Doris Litz greift das hochbrisante Thema Kindesmissbrauch auf
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Die Geschichte:
Der Koblenzer Kommissar Alex Bierbrauer ist eigentlich gerade dabei, die Mordkommission zu verlassen und zur Organisierten Kriminalität zu wechseln. Da wird eine Kinderleiche gefunden. Bierbrauer soll den Täter ermitteln. Im Verlauf der Recherchen deckt er einen Kinderhändlerring auf. Dabei geraten nicht nur er und seine Lebensgefährtin Sina Lehmann in Gefahr, sondern auch die Stralsunder Kollegen Katie Hansen und Hendrik van Loh, mit denen Bierbrauer ein Jahr zuvor schon zusammengearbeitet und einen Psychopathen zur Strecke gebracht hat.
Meine Meinung:
Das ist einer der besten Romane die ich je gelesen habe. Doris Litz hat sauber und gründlich recherchiert und ein hochbrisantes Thema aufgegriffen, das leider noch immer für viele ein Tabu ist. Denn die Päderasten sind nicht unbedingt irgendwelche vereinzelt vorkommende heruntergekommenen Gestalten. Tatsächlich sitzen viele der Kinderschänder in höchsten Positionen von Wirtschaft, Politik, Justiz und Polizei.
Die Geschichte entwickelt sich rasant, zum Atmen bleibt einem kaum Zeit. Vor allem gegen Ende, als mehrere Aktionen gleichzeitig stattfinden, die durch kurze Kapitel beschrieben werden, bekommt man das Gefühl, gehetzt zu werden oder besser gesagt die Täter atemlos an der Seite der Polizeibeamten zu jagen.
Die Autorin legt aber nicht nur die Päderasten offen, sondern auch die Mitglieder rumänischer Mafiabanden, die die Ware Kind liefern – und das nicht nur aus den östlichen Balkanländern. Im Darknet finden die Polizisten auch Kataloge, aus denen die Kinderschänder sich europäische Kinder bestellen können, die zuvor beobachtet und fotografiert worden sind und auf Bestellung entführt werden. Wenn man den Roman liest, könnte einem schlecht werden.
Doris Litz beschreibt eine grauenvolle Welt, die es tatsächlich gibt und hangelt sich dabei in einer fiktiven Geschichte so nah an der Realität entlang, ohne dabei voyeuristisch zu sein. Der Leser weiß oder kann zumindest erahnen, was mit den Kindern geschieht.
Sie streift auch das Ansinnen der Grünen in den 1980ern, die die Liebe, respektive den Sex mit Kindern legalisieren wollten. Das Argument der Politiker damals: Der Sex fände in beiderseitigem Einvernehmen statt und füge der Entwicklung der Kinder deshalb keinen Schaden zu.
Wer das Buch „Tödliche Ufer“ von Doris Litz gelesen hat, kennt den manchmal knurrig und streng wirkenden Alex Bierbrauer und seine Kollegen schon. Auch in diesem Buch hat die Autorin die Eigenheiten der einzelnen Protagonisten fein ausgearbeitet. Dabei entwickeln sich Katie Hansen und Hendrik von Loh am meisten. Katie in negative, Hendrik in positive Richtung – zumindest ist das mein Empfinden. Warum ich so denke, will ich hier nicht weiter ausführen. Das würde im Spoilern enden.
Fazit:
Sensible Menschen mit schwachem Magen oder schwachen Nerven, sollten dieses Buch lieber nicht lesen. Es könnte Alpträume verursachen. Andererseits wäre das auch wieder mit einem Wegsehen gleichzusetzen, das leider immer noch viel zu häufig vorkommt.
Meine Leseempfehlung:
Klare fünf Sterne. Meiner Meinung nach sollte jeder dieses Buch gelesen haben. Auch wenn es sich nur um eine fiktive Geschichte handelt, so beschreibt sie doch die erschreckende Realität.
Das Buch „Kinderseelen “ von Doris Litz wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.
