Ein Vigilant nimmt das Recht in die Hand

Die Geschichte:

Recht und Gerechtigkeit sind im menschlichen Empfinden oft zwei Paar Stiefel. Was Richter nach Paragrafen als richtig entscheiden, stößt so manchem gesetzestreuen Bürger bitter auf. So auch im Roman von David Seinsche. Hier wird ein bekannter Vergewaltiger vor Gericht freigesprochen. Ein Urteil, das jemandem nicht gefällt. Der Vergewaltiger und auch sein Anwalt werden am nächsten Tag brutal ermordet aufgefunden. Ein Fall für die beiden FBI-Agents Carl Maddox und Nici Fulton, die sich auf die Spur des Mörders begeben und auch bald schon in dessen Visier geraten.

Mein Eindruck:

David Seinsche hat einen Roman veröffentlicht, der im Stil der amerikanischen Krimi-Thriller gehalten ist. Für einen Krimi ist die Story zu hart, für einen Thriller nicht hart genug. Und doch ist die Jagd nach dem Mörder absolut spannend und so fesselnd, dass man ohne Problem auch mal eine Nacht mit der Nase im Buch verbringt.

Im Klappentext und auch im Roman taucht der Begriff „Vigilant“ auf. Ich gebe zu, ich habe ihn nicht gekannt. Da ich vermutlich (hoffentlich) nicht die Einzige bin, der es so geht, habe ich hier mal eine Definition aus dem Web, die deutlich macht, worum es in diesem Buch geht. So heißt es: Vigilantismus (lateinisch vigilans, wachsam) ist Gewalt jenseits des Gewaltmonopols des Staates, bei dem eigenmächtiges Bestrafen und die Herstellung von Gerechtigkeit im Vordergrund stehen. 

Es geht also um Selbstjustiz. Ein Mensch nimmt die Rechtsprechung selbst in die Hand, legt sie nach seinem Rechtsempfinden aus und handelt entsprechend.

Im Fall dieses Romans macht sich also jemand auf, um seiner Meinung nach falsch beurteilte Täter, so zu bestrafen, wie er es für richtig hält. So bleiben weitere Morde nicht aus. Für die beiden Ermittler beginnt mit dem ersten Mord ein Wettlauf gegen die Zeit. Denn je länger sie brauchen, desto größer ist die Gefahr weiterer Morde.

Seinsche hat die Charaktere gewohnt ausgefeilt angelegt. Sie sind eigenwillig, ein eingespieltes Team, das zielgerichtet vorgeht und doch immer wieder Rückschläge einstecken muss. Lange Zeit tappen sie im Dunkeln, bis sie schließlich erste ernstzunehmende Hinweise bekommen. Der Leser wird von Anfang an in die Ermittlungen gezogen, wobei der Autor des Öfteren Hinweise einstreut, die dem Leser einen Vorsprung vor den Ermittlern ermöglichen. So ist man während des Lesens immer wieder geneigt, den beiden Kommissaren Tipps zu geben, was aber eben leider nicht geht.

Doch Seinsche wäre nicht der Autor, der er ist, wenn er es so einfach machen würde. Denn mit den Hinweisen streut er zwar Hilfen ein, verwirrt aber gleichzeitig und legt falsche Fährten. Mit dem Täter, den er am Ende nach einem atemberaubenden Showdown präsentiert, rechnet garantiert niemand.

Einziger Minuspunkt, der aber nicht wirklich ins Gewicht fällt: Neben Prolog und Epilog gibt es nur fünf Kapitel. Da fällt jedes einzelne natürlich sehr lang aus. Aber das ist meckern auf sehr hohem Niveau.

Dies war der dritte Roman des Autors, den ich gelesen habe. Und ich muss sagen: Chapeau Herr Seinsche. Ich bin in Sachen Krimis und Thriller eine alte Häsin, der man so schnell nichts vormacht. Aber bei Ihrem Roman hatte ich bis zum Schluss nicht den blassesten Schimmer. Sie haben mich voll erwischt und sind auf dem besten Weg zu einem meiner Lieblingsautoren zu mutieren.

Fazit:

Am Anfang habe ich geschrieben, der Roman sei für einen Krimi zu hart, für einen Thriller nicht hart genug. Nicht hart genug bedeutet einfach, dass die Mordszenen nicht so blutig und brutal sind, wie in manchen Romanen. Die Morde an sich werden nicht beschrieben. Lediglich das Auffinden der Opfer.

Leseempfehlung:

Von mir gibt es volle fünf Sterne. Wer Krimis mag, bei denen man automatisch in die Ermittlungen mit einbezogen wird und miträtselt und dabei keinen Zusammenbruch erlebt, wenn das Auffindeszenario beschrieben wird, ist mit „Ihr seid schuldig“ von David Seinsche gut bedient.

Das Buch „Ihr seid schuldig“ von David Seinsche wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.

Eine harte Nuss für zwei Ermittler

Die Bestie von David Seinsche

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In einem Vorort der US-Hauptstadt Washington, D.C. wird eine grausam zugerichtete Leiche entdeckt. Es handelt sich um den 20-jährigen Sohn des berühmten und einflussreichen Senators William P. Fitzroy, der mit zahlreichen Bisswunden übersät ist. Die FBI Special Agents Frank Bernstein und Pete Hancock werden zu dem Fall gerufen und beginnen ihre Ermittlungen. Kurz darauf geschieht ein weiterer Mord nach dem gleichen Muster. Das Opfer, dieses Mal eine junge Frau, die zu den jüngsten SenatorInnen in der US-Hauptstadt zählt, wird auf ähnliche Weise zugerichtet. Schon wittert die Presse eine neue Story, und nur mit Mühe gelingt es den beiden Ermittlern, die Wogen flach zu halten. Können sie den Mörder finden, bevor noch eine Leiche auftaucht, oder steckt mehr hinter den Taten, als alle vermuten?

Die Opfer sind alle junge, aufstrebende Politiker und Politikerinnen. Und sie stehen auf der Abschussliste eines irren Serienkillers. Mit der Lösung des Problems werden die beiden FBI Agenten Pete Hancock und Frank Bernstein beauftragt, die vor der Aufgabe stehen, eine sehr harte Nuss zu knacken.

Meine Meinung

Unterschiedlicher könnten die beiden Ermittler gar nicht sein. Pete Hancock, seit etwas mehr als zehn Jahren im Dienst des FBI, ist trotz seines scharfen Spürsinns und hoher Aufklärungsrate ein ungepflegter Alkoholiker und Prolet, der sich keinen Deut um sein Ansehen kümmert, der Zeugen beleidigt und bei den Ermittlungen nicht immer den offiziell erlaubten Weg verfolgt. Den krassen Gegensatz stellt Frank Bernstein dar. Gerade erst zum FBI gekommen zeigt er sich zielstrebig, gepflegt, in der Politik bewandert, mit ebenso scharfem Spürsinn wie sein Kollege und in der Welt der Politik bewandert und natürlich immer korrekt. Während Hancock nach seiner Scheidung alleine vor sich hin vegetiert, steht Bernstein, der von seinem Kollegen nur als „Welpe“ bezeichnet wird, vor der Hochzeit mit einer Psychotherapeutin. Und, das ist ganz klar, die beiden haben die vereinte Presse im Nacken, was sie ganz schön unter Druck setzt.

Die Charaktere hat David Seinsche sehr gut, mit vielen Kleinigkeiten und authentisch ausgearbeitet, sodass man sie regelrecht vor dem inneren Auge sieht und mit ihnen die Ermittlungen erlebt. Wobei gerade Hancock schon fast unerträglich ist. Wäre er mein Kollege, ich würde mich sofort versetzen lassen. Bernstein verfügt aber über genügend Ruhe und bekommt hilfreiche Ratschläge von seiner Partnerin.

Der Killer ist perfide. Er quält seine Opfer – es bleibt natürlich nicht bei den beiden im Klappentext erwähnten – und lässt sie richtig leiden, wobei er zeitweise schon fast zärtlich mit ihnen umgeht. Sein Motiv ist eines, mit dem der Leser nie und nimmer rechnet, das aber die Art zu morden erklärt. Außerdem beschränkt er sich nicht auf die Hauptstadt der USA. Er lässt seine Verfolger kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten reisen.

Der Thriller hat alles, was ein Thriller braucht, um gut zu sein: Spannung ohne Ende, zwei markante Ermittler, die auch mal ungewöhnliche Wege gehen, einen grausamen Killer, dem man nicht so leicht auf die Schliche kommt und Wendungen, die der Leser nicht erwartet und immer wieder umdenken lässt. Einzig zwei, drei Redewendungen haben mich im Lesefluss gestört. Zum einen benennt Seinsche seine Hauptfiguren meistens als der ältere und der jüngere Agent. Zum anderen benutzt er nach der wörtlichen Rede statt sagte, erwähnte oder ähnlichen Begriffen die Verben bescheiden und kundgeben. Also: der ältere Agent gab kund oder beschied … Auch statt der/die/das nach einem Komma verwendet er überwiegend welcher/welche/welches. Die Ausdrücke und Verben sind allesamt grammatikalisch korrekt und anwendbar. Aber wie gesagt: sie wirken für mich etwas steif.

Meine Leseempfehlung

Für schwache Nerven ist die Story vielleicht ein bisschen zu hart. Nichts desto trotz gibt es von mir eine klare Leseempfehlung. Der Spannungsbogen hält sich über das ganze Buch und macht Freude. Lediglich der Geistesblitz, der den „älteren Agent“ zur Lösung des Falles bringt, ist für mich nicht so richtig nachvollziehbar und wirkt ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Deshalb von mir viereinhalb Sterne.

Das Buch „Die Bestie“ von David Seinsche wurde mir vom dp Verlag kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt, was meine Bewertung jedoch nicht beeinflusst hat.