story für jeden unterhaltend sein kann.

Die Charaktere hat er, so unterschiedlich sie auch sind, sehr gut ausgearbeitet. Der Leser kann sowohl mit den Kommissaren als auch mit den Zeugen mitfühlen und die Motivation des Mörders auch nachvollziehen. Besonders gut hat mir die Beschreibung des jungen Polizeibeamten Peters gefallen, der, scheinbar frisch von der Polizeischule kommend, vor lauter Unsicherheit fast im Boden versinkt, sobald er seiner toughen und manchmal etwas raubeinigen Chefin Vera Winter gegenübersteht. Es ist schön zu beobachten, wie sich der Frischling zu einem cleveren Kriminalbeamten mit Intuition und Bauchgefühl entwickelt.

Das Cover mit der im Blut liegenden Rose passt sehr gut zur Geschichte. Die kurzen Kapitel verleiten den Leser immer wieder dazu, noch ein Stückchen weiterzulesen. Interessant ist auch die Bezeichnung der Kapitel, von denen einige nur mit „der Junge“ bezeichnet sind.

Die ersten Seiten des Romans muten verwirrend an, da im Wechsel immer über drei bis vier Zeilen aus zwei Sichten erzählt wird: Einmal romantisch und einmal – nun ja, eben nicht romantisch. Mehr will ich aber nicht verraten.

Fazit: Für Liebhaber des Thriller Genres ist dieses Buch meiner Meinung nach ein absolutes Muss.

Meine Leseempfehlung: Von mir gibt es dafür glatte fünf Sterne.

Das Buch „Todesschweigen “ von Stefan S. Kassner wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.